Junge Schrauber, altes Blech

Verbundschüler aus Medebach und Hallenberg restaurieren alten Traktor

Tim Soltek, Herbert Hesse, Hermann Mause, Herrmann Josef Glade und Schüler der Verbundschule Medebach-Hallenberg.

Hallenberg/Medebach. Maschinen kreischen, Werkzeuge scheppern, Dieselgeruch liegt in der Luft. Mit ölverschmierten, konzentrierten Gesichtern schrauben, schleifen und bohren sechs Jungen und ein Mädchen an Oldtimerteilen. Es ist Donnerstagnachmittag: Oldtimer Traktor AG der Verbundschule Medebach-Hallenberg. In diesem Schuljahr restaurierten zwei Schülergruppen mit insgesamt 16 Teilnehmern in Kooperation mit den Oldtimerfreunden Hallenberg einen 64 Jahre alten Traktor.

„Diese Zusammenarbeit ist aus der Idee entstanden, ein Projekt im Rahmen der Inklusion durchzuführen, in dem es nicht rein um Unterrichtsinhalte geht“, berichtet Sonderpädagoge Tim Soltek, der die AG mit den Oldtimerfreunden Herrmann Mause, Hermann Josef Glade und Herbert Hesse leitet. „In diesem Projekt arbeiten Regelschüler, Förderschüler und Kinder mit Migrationshintergrund an einem gemeinsamen Ziel. Jeder hat die Möglichkeit, seine individuellen Stärken einzubringen, unabhängig von Sprache oder schulischem Leistungsvermögen.“ 

Der Allgaier A111, einer der ersten Traktoren mit Porsche-Motor, wurde bis auf die letzte Schraube zerlegt, alle Teile komplett abgeschliffen oder sandgestrahlt, der Motor wurde neu aufgebaut, Schweiß- und Lackierarbeiten in Zusammenarbeit mit der Lackiererei Ben Damen in Hallenberg ausgeführt und alles wieder zusammengebaut.

"Gelebte Inklusion"

Im Zuge der aufwendigen Restaurierung wurde auch ein Sandstrahlbetrieb besichtigt, wo die Schüler an der Strahlkabine arbeiten durften. Letzte Woche gab schließlich der TÜV seinen Segen. Schulleiter Uwe Kruse zeigt sich begeistert: „Ein tolles Ergebnis, an dem der Erfolg unserer Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen sichtbar wird. Unser Ziel ist es, die Kooperation mit hallenberger Vereinen auch über die Schließung des Schulstandortes im übernächsten Schuljahr fortzusetzen.“ 

„Für uns ist die Jugendarbeit ein wichtiger Teil des Vereinslebens“, so Herrmann Mause, Erster Vorsitzender der Oldtimerfreunde. „Wir können so die nächste Generation für den Umgang mit alter Technik und Metallbearbeitung begeistern.“ Soltek fasst zusammen: „Der gemeinsame Erfolg hat sprachliche Hürden fallen lassen, Grenzen zwischen unterschiedlichen Schulklassen aufgehoben, Kommunikation über Generationen angeregt und neue Freundschaften entstehen lassen. Das ist für mich gelebte Inklusion.“ Die Planungen weiterer Oldtimer Projekte für das nächste Schuljahr laufen bereits.

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