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Junger Sauerländer arbeitet in der Dominikanischen Republik

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Von: Marco Twente

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David Reinecke ist in der Dominikanischen Republik im Bereich Gewässerschutz tätig.
David Reinecke ist in der Dominikanischen Republik im Bereich Gewässerschutz tätig. © privat

Der Wunsch nach Reisen in ferne Länder war bei David Reinecke schon immer groß. Hinzu kam das Interesse an Umwelt- und Naturschutz. Warum nicht beides verbinden, dachte sich der Glindfelder und machte sich im September 2021 auf in die Dominikanische Republik.

Glindfeld – „Das ist schon eine ganz andere Welt hier“, sagt der 24-Jährige, der bei einer Gastfamilie untergekommen ist und im Rahmen des Entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes „Weltwärts“ bei der Umweltorganisation Plan Yaque in der Bergstadt Jarabacoa arbeitet. Plan Yaque kümmere sich um Wiederaufforstungen im oberen Einzugsgebiet des größten Flusses des Landes und die Überwachung der Gewässerqualität. Seit fünf Jahren baue Plan Yaque auch kleine Kläranlagen.

David Reinecke selbst ist im zweiten Bereich der Organisation, dem Gewässerschutz, tätig. Hier werden die Nebenflüsse des Río Yaque del Norte auf ihre Wasserqualität kontrolliert. „Bei einer Verschlechterung wird die Politik informiert“, so der Sauerländer. Oftmals werde jedoch zu wenig unternommen. So gebe es im Land, laut offiziellen Angaben, gerade einmal 10 funktionierende von insgesamt 100 zentralen Kläranlagen. „Jede dieser Anlagen hat richtig Geld gekostet. Leider ist die Bevölkerung da nicht hinterher und lässt der Regierung solche Fehlinvestitionen durchgehen.“

Genau im Bereich Kläranlagen sieht der Masterstudent sein zukünftiges berufliches Betätigungsfeld. „Ich kann mir gut vorstellen, später im Planungsbereich Kläranlagen zu bauen.“ Damit beschäftigt sich der 24-Jährige derzeit auch in einem Projekt. Es gehe darum, den Abwasserfilter, den die NGO Plan Yaque einsetzt, hinsichtlich Reinigungsleistung und Flächenbedarf zu verbessern. „Bis November habe ich das existierende Filterkonzept analysiert, bis Januar habe ich erfolgreiche Konzepte anderer Forscher und Länder untersucht und ihre Anwendbarkeit im Kontext der Dominikanischen Republik abgewogen“, erklärt Reinecke. Im Februar habe er dann eine Technologie abgeleitet, die vielversprechend sei und die in Kürze in einem Pilotprojekt getestet werde.

Spannend sei aber bisher vieles gewesen in „der neuen Welt“, in der er sich auf Spanisch verständigt. Hierfür habe er sich ein halbes Jahr lang im Erasmus-Programm in Spanien vorbereitet. Überhaupt sei er offen für neue Kulturen. „Nach dem Abi war ich in Australien. Die Natur dort ist unglaublich schön, fremd und vielseitig, aber die Kultur war mir nicht so neu.“ Daher zog es ihn nach Lateinamerika – mit einem Jahr Verspätung. Eigentlich wollte Reinecke direkt nach seinem Bachelor der Umweltingenieurwissenschaften ausreisen, durch die Pandemie hat er ein Masterstudium im Bereich Siedlungswasserwirtschaft vorgezogen, das er nach seiner Rückkehr an der RWTH in Aachen fortsetzt.

Doch zuvor hat David Reinecke noch bis Ende August sein Projekt vor Augen. Aber er bleibt realistisch: „Ein effizienterer Abwasserfilter wird dieses Land nicht verändern. Dafür mangelt es noch an politischer und gesellschaftlicher Entschlossenheit zum Umweltschutz.“ Die größte Stadt am Yaque del Norte sei Santiago. Bei den 600.000 Einwohnern komme nur jeden zweiten Tag Wasser aus der Leitung. Der Fluss sei mittlerweile so dreckig, dass die Kapazitäten zur Brauchwasseraufbereitung immer nur für die halbe Stadt reichen. „Vielen Menschen wurde noch nicht erklärt, wie die Wasserqualität mit dem Baumbestand und fehlender Abwasserreinigung flussaufwärts zusammenhängt.“

 Wenn ich Ende August wieder in Deutschland ankomme, dann ist das für mich wieder ein ‘Kulturschock’.

David Reinecke

Seit einigen Monaten unterrichte Reinecke an Schulen Umweltbildung, geht mit den Kindern in die Natur, zeige ihnen wie man Kompost anlegt oder wodurch Flüsse kontaminiert werden. „Damit kann ich der Bevölkerung momentan mehr geben als mit einer kleinen Kläranlage“, denn, so der Sauerländer, die vielen Kinder auf den Straßen hätten viel Potenzial, das durch die fehlende Schulpflicht im Land oft verschenkt würde. „Den Schülern macht es Spaß, zur Abwechslung mal draußen zu sein und sich die Hände schmutzig zu machen. Ich glaube, das Verständnis, das wir vermitteln können, fördert einen achtsameren und interessierteren Umgang mit der Natur. Die Politik können wir nicht ändern, aber wir können im Kleinen anfangen, einen Unterschied zu machen“, resümiert Reinecke. Das Land sei in vielen Bereichen zwar noch nicht so fortgeschritten wie Deutschland, aber es gehe in die richtige Richtung.

Polizei schaut einfach zu

Nur beim Verkehr sei sich der Student noch nicht sicher. Weil er vertraglich nicht selbst fahren darf, trampe er viel. Schon ein paar Mal habe ihn dabei auch die Polizei ein Stück mitgenommen. „Dann sitze ich hinten auf der Ladefläche des Polizei-Pickups und schaue 12-jährigen Jungs zu, wie sie, ihr Motorrad auf dem Hinterrad balancierend, den Streifenwagen überholen. Im nächsten Moment fährt ein Mann mit halbleerer Flasche Rum in der Hand vorbei. Und die Polizei schaut einfach zu.“ So sei es leider in vielen Bereichen: die Einhaltung der Gesetze werde noch nicht genug kontrolliert. „Das war für mich am Anfang sehr ungewohnt, aber es gibt einem auch ein Gefühl von Freiheit“, verrät Reinecke.

Dabei mache er als Student mit dem Programm „Weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit gute Erfahrungen. Daher möchte er es nicht nur Abiturienten, sondern vielmehr Studenten empfehlen, die ihre Erfahrungen aus dem Studium in der Praxis anwenden und mit den lokalen Partnern teilen könnten. Das habe Vorteile für beide Seiten und stärke das Verständnis für wirtschaftliche und interkulturelle Zusammenarbeit.

Apropos Kultur: „Wenn ich Ende August wieder in Deutschland ankomme, dann ist das für mich wieder ein Kulturschock“, schmunzelt Reinecke, der sich dann voll auf seinen Master und danach seinen Beruf konzentrieren möchte. Dann aber kommt doch wieder der große Wunsch nach fernen Ländern durch: „Ich könnte mir vorstellen, irgendwann im Ausland zu arbeiten...“

Spenden: Da sich das Programm zum Teil über Spenden finanziere, bittet David Reinecke um Unterstützung: „Die Spende richtet sich an meine Entsendeorganisation, Ecoselva e.V. aus Sankt Augustin und ist steuerlich absetzbar. Ecoselva e.V. ist als gemeinnütziger Verein anerkannt.“ IBAN: DE34 3706 9520 5303 8250 12, BIC: GENODED1RST, Verwendungszweck: David Reinecke.

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