Medebacherin entscheidet sich für Stammzellspende

Lebensretter für einen Fremden

Nur ein wenig Blut wird für die Typisierung gebraucht.

„Gar keine Frage, das mach’ ich“, ist sich die junge Frau mit dem Telefonhörer in der Hand sicher. Die potenzielle Lebensretterin Tanja Thiele bekam einen späten Anruf: Die Medebacherin ließ sich vor zehn Jahren typisieren und hatte nun die Chance, einem Menschen durch Stammzellspende zu helfen.

Im Rahmen einer Blutspende im Jahr 2004 in Hesborn (seitdem sie 18 Jahre alt ist, spendet Tanja Thiele regelmäßig Blut) ließ sie sich typisieren. „Nur ein kleines Röhrchen mehr Blut wurde mir entnommen, das war es schon“, erklärt die 30-Jährige. Seitdem sind ihre Gewebemerkmale für weltweite Suchanfragen gespeichert. Im Juli 2013 dann, fast zehn Jahre später, meldete sich die Stefan-Morsch-Stiftung, die für ihre Typisierung zuständig war, das erste Mal bei Tanja Thiele. „Da war ich schon überrascht, schließlich hatte ich nach dieser langen Zeit nicht mehr mit einem Anruf gerechnet“, sagt die Medebacherin. „Um festzustellen, ob ich nach dieser Zeit noch als Stammzellspenderin infrage komme, wurde mir ein Blutentnahmeset zugeschickt. Das Blut wurde per Kurier dann beim Arzt abgeholt.“ Einen Monat später war klar: Tanja Thiele ist eine passende Spenderin für einen Mann Anfang 60 aus Frankreich – genauso wie ein weiterer Spender. Für diesen entschieden sich die Ärzte letztendlich. Doch zur Spende kam es nicht, wie Tanja Thiele ein knappes Jahr später, im Winter 2014, feststellte. Die Gründe kennt sie nicht. „Die Stiftung kontaktierte mich daraufhin nochmals. Nun war ich am Zug“, erzählt sie.

Das Ziel war nun bei Bernkastel-Kues zur Voruntersuchung. Hier wurde Tanja Thiele auf Herz und Nieren getestet, musste Fragebögen ausfüllen und wurde über die Chancen und Risiken sowie den Ablauf der Spende aufgeklärt. Drei, vier Tage wartete Tanja Thiele zuhause auf Meldung, bis klar war: Sie ist gesund genug, um zu spenden. Sie entschied sich für die sogenannte Apherese. Die Stefan-Morsch-Stiftung erklärt: „Mit der Übertragung von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt.“ Und weiter: „In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert beziehungsweise zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird. Bei der klassischen Methode – der Knochenmarkspende – punktieren die Ärzte unter Vollnarkose den Beckenknochen des Spenders – niemals das Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde.“

"Typisierung ist enorm wichtig"

Tanja Thiele bekam die genaue Beschreibung des Vorgangs sowie Spritzen, die sie sich einige Tage vor der Entnahme geben musste, schon bei der Voruntersuchung mit nach Hause. Für die junge Frau waren die Spritzen kein Problem. „Die Stiftung konnte ich 24 Stunden am Tag erreichen. Außerdem meldeten sich die Ansprechpartner oft bei mir. Das war total klasse“, zeigt sie sich begeistert von der Betreuung. Zur Stammzellentnahme selbst nahm sie ihre Eltern als Begleitpersonen mit. „Ich war durch die Spritzen ein wenig platt, zwei Tage konnte ich nicht soviel machen“, so Tanja Thiele. „Aber ich wusste ja, wo das herkam.“ Nach einer kurzen Kontrolle begann für die Medebacherin die Entnahme – anschließend ging es ihr schlagartig besser. Kennenlernen wird Tanja Thiele den Menschen, für den sie gespendet hat, nicht. „Das war von vornherein ausgeschlossen“, erklärt sie. Allerdings liegt das nicht an ihrem fehlenden Interesse. „In Frankreich, wo die Spende stattfindet, ist ein Kontakt nicht zugelassen. Die einzige Möglichkeit besteht darin, einen Brief an die Stiftung zu schreiben, der diesen anonym weiterleitet. In Deutschland ist das anders: Hier könnte man nach zwei Jahren Kontakt aufnehmen“, so Tanja Thiele und überlegt: „Dann hätte ich aber auch gewartet, ob sich der Patient meldet.“

Tanja Thiele ist jedenfalls froh, gespendet zu haben. „Es ist enorm wichtig, sich typisieren zu lassen. Stammzellspende ist etwas, das fast jeder leisten kann, egal ob arm oder reich. Vielen Menschen mit bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie, kann nur so geholfen werden. Ohne Spende haben viele kranke Personen eine Überlebenschance von 0 Prozent, mit Spende von 60. Die Beratung ist zudem 1 a – es gibt keinen Grund zur Sorge“, ruft Tanja Thiele auf. (Anna Sartorius, a.sartorius@sauerlandkurier.de)

Die nächsten Termine zur Typisierung finden statt am: Donnerstag, 29. Januar, 17 bis 21 Uhr, Marsberg-Niedermarsberg, Realschule, Lillers Straße Donnerstag, 29. Januar, 16.30 bis 21 Uhr, Bestwig-Velmede, Schützenhalle, Bundesstraße Dienstag, 3. Februar, 16 bis 20 Uhr, Arnsberg-Hüsten, Petrus Haus Kirchplatz 2 Dienstag, 17. Februar, 16 bis 20.30 Uhr, Meschede-Freienohl, Hauptschule, im Ohl

Infos unter www.stefan-morsch-stiftung.de

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