Dritter Verhandlungstag am Landgericht Arnsberg

Medebacher Mordprozess: Zeugin spricht von "Doppelleben" des Opfers

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Jeweils in Handschellen wurden die beiden Angeklagten in den Gerichtsaal des Landgerichts Arnsberg geführt.

Medebach – Am dritten Verhandlungstag im Medebacher Mordprozess am Donnerstag wurden fünf Zeugen vor der Zweiten Großen Strafkammer als Schwurgericht des Landgericht Arnsberg vernommen. Ein Schwesternpaar aus Medebach verstrickte sich dabei in widersprüchlichen Aussagen.

Die 53-jährige Zeugin, die sich als Alltagsbegleiterin um den 67-jährigen Rentner gekümmert hatte, sagte vor Gericht aus, dass der Verstorbene „ein fairer Mensch“ und ihr gegenüber immer zuvorkommend gewesen sei. Bei der polizeilichen Vernehmung hatte sie jedoch nach dem Ableben des Opfers zu Protokoll gegeben, dass der Rentner zwei Leben gelebt habe. Ihr sei mehrfach zu Ohren gekommen, dass er abends oft in Korbach und Bad Wildungen gesehen worden sei. Des Weiteren hatte sie der Polizei mitgeteilt, dass der Medebacher mehrfach wechselnden Kontakt zu jüngeren Männer pflegte und sie zu ihm nach Hause gekommen seien. 

Am dritten Prozesstag konnte sich die Zeugin jedoch nicht an mehr als zwei Männer erinnern. „Ich habe einmal gesehen, dass er zu einem jüngeren Mann Kontakt hatte, der höchstens 35 Jahre alt war. Er trug eine Kappe und sah drogenabhängig aus. Einen weiteren Mann habe ich bei ihm in der Küche auf der Eckbank sitzen sehen“, so die Medebacherin. 

Gerüchte über Homosexualität des Opfers

Die Zeugin äußerte sich weiterhin nur vage hinsichtlich der sexuellen Orientierung des Opfers. Sie sprach lediglich davon, dass ihr in der Pommesbude und auf Feiern zu Ohren gekommen sei, dass er homosexuell war. „Er selbst hat sich nie dazu geäußert. Er war aber Ausländern gegenüber nicht wirklich positiv eingestellt, sagte, die sollen zuhause bleiben, dort werden sie auch gebraucht.“ Die Zeugin berichtete weiterhin, dass sie von Gerüchten hinsichtlich Schwarzarbeit und bezahlten Führerscheinen von jungen Männern gehört habe. Sie sagte aus, dass sie bei dem Verstorbenen Führerschein-Fragebögen gesehen habe. 

Jeweils in Handschellen wurden die beiden Angeklagten in den Gerichtsaal des Landgerichts Arnsberg geführt.

Ihre 57-jährige Schwester, die sich gerne mit dem Verstorbenen unterhalten hatte, da er immer den neuesten Dorftratsch kannte, gab zu Protokoll, dass er regelmäßig im Medebacher Malergeschäft „auftauchte“, er zudem „Hiwis“ beauftragte, die ihm bei Malertätigkeiten halfen. „Es war kein Geheimnis, dass er schwul war. Er hat sich aus Korbach immer die ‘Stricher’ geholt“, äußerte die Zeugin vor Gericht, betonte jedoch dabei wie ihre Schwester, alles nur „vom Hörensagen“ zu wissen. 

Bei der anschließenden Vernehmung der Mitbewohnerin der beiden Angeklagten bescheinigte diese ihnen, einen liebevollen Umgang gepflegt zu haben. Sie gab weiterhin an, dass beide abends gemeinsam die Wohnung verlassen haben, um nach Rumänien zu fahren, da die Schwiegermutter schwer erkankt und ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. „Beide waren wie immer, ruhig und normal, bevor sie abfuhren. Sie waren eine glückliche Familie“, gab sie vor Gericht an. 

Fahrer will von Tat nichts gewusst haben

Das „normale“ Verhalten des Paares bestätigte auch der Fahrer des Kleintransporters, der die beiden Angeklagten in der Nacht nach der Tat nach Rumänien gefahren hatte. „Er hat mich nach 23 Uhr angerufen mit der Bitte, ihn und seine Frau nach Rumänien zu fahren, da seine Oma schwer krank sei“, so der Zeuge. „Wir haben dann die Sachen geholt, er hat am schwarzen Polo die Nummernschilder abmontiert. Dann ging es nach Rumänien.“ 

Von dem Mord oder Totschlag habe er erst über eine Woche später nach seiner Rückkehr nach Deutschland erfahren. Selbst ein zwischenzeitlicher Chat auf einem sozialen Netzwerk verbunden mit der Bitte, alles Besprochene zu löschen, habe ihn nicht verwundert. „Ich habe immer gedacht, es geht um den Polo. Von dem Tötungsdelikt hatte ich zu dem Zeitpunkt keine Ahnung.“

Der vierte Prozesstag findet am 11. Oktober um 9 Uhr im Landgericht Arnsberg statt.

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