Mythos Amazonien

In der Reisebeschreibung hieß es: abenteuerliche Expedition durch eine vom Tourismus noch nicht erreichte, geheimnisvolle Welt von der Quelle des Amazonas in Peru bis zur Amazonasmetropole Manaus in Brasilien — und genau das erwartete Mechthild und Friedhelm Kuhnhenne aus Medebach auf ihrer Reise im August 2009.

"Wir haben auf dieser Tour durch Peru, Bolivien und Brasilien etwa 3900 Kilometer zurückgelegt, davon ungefähr 2200 Kilometer auf dem Wasser mit Motorkanus und einem Frachtschiff. Nach einer Stadtrundfahrt in Lima ging es per Flieger nach Arequipa, der weißen Stadt. Nach kurzer Besichtigung fuhren wir über einen Pass (4.910 Meter über NN) nach Chivay. Hier haben wir den Colca-Canon (tiefer als der Grand Canyon) und das Kreuz des Condors besichtigt und die Akklimatisierungswanderung für das Trekking stand an", so Friedhelm und Mechthild Kuhnhenne. Danach teilte sich die Gruppe in "Trekker" und "Alternativprogramm". Fünf Teilnehmer im Alter zwischen 49 und 70 Jahren machten sich zu einer Trekkingtour hoch zur Amazonasquelle auf. Begleitet wurden die Abenteurer von einem Guide, einem Bergführer, zwei weiteren Helfern und dem Koch. Außerdem noch von vier Andenpferden, von denen drei die Ausrüstung (wie Zelte, Kochgeräte usw.) getragen haben und eines für schwächelnde Teilnehmer bereitstand. "Ich habe das Pferd zum Glück nicht gebraucht. Jeder Wanderer wird sich die Strapazen vorstellen können, wenn ich sage, dass wir am ersten Tag etwa sechs Stunden gewandert sind und dabei schätzungsweise 9,5 Kilometer zurückgelegt haben", so Mechthild Kuhnhenne. Am zweiten Tag haben die Wanderer den höchsten Punkt der Wanderung mit 5150 Meter erreicht. An diesem Tag waren alle physisch und auch psychisch über mehrere Stunden am Limit. Nachts war es teilweise bis minus 15 Grad kalt und das Zelt von innen mit Eis bedeckt. Doch aufgrund des guten Schlafsacks sei dies kein Problem gewesen. "Dieses Trekking ist wirklich eine ganz individuelle Tour, weit abseits von jeglichem Massentourismus und nur für Hardliner". Beim Alternativprogramm stand das Valle Sagrado (hl. Tal der Inka) die Inkaruinen von Ollantaytambo und Cusco auf dem Programm. "Hier hatten wir auch die Möglichkeit das Nationalgericht Perus ,Cuy' (Meerschweinchen) zu probieren. Und — es schmeckt lecker. Danach ging das Programm gemeinsam mit allen Teilnehmern weiter zur alten Inkastadt Machu Picchu, die auf einer Höhe von 2450 Meter liegt und von allen Wundern der Erde wohl die schönste Aussicht hat. In den nächsten Tagen konnten wir die Schönheiten des Manu Nationalparks erleben und haben in Atalaya unser erstes Motorkanu übernommen, mit dem wir über einen Zubringerfluss des Amazonas 'Alto Madre de Dios' gefahren sind", so Kuhnhennes. Hierbei sei die Fahrt buchstäblich steil bergab gegangen. Bei einer Fließgeschwindigkeit von 20 bis 25 Kilometer haben die Abenteurer in 10 Minuten 55 Höhenmeter zurückgelegt. Bei Wanderungen in und durch den Dschungel haben die Medebacher wunderschöne glasklare Seen, eine Salzlecke für Aras und eine Affeninsel besucht. Und ein Bad in einer Naturtherme mitten im Dschungel sei schon ein tolles Erlebnis. Übernachtet wurde in kleinen Indianersiedlungen, teilweise in Lodges und auch auf Feldbetten mit Moskitonetzen.

Im Piranha-Angeln versucht

"Dabei hatten wir auch das Glück, mit der indigenen Bevölkerung in Kontakt zu kommen. Als besondere Überraschung kam in der Yacoyana-Lodge sogar ein Tapir zu Besuch und ließ sich von uns füttern und sogar streicheln, obwohl diese Tiere nicht zu domestizieren sind. In einer anderen Lodge konnten wir einen Frosch hören (leider nicht sehen), der die Größe eines gepackten Rucksacks hat. Das nächste Stück der Reise haben wir mit Taxen zurückgelegt und konnten kurz vor Puerto Maldonado auch an einer Schamanenzeremonie teilnehmen, ehe es mit dem nächsten Motorkanu zum Lago Valencia ging, an dem wir uns im Piranha-Angeln versucht haben. Immerhin waren wir so erfolgreich, dass am nächsten Morgen zumindest jeder mal ein Stück dieses Fisches probieren konnte". Weiter haben sie eine Goldwaschanlage besucht und sich davon überzeugt, wie hart diese Arbeit ist. Auf einer Hazienda haben die Medebacher im Dschungel Paranussbäume gesehen und in Riberalta konnten sie sich dann in einer Paranussfabrik informieren, wie diese Nüsse weiterverarbeitet werden. Danach ging es wieder über Land bis nach Porto Velho, wo die Abenteurer auf einem Frachtschiff in vier Tagen bis nach Manaus gefahren sind. Auf diesem Frachtschiff seien sie die sbsoluten "Exoten" gewesen, ansonsten waren nur Brasilianer dabei. Die Nächte wurden an Deck in Hängematten verbracht. "Manaus erwartete uns mit 45 Grad im Schatten und einer hohen Luftfeuchtigkeit. Hier haben wir uns vor allem die berühmte Oper angesehen", so Mechthild Kuhnhenne.

Von Manaus aus ging es dann über Sao Paulo wieder nach Frankfurt. Die Tour beinhaltete auf vielen Etappen einen Komfortverzicht, manchmal war gerade Zähneputzen möglich. Aber die liebenswerten Menschen, die Landschaft und die Sehenswürdigkeiten haben dieses mehr als wettgemacht. Wir hatten auf der Tour einen 'durchgehenden' Reiseleiter, dazu noch ca. 20 Zusatzguides und Helfer wie Dschungelführer, Kapitäne, Steuermänner, Lotsen und unseren Koch Timotheo. Dazu kam ungefähr noch einmal die gleiche Anzahl an Fahrern für Busse, Taxen usw. Hierbei sind unsere zusätzlichen Fahrten in den Städten mit Taxen, Tuck-tucks und Mopeds noch nicht eingerechnet. Wir haben auf dieser Reise viel Schönes und auch Kurioses erlebt: Springschlangen, die allergisch gegen Zigarettenrauch sind und sich dann lieber verziehen. Moskitos, kaum sichtbar, aber um so agressiver. Riesenameisen, von denen 5 bis 6 Bisse sogar für den Menschen tödlich sind. Zwei Schlangen haben wir gesehen, eine lag plattgefahren mitten auf einer Dorfstraße und eine andere hochgiftige Schlange war am Kinder im Hochland von Peru Tapirbesuch Tag vorher von einem Ranger enthauptet worden und stank schon etwas vor sich hin. Das Essen war ziemlich unproblematisch, doch als auf einem Grillteller als Delikatesse Darm und Euter lagen, waren plötzlich alle satt. Interessant auch, dass in Peru, dem Ursprungsland der Kartoffel, in dem es heute über 1000 verschiedene Sorten gibt, meist Reis oder Spagetthi auf dem Teller waren. Südamerikanische Bürokratie konnten wir am eigenen Leib erfahren. In Manaus dauerte der Geldumtausch von US Dollar in Real sage und schreibe 110 Minuten. Und ein paar Tage später erhielten wir gar kein Geld, da nach 13 Uhr in ganz Brasilien kein Umtausch mehr möglich ist. Jetzt warten wir darauf, ob das Sprichwort 'wer das Wasser von Amazonien einmal getrunken hat, kommt immer wieder zurück' in Erfüllung geht. Ein ausführlicher Reisebericht wird in Kürze unter www.kuhnhenne-online.de veröffentlicht.

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