Kommissar: „Angeklagter hat alles verstanden“

Nicht verwertbare Aussage? Siebter Verhandlungstag im Medebacher Mordprozess

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Der siebte Verhandlungstag im Medebacher Mordprozess stand jetzt an.

Medebach – Hoch her ging es am siebten Verhandlungstag vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Arnsberg im Medebacher Mordprozess.

Der Leiter der Dortmunder Mordkommission Gregor Schmidt, der umfangreiche Auswertungen hinsichtlich Tatort, Umfeldermittlung, Überführung und Vernehmung des 22-jährigen Angeklagten Florin M. mitteilte, wurde hart von Strafverteidiger Bernhard Scholz angegangen. Der Kölner Anwalt verlangte nach der Vernehmung des Beamten ein Verwertungsverbot der Aussage aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse des mutmaßlichen Täters. Scholz betitelte die Deutschkenntnisse seines Mandanten allenfalls als „alltagstauglich“, nicht aber als angemessen vor dem Hintergrund des schwerwiegenden Mordvorwurfs. 

Der 52-jährige Kriminalhauptkommissar hatte zuvor berichtet, dass über das Bundeskriminalamt festgestellt worden sei, dass sich das Pärchen in Rumänien aufgehalten habe: „Zusammen mit meinem Kollegen bin ich nach Rumänien geflogen, um den Tatverdächtigen in Empfang zu nehmen und nach Deutschland zu überführen. Am Flughafen habe ich ihn in einfachen Worten auf Deutsch belehrt. Der Angeklagte hat alles verstanden.“ Lediglich das Wort Anwalt habe er zum Verständnis durch Advokat austauschen müssen. 

Weiterhin berichtete Schmidt, dass es nach der Belehrung aus Florin M. nur so „heraussprudelte“. Er habe im Flugzeug während der eineinhalbstündigen Vernehmung von Bedrohung mit dem Messer und Pfefferspray durch den Verstorbenen gesprochen sowie von verlangten sexuellen Handlungen. „Er sprach davon, dass er fliehen wollte und dabei von dem Medebacher mit dem Messerknauf ins Gesicht geschlagen wurde. Er wehrte sich und habe danach mit der Schere in den Hals des Opfers gestochen“, so der Dortmunder Kripobeamte. „Er hat mehrfach gesagt: ‚Es ist nicht so, wie Sie das glauben’. Seine Freundin wollte er ganz aus dem Verfahren heraushalten. Sie sei nie in der Wohnung des Toten gewesen. Darum hat er die Vernehmung auch nicht unterschrieben.“

Achter Prozesstag am 19. November

Laut den Einschätzungen des Leiters der Mordkommission erschien M. die Situation hinsichtlich der Prostitution „neu und ekelerregend“. „Er sagte: ‘Ich mache das nicht, ich habe eine Tochter’.“ Schmidt sprach vor Gericht zudem davon, dass er schnell davon erfahren habe, dass der Tote eine Affinität zu jungen Flüchtlingen und Drogenabhängigen gehabt habe. Weiter erklärte er: „Der Tote war die erste Adresse für Schwarzarbeit im Raum Medebach.“

Laut dem Kripochef konnten die sichergestellten Fingerabdrücke mittels DNA-Analyse den Angeklagten zugeordnet werden. Schmidt sagte weiterhin aus, dass zwar ein Portemonnaie und andere Gegenstände abhanden gekommen, die EC-Karte und der Personalausweis im Polo des Verstorbenen jedoch aufgefunden worden seien. Aufgrund der Aussage der Haushälterin: „Das hätte er nie tagelang so gelassen“ schlussfolgerte der Beamte schließlich, ein Schränkchen im Schlafzimmer sei aufgebrochen worden. 

In der anschließenden Vernehmung eines weiteren Dortmunder Polizeibeamten bestätigte dieser, er sei mit nach Rumänien geflogen, um den mutmaßlichen Täter zu überführen, bescheinigte die Belehrung auf Deutsch in verständlicher Sprache. Als weiterer Zeuge wurde der Hausarzt vernommen, der über zwei Jahrzehnte das Opfer monatlich beziehungsweise quartalsmäßig ärztlich betreut hatte. Vor Gericht sagte er aus, dass er einmalig dem Verstorbenen nach einer OP Viagra verschrieben habe. 

Der letzte Zeuge gab zu Protokoll, dass er vor gut 30 Jahren von dem verstorbenen Rentner sexuell belästigt worden sei. „Er hat mich beim Trampen mitgenommen und gefragt, ob ich bei ihm Tapeten abreißen könnte. Dabei hat er mir dann an den Hintern gepackt, eine Flasche Bier gegeben. Am anderen Tag bin ich in seinem Bett wach geworden. Er stellte mir die Frage ‚Tut dir dein Hintern weh’? Ich vermute in dem Bier waren K.o.-Tropfen.“

Der achte Prozesstag findet am 19. November um 9 Uhr im Landgericht Arnsberg statt.

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