Der Weg in eine bunte Zukunft

Oberschledorner öffnen ihre „Farbenglanzkirche“

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Besucher können den Kirchenraum individuell durch Licht und Farbe gestalten.

Oberschledorn. (Allein) in einer Kirche zu sein, hat etwas Beeindruckendes. Der Blick gleitet über die Wände bis zur Decke, bemerkt die kunstvoll gestalteten Fenster, den Altar, der eigene Atem ist zu hören – das löst wohl in jedem Menschen andere Emotionen aus. In Oberschledorn wird diesen Emotionen und denen aus dem Alltag ein ungewöhnliches Ventil gegeben: Die Kirchengemeinde hat ihre Kirche St. Antonius Einsiedler in eine „Farbenglanzkirche“ verwandelt.

„Ganz nach der augenblicklichen Stimmung – wie Freude, Dankbarkeit, Traurigkeit, Wut – können Besucher den Kirchenraum mittels eines Touchscreens mit Licht und Farben gestalten und dabei Musik und meditativen Gedanken lauschen“, erklären Reinhard Beuse und Herbert Schlüter vom Kirchenvorstand. Sie waren ebenso wie Peter Winterberg, ebenfalls vom Kirchenvorstand, begeistert von der Idee, die Andrea Donner ihnen vor rund einem Jahr unterbreitete: Modern – medial – meditativ sollte die Kirche werden, Glaubensthemen neu vermitteln, „ein buntes Zukunftsbild mit Leben und Farbe kreieren“.

Besucher der Farbenglanzkirche sollen Kraft schöpfen, Trost finden, sich mit Gott und den eigenen Gedanken auseinandersetzen oder schlicht eine Atempause im Alltag erleben – eben eine „echte Glanzerfahrung machen“, wie Andrea Donner mit einem Lächeln bestätigt. Sie war fasziniert von der Lichterkirche der evangelischen Kirchengemeinde Rattlar, ebenso wie der Lichter- und Zuspruchskirche der katholischen Gemeinde Gleidorf, in denen das Mediale Kirchensystem schon mit Erfolg verwirklicht wurde. Die Idee war geboren, Ähnliches in Oberschledorn umzusetzen. Gesagt, getan: Ende 2016 kontaktierten die Oberschledorner Pfarrer Ulf Weber, der die Kirche in Rattlar konzipierte und auf dessen Grundlage Gleidorf mit der Himmelsleiter zur Lichter- und Zuspruchskirche wuchs. Auch der heimische Pfarrer Dr. Achim Funder stimmte ihrem Anliegen zu. 

Besondere Merkmale Oberschledorns

Die Verantwortlichen trugen ihre Gedanken zusammen, ließen ihre Ideen reifen – „schließlich wollten wir die Konzepte in Rattlar und Gleidorf nicht einfach nachmachen“, sagen Reinhard Beuse, Herbert Schlüter und Andrea Donner, „sondern auf die besonderen Merkmale Oberschledorns eingehen.“ Kunst und Farbe spielen im Ort eine große Rolle, nicht zuletzt durch das Kultur- und Malzentrum Kuma. „Wir bieten intuitives Malen an, werden als außerschulischer Lernort besucht, bauen auf junge Menschen“, so Donner, „und machen gemeinsame Glanzerfahrungen.“ Mit ihrem innovativen Konzept – „Oberschledorn mit Kunst und Geheimnis des Lebens als Farbenglanzkirche“ –stellte das Team den Antrag beim Erzbistum Paderborn – und war auf einmal mittendrin auf dem Weg in eine bunte Zukunft. So ist die Farbenglanzkirche nicht nur ein Rückzugsort für die erwachsenen Besucher, sondern auch für Kinder und Jugendliche. Sie können neben den individuell einstellbaren Farben – ob uni, in den Farben des Regenbogens oder des Sonnenscheins – allein oder gemeinsam auch biblischen Geschichten oder Hörspielen lauschen. 

Herbert Schlüter, Reinhard Beuse und Andrea Donner – es fehlt Peter Winterberg – laden in die Farbenglanzkirche ein. Am Freitag wird sie eröffnet.

Das Grundprogramm besteht schon, Pfarrer Dr. Achim Funder wird zum Beispiel noch Andachten einsprechen, auch Gesänge des Frauenchors und Männergesangsvereins werden zu hören sein oder, falls die Kirche angenommen, wird, weitere Andachten und Impulse in regelmäßigen Abständen. So kann das Mediale Kirchensystem ebenfalls eingeflochten werden in Messen, Kindergottesdienste oder Konzerte. Um bis zu diesem Punkt zu kommen, probierten die Verantwortlichen viel aus, machten Tests, fanden dann die geeigneten Stellen für die Lichter: Jeweils ein Fächer an der linken und an der rechten Seite wurden angebracht, ebenso eine Installation hinter dem Hochaltar – hier hat auch Peter Winterberg mit seinem technischen Wissen und seiner tatkräftigen Unterstützung bei der Einrichtung maßgeblich zum Gelingen des Projektes beigetragen. 

Was kompliziert klingt, ist für die Besucher ganz einfach zu händeln: „Niemand muss Angst vor der Bedienung haben. Mit dieser kommen kleine und große Besucher gut zurecht. Einfach ausprobieren“, laden die Verantwortlichen ein. Sie freuen sich auch über zahlreiche Besucher aus den Nachbargemeinden und über jeden Interessierten bei der Eröffnung und Vorstellung der Farbenglanzkirche am kommenden Freitag, 22. September, um 19 Uhr – bei der wohl unterschiedliche Emotionen hervorgerufen werden, ganz so, wie es in der Farbenglanzkirche gewollt ist.

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