Aufs richtige Pferd gesetzt

Pastoren Scheune in Düdinghausen: Team arbeitet an Ausstellung „Wüstungen“

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Horst Frese mit der Lebens-Zeituhr.

Düdinghausen. Es war einmal ein kleines Spielzeugpferdchen. Dieses Spielzeugpferdchen, schmal, einfarbig, in eine Hand passend, war einem Kind lieb und teuer, damals im 12. oder 13. Jahrhundert. Später, viel später, sollte es für Freude bei einem Erwachsenen sorgen. Reinhard Tüllmann, Bauer aus Düdinghausen, hat es vor 30 Jahren auf seinem Grundstück gefunden. Und fähigen Händen übergeben: der Geschichtsforscherin Antonie Finnemann, jetzt im Team des Heimathauses „Pastoren Scheune“. Nun, 30 Jahre später, ist das Spielzeugpferdchen Wegbereiter für eine Lebens-Zeituhr eines mittelalterlichen Dorfes, zu sehen in der Pastoren Scheune. Um diese herum arbeitet das Museumsteam an einem neuen Ausstellungsbereich mit dem Thema „Wüstung“.

Horst Frese, Erster Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Düdinghausen, Träger des Dorfmuseums, erklärt: „Heute sind nur noch Wiesen und Äcker zu sehen, doch im Mittelalter befand sich ganz in der Nähe von Düdinghausen das Dorf ‘Wifhardinghusen’. Um 1400 herum fielen viele Dörfer wüst, so auch Wieferinghausen. Gründe dafür waren unter anderem Missernten, die Pest oder Überfälle.“ Das Team der Pastoren Scheune möchte die Wüstung über Museumsführungen wieder in ein lebhaftes mittelalterliches Dorf verwandeln und den Besuchern das Leben und die Entwicklung näherbringen. 

Dafür taucht es selbst tief in die Geschichte ein. Nachdem Reinhard Tüllmann das Spielzeugpferdchen vor 30 Jahren gefunden hatte, hatte sich Antonie Finnemann auf die Suche nach weiteren Schätzen begeben – und ist fündig geworden. Sie hat seitdem Keramiken, die der Verein zur Untersuchung an einen Experten der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie der LWL-Archäologie für Westfalen in Münster schickte, gesammelt. Der Experte ordnete die Keramiken chronologisch – die Lebens-Zeituhr ist nach und nach entstanden. Die ältesten Stücke stammen aus dem 8. Jahrhundert; zudem entdeckten die Düdinghäuser die Riemenschnalle eines römischen Pferdegeschirrs wohl etwa aus der Zeit um 100 n. Chr. 

Das Mittelalter als Schwerpunkt

Um Geschichte zu vermitteln, ist es dem Museumsteam wichtig, Geschichten zu erzählen – nicht hoch wissenschaftlich, sondern authentisch, in klaren, einfachen Worten. In diesem Sinne soll auch das Thema „Wüstung“ Einzug finden in die Pastoren Scheune, die Wüstungsgeschichte systematisch dargestellt werden. Seit dem vergangenen Jahr arbeiten die Ehrenamtlichen an einem pädagogischen Konzept. Und sind schon ein ganzes Stück weitergekommen: „In einer Sturzvitrine möchten wir die wertvollsten Dinge präsentieren, eine Karte könnte das Thema ergänzen. Im gesamten Raum soll das Mittelalter Schwerpunkt sein. “ 

Das Spielzeugpferd aus dem 12./13. Jahrhundert.

Nicht fehlen werden natürlich die Erklärungen der Gegenstände und Hintergrundinfos: Wie sind die Dörfer entstanden? Warum sind sie ab etwa 1350 verschwunden und wurden zu ebendiesen Wüstungen? Auch der Klimawandel wird eine Rolle spielen: „Damals konnten die Menschen sogar auf den Bergen anbauen. Um 1250 allerdings änderte sich das Klima; innerhalb kürzester Zeit wurde es im Schnitt 2 bis 3 Grad Celsius kälter“, so Horst Frese – es folgten Missernten. 

Der Heimat- und Verkehrsverein freut sich, dass auch weitere Dörfer die Geschichte naheliegener Wüstungen aufarbeiten. Denn ein Märchen seien die Wüstungen schließlich nicht – sie seien ebenso Realität wie das kleine Spielzeugpferdchen, das Wegbereiter wurde für die neue Ausstellung.

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