Die Reise zu sich selbst

"Perlen des Glaubens" in Medebacher Kirche bieten eine meditative Erfahrung

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Der Wind trägt die Sorgen weg: Das ist eine Station in der Medebacher Kirche.

Medebach - „Wie können wir den Besuchern im geschäftigen Treiben des Stadtjubiläums vom 23. bis 25. August eine meditative Erfahrung bieten, dazu eine Auszeit aus ihrem Alltag?“, fragte sich der Pfarrgemeinderat Medebach vor einigen Monaten – und hat darauf eine Antwort gefunden.

Die Perlen des Glaubens sollen die Lösung sein – „sie sind eine Möglichkeit, im stressigen Alltag wieder zu sich selbst zu finden und sich auf das Wesentliche zu fokussieren“, erklärt Gisela Köster stellvertretend für die Pfarrgemeinderatsmitglieder. Dazu haben die Medebacher in der Pfarrkirche St. Peter und Paul verschiedene Stationen aufgebaut, jeweils bezogen auf eine „Perle des Glaubens“ (siehe Infokasten). Zu jeder Station haben sie zudem eigene Texte verfasst, die den Besucher bei dieser „Reise zu sich selbst“ unterstützen sollen. Unter anderem gibt es folgende Perlen:

Die Ich-Perle 

„Wer bin ich? Welche Rolle spiele ich? Welche Träume habe ich?“ – Die Ich-Perle soll dazu anregen, über sich selbst nachzudenken. Das ‘Ich’-Sagen gehe manchen Menschen schwer über die Lippen, anderen leicht. Die Medebacher haben bei dieser Station eine antike Kommode mit Spiegel aufgestellt, dazu hören die Besucher per Kopfhörer das Lied „Ich bin ich“. So heißt es: „Hier steht die Frage ‘Wer bin ich wirklich?’ im Mittelpunkt, die Besucher sollen sich auf sich selbst besinnen.“

Die Wüsten-Perle 

„Die Besucher können ihre Sorgen mit einem Stock in eine Sandfläche schreiben“, so die Medebacher. „Wind pustet die Sorgen dann sozusagen weg.“ Die Wüste soll für die Kämpfe des Lebens oder die Schuld, die ein Mensch auf sich geladen hat, stehen.

Die Geheimnis-Perlen 

Menschen haben Geheimnisse, die sie mit sich herumtragen, aber mit niemanden teilen möchten. Das Gefühl der Schwere soll ihnen genommen werden bei dieser Station: „Besucher können ihr Geheimnis auf einen Zettel schreiben und in die Öffnung einer Mauer stecken. Bei Gott ist es gut aufgehoben, vor ihm können wir offen sein und ihm auch unsere größten Geheimnisse anvertrauen.“

Die Perle der Gelassenheit 

„Besucher können eine Feder fallenlassen, ihr beim Schweben zusehen und wenn sie möchten eine Yogaübung dazu machen“: Diese Perle soll ein Gegenbild zu den Lasten, Pflichten und Herausforderungen, die Menschen täglich bewältigen müssen, sein sowie Gelassenheit lehren.

Die Perle der Nacht 

Erst am Donnerstag haben die Medebacher einen lichtundurchlässigen Pavillon aufgebaut. „Drei Minuten verharren Besucher hier in völliger Dunkelheit und Stille. Das kann ganz schön lang werden“, erklärt Pfarrgemeinderatsmitglied Gudrun Huneck. „Hier soll Platz sein für Schmerz, Traurigkeit und eigenes Versagen, die Station konfrontiert uns mit den Schattenseiten des Lebens.“ Sie soll daran erinnern, dass diese Gefühle zum Leben dazugehören und zugelassen werden dürfen.

Armbändchen in der Kirche erhältlich

Ebenfalls aufgebaut wurde eine Station zur Perle der Auferstehung – „und die soll das Gegenteil sein von der Perle der Nacht, die Besucher können sich überraschen lassen“, so der Pfarrgemeinderat. Auch eine Station zur Perle der Stille ist in Planung. 

Damit sich die Besucher an diese meditative Erfahrung, diese Auszeit, erinnern, hat der Pfarrgemeinderat zudem entsprechende Perlen besorgt, segnen lassen und auf Armbändchen aufgefädelt. Diese sind zum Selbstkostenpreis in der Kirche erhältlich. „Die Resonanz ist toll. Allgemein auf die Stationen der Perlen des Glaubens, zudem auf die Armbänder. Manche haben sie am Autospiegel hängen, andere am Küchenschrank oder sie tragen sie am Körper mit“, teilt Ute Althaus vom Pfarrgemeinderat mit. „Das freut uns sehr, ist es schließlich genau das, was wir erreichen wollten: dass Menschen eine Auszeit aus dem Alltag nehmen, sich auf das Wesentliche besinnen und eine spirituelle Erfahrung machen.“

Die Perlen des Glaubens sind ein ökumenisches Perlenband, das ursprünglich aus Schweden stammt. Jede Perle steht für ein Lebens- oder Glaubensthema. Es soll eine Hilfe sein, um wieder mit sich selbst, mit Gott und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Es lädt ein, sich Zeit zu nehmen - für sich selbst und Gott. So soll der Blick auf die eigene Biographie gehen und Erfahrungsräume sollen sich in der Rückschau oder auch ganz neu erschließen. So soll sich (wieder) ein Weg zu christlichen Traditionen und Glaube im wahrsten Sinne „greifbar“ öffnen. 
18 Perlen reihen sich an einem Band aneinander. Sie bilden einen Kranz, dessen Anfang und Ende durch die größte Perle golden leuchtend gesetzt wird. Sie unterscheiden sich in Form, Farbe und Größe und weisen mit ihrem Namen auf ihre Bedeutung hin. Die Perlen können als die eigene Biographie gedeutet werden oder auch als Lebensweg Jesu.

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