Geschichtscafé arbeitet Weiberschlacht spannend auf

Rebellion der Grafschafter

Nahezu unglaubliche Zivilcourage erfordert es, sich nur mit landwirtschaftlichem Gerät – ohne Schusswaffen – gegen 100 bewaffnete Soldaten zu stellen. Vor genau 250 Jahren brachten Einwohner der westfälischen Grafschaftsdörfer genau diesen Mut bei der „Weiberschlacht“ zu Wissinghausen zusammen.

Horst Frese, Erster Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Düdinghausen, fasst die Situation, die die Einwohner über Jahre lang hinweg beschäftigte, zusammen: „Einwohner der Grafschaft Düdinghausen versammelten sich im Jahre 1765 in großer Zahl. Sie wollten kurkölnische Soldaten von der Eintreibung von Sondersteuern, unberechtigter, wie sie selbst fest überzeugt waren, abhalten.“ Es fielen Schüsse – ein junges Mädchen von 18 Jahren wurde getötet, weitere zum Teil schwerverletzt. „Unter anderem aus diesem Grund tauchte der Begriff ‘Weiberschlacht’ auf“, erklärt Horst Frese. Zum Jahrestag dieser höchst spannenden Episode der heimischen Geschichte laden die Heimatvereine Düdinghausen und Deifeld/Wissinghausen gemeinsam zum fünften Geschichtscafé am kommenden Sonntag, 18. Januar, ein.

Spannende Darstellungen aus 60 Seiten historischer Protokolle möchten die Veranstalter beim Geschichtscafé mit Leben füllen. Behandelt wird nicht nur der Ablauf der Weiberschlacht selbst, sondern auch der Vorlauf (unter anderem, wie sich der Unmut der Bevölkerung und damit die Rebellion aufgebaut hat) als auch der Nachlauf (nach der durch den Rückzug der Soldaten vermeintlich für die Grafschafter gewonnenen Weiberschlacht marschierten im August 600 Soldaten als Strafe in die Dörfer ein). Horst Frese liegen verschiedene Versionen der Weiberschlacht vor – zum einen aus der Sicht der Grafschafter, zum anderen aus der Sicht des kurkölnischen Hauptmanns. „Uns ist beim Geschichtscafé wichtig, die Geschichte anschaulich darzustellen. So sollen die Besucher überlegen: Welche Version ist wohl realistischer?“

Infozentrum in Kapelle

Zudem werden die Namen der Grafschaftsbewohner aus den Protokollen näher beleuchtet. „Bei vielen handelt es sich um die Vorfahren jetziger Bürger“, so Horst Frese – er selbst hat zum Beispiel schon herausgefunden, dass das verstorbene junge Mädchen aus seinem Elternhaus stammt. Frese als Verwaltungsjurist ist es ferner ein persönliches Anliegen, Vergleiche zu finden mit der Verwaltung heute. „Es ist höchst interessant zu beleuchten, wie der kurkölnische Fürst die Rebellion seiner Untertanen in den Griff bekommen wollte – da prallten Talente aufeinander, Fähigkeiten, Unfähigkeiten und Emotionen.“ Nicht zuletzt stellt die Projektgruppe „Maria-Hilf-Kapelle Wissinghausen“ des Heimatvereins Deifeld ihren Plan vor, die Wissinghäuser Kapelle zu einem Informationszentrum auch für die Weiberschlacht zu entwickeln. Die Kapelle bietet sich dafür absolut an: Direkt neben ihr befindet sich noch der Stamm der „Weiberschlachteiche“, die als Erinnerung gepflanzt wurde. „Bildhaft sollen Szenen dargestellt werden, auch digital mit Touchscreen.“

Schließlich war es nicht selbstverständlich, dass auch Ehefrauen, Töchter, Mägde mit in eine Schlacht zogen und genau wie die Männer ihr Recht zur Not – und wie es letztlich auch geschehen ist – bis auf das Blut verteidigen wollten. Alle Interessierten, die in die Geschichte der Heimat abtauchen möchten, sind am 18. Januar, von 15 bis 17 Uhr in den Kulturspeicher in Düdinghausen eingeladen. (Anna Sartorius, a.sartorius@sauerlandkurier.de)

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