"Unwirkliche Stille" in der Hauptstadt

"Ein großer Schock": Sauerländer erleben Anschlag in Berlin

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Eine Schneise der Verwüstung hinterließ der Lkw auf dem Breitscheidplatz in Berlin.

Berlin/Hochsauerland. „Berlin kam mir heute morgen irgendwie stiller vor als sonst“, berichtet die Arnsbergerin Sonja Gillert, die seit einigen Jahren in Berlin lebt. Der Anschlag mit mindestens zwölf Toten auf einem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz erschüttert ganz Deutschland. Auch viele Sauerländer haben die Tragödie in der Hauptstadt miterlebt und schildern die Stimmung.

Am Tag danach seien auch im Büro alle bedrückt gewesen, berichtet Sonja Gillert noch immer schockiert. Man habe gerade in der Hauptstadt immer Angst gehabt, dass etwas passiert, aber nun fühle es sich doch unwirklich an.

„Ein großer Schock“ war es auch für die 25-jährige Sauerländerin Janine (vollständiger Name der Redaktion bekannt), die nur zwei Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt wohnt. Im Allgemeinen sei die Stimmung auf den Berliner Weihnachtsmärkten bisher sehr entspannt und positiv gewesen, vor allem das friedliche Beisammensein verschiedener Kulturen sei ihr positiv im Gedächtnis geblieben. „Es tut mir wahnsinnig leid für die Opfer und deren Angehörige“, so die 25-Jährige. Sie selbst würde trotzdem weiterhin Weihnachtsmärkte besuchen – „vielleicht, mit einem nicht ganz so guten Gefühl, aber allein deshalb, weil ich mir von niemanden mein Leben vorschreiben lassen möchte.“

Auch für die Journalistin Kristina Wienand aus Medebach hat sich das persönliche Sicherheitsgefühl nicht wesentlich verändert. „Ich fühle mich jetzt nicht mehr gefährdet als vorher und bin kein ängstlicher Typ, der sich nun große Sorgen macht.“ Sie selbst hat von den schrecklichen Ereignissen bei einem Kochabend mit Freunden erfahren. „Natürlich ist man total geschockt. Das Handy klingelte ununterbrochen und man kann es nicht glauben, obwohl klar war, dass sowas irgendwann passiert. Das ist bitter, aber gerade Berlin hat natürlich Symbolwirkung“, so die 29-Jährige, die seit 2012 in der Hauptstadt lebt. 

Vanessa Steinweg aus Westenfeld lebt ebenfalls schon einige Jahre in Berlin. Sie schildert die Situation am Morgen danach so: „Wir haben die Lage den ganzen Abend im TV verfolgt. Ich habe den Eindruck, dass die Rettungskräfte und die Polizei alles recht schnell unter Kontrolle hatten. Dennoch bin ich mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit gefahren und werde in der kommenden Zeit wohl aufmerksamer durch die Stadt fahren. Aber ich werde mich deswegen nicht zuhause einschließen und werde morgen ein Konzert besuchen und meinen ganz normalen Alltag weiterleben.“

Politiker mahnen zur Besonnenheit

Auch die beiden Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese und Patrick Sensburg, die sich zurzeit im Sauerland aufhalten, sonst aber in Berlin arbeiten, zeigen sich von den Ereignissen bewegt, mahnen aber zur Besonnenheit. Man müsse nun erst einmal die polizeilichen Ermittlungen abwarten, so Wiese, bevor man voreilige Schlüsse ziehe. „Sie wissen, was sie tun, und machen ihre Arbeit.“ Auch Patrick Sensburg lobt die Polizei, weil sie nicht vorschnell jedes Detail nach außen trage. Absolute Sicherheit gebe es aber nie. „Ich glaube nicht, dass man die Sicherheitskonzepte der Weihnachtsmärkte jetzt verschärfen sollte. Ich warne da vor schnellen Schlussfolgerungen.“

Auch der südwestfälische CDU-Europaabgeordnete Dr. Peter Liese zeigte sich einen Tag nach den schrecklichen Geschehnissen von Berlin zutiefst betroffen. „Ich bin erschüttert über die schrecklichen Ereignisse von Berlin. Meine Gedanken sind jetzt zu allererst bei den Opfern und ihren Angehörigen. Wir wussten immer, dass es auch bei uns in Deutschland keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Die Angst und Unsicherheit ist nun natürlich groß.“ Zugleich warnte der heimische Europaabgeordnete jedoch davor, das gesellschaftliche Leben den Terroristen anzupassen. „Deutschland ist stark und wir werden unsere Freiheit verteidigen. Wir dürfen uns von diesen Mördern nicht einschüchtern lassen, denn das ist genau das, was die wollen."

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