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Vereine suchen nach Symbol für Fernhandel in Medebach

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Ralf Köster (links), Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Medebach , sowie Jürgen Humberg, Vorsitzender des Gewerbevereins, erklären die Tradition des Schuhmacherhandwerks.

Medebach. Im Konsens zwischen der Stadt Medebach, der Touristik GmbH, dem Gewerbeverein und des Heimat- und Geschichtsvereins wird auf dem Medebacher Marktplatz die Figur des Schuhmachers als Denkmal an die Hansegeschichte erinnern. Weiterhin ist angedacht, dass künftig in Zusammenarbeit der Touristik GmbH und des Gewerbe- und Verkehrsvereins der Schuhmacher als Repräsentationsfigur der Stadt, ähnlich dem „Jäger von Soest“ und der „Briloner Waldfee“ als Botschafter der Stadt zu wichtigen Anlässen auftreten soll. Der Medebacher Stadtrat wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen mit dem Thema beschäftigen.

Das Prozedere zur Wahl und zur Dauer der jeweiligen Amtszeit soll danach vereinbart werden. Die Verantwortlichen des Gewerbe- und Verkehrsvereins sowie des Heimat- und Geschichtsvereins glauben, dass mit dem Medebacher Schuhmacher als Personifizierung des globalen Handels in der Vergangenheit, das optimale Symbol für die heutigen Medebacher Werte von Weltoffenheit, Toleranz und nachhaltigem wirtschaftlichen Denken geschaffen werden kann. Da sowohl das Denkmal auf dem Marktplatz als auch die Figur des „lebenden Schuhmachers“, einen hohen Kostenaufwand erfordern würden, hänge das ganze Vorhaben von der Unterstützung der Bevölkerung ab. Daher sind weitere Informationen sowie die Möglichkeit, sich mit einer Spende an dem Vorhaben zu beteiligen, auf der Homepage des Heimat- und Geschichtsvereins www.hgv-medebach.de einzusehen. 

„Überlieferungen geben Hinweise“ 

Doch was hat ein Schuhmacher eigentlich mit der Hanse zu tun? Der Heimat- und Geschichtsverein erklärt: „Unbestritten ist, dass die Stadt Medebach zu den ersten Städten in Westfalen gehörte, die sich im Mittelalter der internationalen Städtehanse angeschlossen haben. Schon im Jahr 1165 gab sich die Stadt Medebach eine Rechtsordnung, in der sehr detailliert das Rechtsverhältnis zwischen den Medebacher Kaufleuten im Fernhandel behandelt wurde. In dieser Urkunde wurde übrigens mit der Aussage über Kaufleute, welche in Dania und Russia Handel trieben, erstmals ein deutscher Osthandel erwähnt. Was leider nicht erwähnt wurde, sind die Produkte, mit denen die Medebacher in jenen Zeiten ihren Fernhandel betrieben. 

Sehr hohe Anzahl an Schuhmachern

Damals werden es kaum Alufelgen, Dichtigkeitsprüfanlagen für die Autoindustrie, Mess- und Regelungstechnik, Holz/Aluminiumfenster oder Passivhäuser gewesen sein, Produkte, mit denen heute das ‘Made in Medebach’ in alle Welt getragen wird. Da im Hochmittelalter die heimischen Vorkommen an Eisenerz, Kupfer und Gold schon weitgehend ausgebeutet waren, kann man davon ausgehen, dass es kaum Metallwaren aus eigener Produktion gewesen sein werden. Aufschluss über die damalige Produktpalette kann ein Blick in spätere Steuerlisten der Stadt Medebach geben. 

Hier fällt eine sehr hohe Anzahl von Schuhmachern auf. Selbst wenn schon damals viele Medebacher Frauen einen ‘Schuhtick’ gehabt haben könnten, war die Produktion dieser vielen Betriebe wohl kaum nur für den Eigenbedarf gedacht. Weiteres Licht ins Dunkel der Geschichte bringen alte Überlieferungen und andere urkundliche Hinweise.

Leder war Grundmaterial 

Am Schusterkreuz bei Liesen trafen sich noch im 19. Jahrhundert Schuhmacher aus Medebach, Winterberg und Hallenberg, die noch in dieser Zeit mit ihren Schuhen bis nach Süd- und Ostdeutschland auf Handel gingen. Sie transportierten die vielen Paare Schuhe mit einem ‘Rick’, einem Leitergestell, welches von jeweils zwei kräftigen Burschen getragen werden musste. Das Grundmaterial für die Schuhherstellung ist Leder. Auf den riesigen Heideflächen rund um die Stadt weideten damals Tausende von Schafen und Ziegen, aus deren Haut vorzügliches Leder zur Herstellung von Schuhen entsteht. Wenn der Chronist des 30-jährigen Krieges vermerkt, dass bei einem feindlichen Einfall 7000 Schafe geraubt wurden, sagt das schon einiges über die Bedeutung dieser Tiere für die damalige Wirtschaft aus. 

"An Tradition anknüpfen"

Nachweislich ist heute noch der Standort einer Lohmühle im Harbecketal bekannt, in welcher aus Eichenrinde Gerbsäure, ein wichtiger Rohstoff für das Gerben von Leder produziert wurde. An diesen Lohmühlen, außerhalb der Stadtmauern, befanden sich auch die Gerbereien, da man diese wegen der hohen Geruchsemmissionen nicht in der Stadt haben wollte. Alle diese Indizien schaffen ein klares Bild über den damaligen Hauptexportartikel der Hansestadt Medebach.“ 

Es liege, so der Heimat- und Geschichtsverein, also nahe, heute an diese Tradition anzuknüpfen und mit der Figur des Schuhmachers, als Symbol der früheren wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt, eine Identifikationsfigur für die heutige Zeit und die Zukunft zu etablieren.

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