Im Forstgut Faust in Medebach

Tagelanger Todeskampf: Hirsch verfängt sich in Stacheldraht - das fordert ein Jäger

Elendig verendete der Zukunftshirsch in Medebach, nachdem er sich im Stacheldraht verfangen hatte (für Vollbild oben rechts klicken).

Medebach/Hochsauerland. Bestialische Schmerzen, buchstäblich tierische Panik und einen drei- bis viertägigen Todeskampf – das erlebte ein Hirsch im Januar in Medebach. Auf dem 1500 Hektar großen Pachtrevier der Forstverwaltung Faust hatte sich ein rund acht Jahre alter, 200 Kilogramm schweres Tier mit seinem Geweih offensichtlich in einem alten, verrosteten Stacheldrahtzaun verfangen und so monatelang furchtbare Qualen erlitten.

„Der sehr gut veranlagte Hirsch hat sich so mit seinem Geweih verheddert, dass er sich nicht mehr befreien konnte. Über Monate hat er sich mit dem Stacheldraht gequält, ist fast dadurch verhungert und hat sich letztlich an einem Baumstubben stranguliert. Das Tier ist elendig gestorben“, so Revierjäger Bernd Vogt, der an Pächter und Landwirte appelliert, ihre Weidezäune zu überprüfen.

Gefunden wurde der Zukunftshirsch (junger, hoch veranlagter Hirsch) im „Garten Eden“ auf nordrhein-westfälischer Seite des Forstgutes Faust. Vogt erklärte das Gebaren des verendeten Prachthirsches damit, dass die Tiere in der Brunftzeit von Mitte September bis Anfang Oktober ihre sexuelle Erregung damit kundtun, mit ihrem Geweih den Boden insbesondere auf Wiesen aufzuwühlen. Finden die Hirsche bei ihren Aktivitäten einen losen Draht, versuchen sie ihn durch Streifen des Geweihes an Bäumen und Sträuchern wieder loszuwerden. Das führe laut dem Revierjäger jedoch dazu, dass der meist rostige, alte Stacheldraht sich immer fester um den Hals des Tieres festzurrt. 

"Das darf einfach nicht passieren"

„Das ist nicht der erste Hirsch, der so elendig gestorben ist. Bereits vor einigen Jahren wurde in unserem Pachtrevier in der Gemarkung Medebach III einer der besten Hirsche nicht nur in Medebach, sondern auch im gesamten Sauerland stranguliert durch einen Stacheldraht gefunden. Der ‘Hausmeister’, so wie wir Jäger ihn nannten, war bekannt und wurde gehegt, weil er das Reifealter noch nicht erreicht hatte. Zur gleichen Zeit wurden damals in der Gemeinde Rhadern zwei Hirsche tot aufgefunden, die sich in einem losen Elektrozaun verfangen hatten. Das darf einfach nicht passieren“, richtet Bernd Vogt sein Appell besonders an Landwirte und Pächter. 

Revierjäger Bernd Vogt zeigt, wie die Zäune aussehen sollten.

Bedingt durch die Umstellung auf Heu- und Silagegewinnung in der Landwirtschaft gebe es immer weniger Weidevieh, was letztendlich bedeute, dass der Zustand der Zäune keine erhebliche Rolle mehr spiele.

Weidezäune überprüfen  

Laut Aussage des Revierjägers gibt es rund um die Forstverwaltung Faust rund 40 bis 50 Bauernhöfe. Den Landwirten und Pächtern möchte der besorgte Jäger nahelegen, ihre Weidezäune zu überprüfen und gegebenenfalls durch Holzzäune zu erneuern, um weiteren Unglücksfällen vorzubeugen. 

„Stacheldraht ist insbesondere wenn er verrostet ist, eine der Hauptquellen für Wundstarrkrampf, eine in der Regel für das Tier tödliche Krankheit und, sofern er nicht sofort behandelt wird, ebenso für den Menschen. Es ist unverständlich, weshalb der Tierschutz sich dieses Themas nicht angenommen und die ehemaligen Weiden auf die Tiersicherheit überprüft hat. Wir finden, dass es höchste Zeit ist, dass er sich darüber informiert, ob Weidezäune korrekt installiert sind und nicht wie in diesen Fällen zu vermuten ist, achtlos auf dem Boden lagen, Pfähle umgefallen waren. Der Draht überhaupt hat seine Funktion verloren hat, weil heute viel weniger Vieh auf der Weide steht und man Heu oder Siloballen herstellt“, so Revierjäger Vogt.

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