„Viele gute Gründe zu kämpfen“

Überwältigende Hilfsbereitschaft macht an Leukämie erkranktem Familienvater Mut

Familie Hellwig ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft.

Deifeld/Medebach – „Es gibt Minuten, gar Sekunden, die das Leben eines Menschen komplett auf den Kopf stellen, alles über den Haufen werfen, was sich dieser Mensch aufgebaut hat“, hieß es im ersten Kurier-Artikel zur Typisierungaktion am 26. Januar in Medebach. Dass es auch Minuten, gar Sekunden gibt, die einem Menschen nicht den Boden unter den Füßen wegziehen, sondern ihnen trotz schwerster Zeiten Rückhalt, Trost- und Kraftspender sein können, zeigten die vergangenen Wochen. Und das eindrucksvoll.

Florian Hellwig, Ehemann, Papa von Julia (9), Jakob (6) und Johann (2), Schützenhaupt- und Feuerwehrmann, Fußballer, Landwirt, hat Akute Myeloische Leukämie. Kurz vor Weihnachten erhielt er diese Diagnose vom Arzt, den er aufgesucht hat, weil er sich schlapp gefühlt hatte und grippig. Nur sechs Stunden nach dem Befund erhielt er die erste Chemotherapie, musste Weihnachten ohne seine Familie auf der Intensivstation verbringen. 

Seit dieser schlimmen Nachricht zeigen ein gesamtes Dorf, eine ganze Region, Stärke und Zusammenhalt – viele, viele Personen unterstützen die Familie, kümmern sich um Hof und Tiere, organisieren Aktionen. Nicht zuletzt die große Typisierungsaktion am 26. Januar in der Medebacher Schützenhalle, die eine Chance ist für Florian Hellwig – ebenso wie für alle anderen an Krebs Erkrankten – einen geeigneten Stammzellspender zu finden und somit Leben zu retten. 

Federführend sind Aktionsleiter Matthias Schmidt sowie Heike Grebe: „Was uns an Hilfsbereitschaft erreicht, ist fantastisch. Florian und seine Familie sind überwältigt. Auch die Mitarbeiter der DKMS sagen, dass sie selten solch eine Welle an Hilfsangeboten und Spendenbereitschaft erlebt haben.“ 

"Ihr ahnt nicht, wie viel Kraft und Mut mir das gibt!"

Familie Hellwig selbst zieht viel Mut und Stärke aus der Einsatzbereitschaft all der ihnen bekannten und unbekannten Menschen. Dies brachte Florian Hellwig unter anderem beim Neujahrsempfang in Medebach mit einer Videobotschaft und emotionalen Worten (siehe unten), die die Besucher sehr bewegte, zum Ausdruck. Beim Gottesdienst am Montag, als der 36-Jährige endlich für einige Tage zu Hause war, um Kraft bei seinen Lieben zu tanken, ergriff er zudem zum Ende hin selbst das Wort und dankte den Deifeldern. 

„Wir haben eine so unglaubliche Resonanz auf die Typisierungaktion bekommen. Das macht uns Mut, dass viele Menschen den Weg in die Schützenhalle finden“, sagt Heike Grebe und gibt einige neue Infos zur Aktion bekannt: Es wird eine Spielecke für Kinder geben und eine Betreuung für die ganz Kleinen. Die Feuerwehr Medebach bietet einen Hol- und Bringdienst an – auch von der Bushaltestelle aus für Personen, die mit dem Bus kommen. Jeder, der dieses Shuttle in Anspruch nehmen will, wird gebeten, sich entweder unter dkms@feuerwehr-medebach.de anzumelden oder am Typisierungstag unter Tel. 0173/2613976 anzurufen. Die Feuerwehr bittet darum, sich möglichst mit mehreren zusammen zu tun um den Service möglichst effektiv zu halten. 

Zudem wird um Fahrgemeinschaften gebeten. Wer sich typisieren lassen will, sollte seinen Personalausweis mitbringen. Das erleichtert das Ausfüllen des Registrierungsbogens. Es können sich auch Schwangere typisieren lassen. Sie dürfen zwar während der Schwangerschaft und sechs Monate nach Entbindung keine Stammzellen spenden, werden danach aber automatisch freigeschaltet und stehen weltweit als Spender zur Verfügung.

„Wir freuen uns auf jeden Einzelnen, ganz gleich, ob er sich typisieren lassen möchte oder mit uns ein Stück Kuchen isst“, so Heike Grebe.

Persönliche Worte von Florian Hellwig

„Nach meiner Diagnose haben meine Frau und ich, sowie meine Familie, überwältigendes Mitgefühl und Unterstützung erfahren. Die vielen schönen Worte und Hilfsangebote berühren uns sehr. Leider ist meine Diagnose sehr schlecht. Selbst eine Stammzellenübertragung, die meine einzige Überlebenschance ist, gibt mir keine hundertprozentige Aussicht auf Heilung. Doch die Ärzte machen mir Mut und ich habe viele Gründe zu kämpfen, was ich auch tue. 

Besonders überwältigend für uns ist die Welle, die die Typisierungsaktion ausgelöst hat. Eine Stammzellenübertragung ist für viele Menschen, eben auch für mich, die letzte Chance weiterleben zu können. Daher liegt es mir am Herzen, euch für euer Engagement rund um die Typisierungsaktion zu danken. Bedanken möchte ich mich bei allen Vereinen in unserem Stadtgebiet und darüber hinaus. Bei den Schützenvereinen, den Sportvereinen, den Musikvereinen und bei den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr. Mich erreichen täglich Nachrichten aus dem gesamten Sauerland und darüber hinaus. 

Ihr ahnt nicht, wie viel Kraft und Mut mir das gibt! Ihr wisst, dass mir das Vereinsleben immer sehr am Herzen lag und wir viele schöne Stunden miteinander verbracht haben. Wir haben gemeinsam viel auf die Beine gestellt und gelacht. Es ist überwältigend, dass ihr nun zeigt, dass ihr noch mehr könnt als das!“

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