„Hier muss gehandelt werden“

Unklare Zukunft der Rettungswache in Medelon - zwei neue Standorte im Gespräch

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Aktuell heißes Thema: Was passiert mit der Rettungswache in Medelon?

Medebach/Hallenberg - Über die Zukunft der Rettungswache Medelon wird aktuell diskutiert. Grund dafür ist die Einschätzung eines Gutachters, der in dem vom HSK in Auftrag gegebenen aktuellen Rettungsdienstbedarfsplan bemängelt, dass vom Standort Medelon aus keine hinreichende Versorgung garantiert sei. Im Gespräch sind nun zwei neue Standorte. Eine Entscheidung darüber könnte im Dezember im Kreistag fallen.

„Vom gegenwärtigen Standort der Rettungswache Medelon aus ist planerisch eine hinreichend schnelle Versorgung der nördlichen Stadtteile der Stadt Medebach sowie insbesondere des Kernortes der Stadt Hallenberg nicht möglich“, so lautet die Bewertung in dem Ergebnisbericht „Organisation des Rettungsdienstes im Rettungsdienstbereich Hochsauerlandkreis“, der im Auftrag des Kreises angefertigt wurde. Grund dafür sei laut Gutachten die Tatsache, dass es „mehr als 150 Hilfsüberschreitungen in den genannten Ortschaften“ gebe. 

„Die Zahl von 150 Hilfsfristüberschreitungen hat mich sehr erschreckt. Es kann und darf nicht sein, dass wir im Kreis eine Zwei-Klassen-Gesellschaft beim Rettungsdienst haben. Auch unsere Bürger haben im Unfall- oder Krankheitsfall Anspruch auf ordnungsgemäße und schnelle Einsatzzeiten. Hier geht es oft um Leben und Tod und es kommt auf jede Minute an. Hier muss gehandelt werden“, findet Michael Kronauge, Bürgermeister von Hallenberg, im Gespräch mit dem SauerlandKurier deutliche Worte für die unzureichende Versorgungslage. Um die Versorgungssicherheit in Hallenberg und Medebach sicherzustellen, sehe er keine andere Möglichkeit als an beiden Orten Rettungswachen zu errichten. Diese sollten laut der Empfehlung des Gutachters am östlichen Ortsrand der Kernstadt von Medebach sowie am nördlichen Ortsrand der Kernstadt von Hallenberg entstehen.

"Entfernung zwischen Medelon und Hallenberg und die schwierigen Straßenverhältnisse bleiben Problem"

Dass Medelon als Standort für eine Rettungswache überhaupt ausgesucht wurde, lag laut Martin Reuther, Pressesprecher des Hochsauerlandkreises, daran, dass es damals einen anderen Rettungsdienstbedarfsplan gegeben habe. „Wir haben uns andere Zahlen durch den Standort Medelon erhofft. Diese konnten nicht eingehalten werden“, kommentiert der Pressesprecher. Die Rettungswache Medelon wurde erst im Jahr 2012 eröffnet und nun habe sich gezeigt, dass die Zwölf-Minuten-Frist nicht eingehalten werden könne. „Ziel ist es, im Hochsauerlandkreis in 90 Prozent der Fälle innerhalb von zwölf Minuten am Einsatzort einzutreffen“, erklärt Reuther. Aktuell gelinge dies in 85 Prozent der Fälle. „Durch neue Standorte und zusätzliche Fahrzeuge soll die Zwölf-Minuten-Frist dann zukünftig im Bereich Medebach und Hallenberg eingehalten werden“, ergänzt der Pressesprecher des Hochsauerlandkreises. 

Dass eine ausreichend schnelle Versorgung durch die Rettungswache Medelon nicht möglich sei, liege aber nicht an der Ausstattung des Standortes, betont Michael Kronauge. „Auch mit einem noch so guten Konzept bleiben die Entfernung zwischen Medelon und Hallenberg und die schwierigen Straßenverhältnisse das Problem.“ Man könnte die Straße zwischen Hesborn und Medelon verbreitern und ausbauen, so der Bürgermeister von Hallenberg. Dies wünsche man sich seit Jahren. „Bis der Ausbau – erst recht wenn eine Verbreiterung erfolgen soll – erfolgt, werden noch viele Jahre vergehen. Danach würden die Fahrten zwar beschleunigt, aber die Entfernung bleibt gleich und auch dann sind Teile von Hallenberg innerhalb der Hilfsfrist nicht zu erreichen.“ 

"Aktuell ist Schließung nur ein Vorschlag des Gutachters"

Dass die Überlegung, zwei neue Rettungswachen zu errichten, bei Michael Kronauge, Bürgermeister der Stadt Hallenberg, und Thomas Grosche, Bürgermeister der Stadt Medebach, auf positive Resonanz stößt, haben die beiden Gemeindevorstände nun auch in einer gemeinsamen Stellungnahme, die in der letzten Ratssitzung vorgelegt wurde, betont. Darin erklären sie, dass sie bereits „vor dem Bau und der Inbetriebnahme dieser Rettungswache im Jahr 2012 als Unterzeichner Bedenken formuliert“ hätten. „Durch das neue Gutachten werden unsere seinerzeitigen Bedenken nun bestätigt, sodass die Rettungswache in Medelon zukünftig ihre Funktion verlieren und durch zwei neue Rettungswachen in Hallenberg und Medebach ersetzt werden soll.“ 

Voraussichtlich im Dezember soll im Kreistag darüber diskutiert und abgestimmt werden, wie es mit der Rettungswache Medelon weitergeht und ob es nun, wie vom Gutachter empfohlen, tatsächlich zu einer Schließung kommt. Noch sei man laut Martin Reuther noch ganz am Anfang der Planungen. „Erst einmal muss der Beschluss stehen, dass es zwei neue Standorte geben soll und dann muss man auch noch Grundstücke finden. Das ist ein langer Prozess. Aktuell ist die Schließung der Rettungswache Medelon ja nur ein Vorschlag des Gutachters.“

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