Sinnvoll oder überholt?

Meinungen aus dem Hochsauerlandkreis zum heutigen Weltfrauentag

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Frauen, ihre Stärken und ihre Rechte stehen am Weltfrauentag im Mittelpunkt.

Hochsauerland. Die einen halten ihn für ein wichtiges Instrumentarium, um auf die weltweite Unterdrückung und fehlende Gleichbehandlung von Frauen aufmerksam zu machen. Für die anderen ist er ein längst überholtes emanzipatorisches Konstrukt, das in einer aufgeklärten Welt keine Rolle mehr spielen sollte: Der Weltfrauentag am heutigen Mittwoch, 8. März, spaltet die Gemüter – auch in der Region.

Diana Ewert

„Der Weltfrauentag hat auch mehr als 100 Jahre nach seiner Einführung eine wichtige Bedeutung: Es ist der Tag, an dem der Blick bewusst auf die Rechte der Frau und ihre Rolle in der Gesellschaft gelenkt wird“, betont Regierungspräsidentin Diana Ewert. Auch Bianca Scheer aus Olsberg pflichtet ihr bei: „Es gibt viele Orte auf der Welt, an denen die Rechte von Frauen regelrecht mit Füßen getreten werden. Der Weltfrauentag ist daher sehr gut, um noch einmal gezielt auf diese Problematik aufmerksam zu machen.“ 

Auf die globale Bedeutung weist auch Simon Heymer aus Langscheid hin. Deutschland sei in Sachen Gleichbehandlung fortschrittlich, „die Bilder aus anderen Regionen der Erde aber sind erschütternd.“ Diese „erschütternden Bilder“ kleidet Carmen Oberstadt in Worte: „Mitten in unserem Alltag erleben wir Gewalt gegen Frauen, Unterdrückung, Zwangsprostitution und Genitalverstümmelung. Regime benutzen Frauen und Kinder als lebende Schutzschilde.“ Deshalb sei der Weltfrauentag keinesfalls in die Jahre gekommen, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Schmallenberg. „Wir brauchen ihn, um Gewalt gegen Frauen sichtbar zu machen und wir brauchen ihn, um denen Hoffnung zu geben, die selbst nicht kämpfen können.“ 

88 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen

Nicole Seibert

Nicole Seibert aus Nuttlar hingegen zweifelt den Sinn dieses Tages an: „Für mich persönlich hat der Weltfrauentag keine große Bedeutung. So Gott will bewirkt er vielleicht etwas, damit insbesondere die Frauen in den muslimischen Ländern mehr Rechte erhalten. Ich denke aber, es müsste mehr Weltfrauentage geben, um eine Nachhaltigkeit zu erzielen.“ 

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verdienen Frauen im Schnitt noch immer 21 Prozent weniger als Männer. Pro Stunde gehen Frauen demnach 4,39 Euro verloren – weil sie Frauen sind. Nach Einschätzung von Isabell Mura, Geschäftsführerin der Region Südwestfalen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist dieser „Gender Pay Gap“ in vielen Branchen sogar noch deutlich größer. „Frauen bekommen oft genug schon für dieselbe Tätigkeit weniger als ihre männlichen Kollegen. Hinzu kommt, dass sie auch noch überdurchschnittlich oft in prekären Jobs arbeiten“, betont Mura. 

So waren nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zuletzt 88 Prozent aller Teilzeit-Beschäftigten im Hochsauerlandkreis weiblich. Und auch bei den Minijobs ist der Frauenanteil im Kreis mit 63 Prozent hoch. Mura: „Die Folgen davon bekommen viele Frauen spätestens im Rentenalter zu spüren. Wegen niedriger Einkünfte und Unterbrechungen im Erwerbsleben sind weibliche Beschäftigte besonders oft von Armutsrenten betroffen und dann auf Unterstützung vom Staat angewiesen. Aber auch bei Arbeitslosigkeit oder nach einer Scheidung steht ein Großteil der Frauen mit leeren Händen da.“

Gesetzentwurf gegen "Lohnlücke"  

Dirk Wiese

Auch der heimische Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese (SPD) kritisiert die ungleiche Bezahlung: „Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit? Das klingt zwar logisch, ist aber bei weitem nicht der Fall.“ Für ihn steht fest: „Um die Lohnlücke zu schließen, braucht es gesetzliche Maßnahmen. Deshalb werden wir den Gesetzentwurf, den Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig nach harten Verhandlungen im Koalitionsausschuss vorgelegt hat, jetzt im Parlament beraten.“ 

Dieser sieht Folgendes vor: In Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten soll ein individueller Auskunftsanspruch eingeführt werden. Damit erhielten bis zu 14 Millionen Arbeitnehmer das Recht, zu erfahren, wie sie im Vergleich zu ihren Kollegen, die einer gleichen oder gleichwertigen Tätigkeit nachgehen, bezahlt werden. Ebenso sollen private Arbeitgeber mit über 500 Be-schäftigten zukünftig dazu aufgefordert werden, regelmäßig ihre Löhne auf die Einhaltung der Entgeltgleichheit im Betrieb zu überprüfen. Lageberichtspflichtige Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten müssten zudem künftig regelmäßig über den Stand der Gleichstellung und der Entgeltgleichheit berichten.

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