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69-jähriger Mescheder radelt fast 700 Kilometer zur Einschulung seines Enkels

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Opa Jupp radelt Einschulung Enkel
Daumen hoch für „Opa Jupp“: Die Begrüßung seines Enkels Julius in Berlin fiel überschwänglich aus. © Privat

 Wiedersehenfreude nach einer abenteuerlichen Reise: Nach insgesamt zehn Tagen und 683 Kilometer erreichte der Mescheder Josef Liese (69) am 12. August die Berliner Stadtgrenze und konnte im Ortsteil Berlin Gatow sein Enkelkind in den Arm nehmen.

Meschede/Berlin – Damit hatte „Opa Jupp“ sein Versprechen mit dem Rad nach Berlin zu kommen, um an der Einschulungsfeier seines Enkels Julius Liese teilzunehmen, eingelöst (SauerlandKurier berichtete).

„Es war eine schöne und auch abenteuerliche Radtour mit so manchen Begegnungen und vielen Erlebnissen, aber auch so manchen Herausforderungen“, blickt Josef Liese auf seine Reise zurück. Angefangen hatte alles am Dienstag, 3. August: Da machte sich der 69-Jährige in den frühen Morgenstunden mit dem E-Bike (“Schummelrad“) von Meschede aus für zehn Tage und knapp 700 Kilometer auf den Weg in die Hauptstadt Berlin.

Abenteuerliche 683 Kilometer

Da in der Nacht bereits ein Regenband durch das Sauerland gezogen war und sich das nächste für 10 Uhr angesagt hatte, begann die Tour bereits eine Stunde früher als ursprünglich geplant um 7.15 Uhr. „Dieser Vorsprung hielt allerdings nicht lange und das nächste Regenband hatte mich bereits in Bestwig schon erreicht“, berichtet „Opa Jupp“ von seinen verzweifelten Versuchen, dem typischen Sauerländer Wetter zu entfliehen.

In Marsberg ging die Reise weiter und so konnte gegen Mittag der nächste Zwischenstopp in Wrexen/Scherfede bei guten Freunden, der Familie Markus und Julia Römer eingelegt werden. Nach einem kleinen Imbiss und besten Wünschen ging es weiter in das benachbarte Warburg zum ersten Etappenende.

Die Übernachtung erfolgte ganz stilecht im eigenem VW Campingbus, der bereits am Vortag auf dem dortigen Stellplatz abgestellt wurde.

Zweite Etappe von Warburg nach Höxter

Am nächsten Morgen ging die Tour, nachdem der Campingbus weiter nach Höxter gebracht wurde, wieder mit dem Zug zurück und so konnte um 11 Uhr die zweite Etappe von Warburg nach Höxter begonnen werden. Auf dem wunderschönen Diemelradweg – wie sollte es anders sein – kam ein erneuter Regenguss kurz vor Bad Karlshafen nieder.

„Da kam mir die bereits vor Wochen ausgesprochene Einladung von unseren Nachbarn Elmar und Annemie Krämer, die auf dem Campingplatz in Bad Karlshafen Urlaub machten, gerade richtig“, erklärt der gebürtige Marsberger augenzwinkernd.

Marsberger Ehepaar Bieker überraschte den 69-Jährigen

Bei Kaffee und Kuchen konnten einige Sachen getrocknet und gleichzeitig der Akku nachgeladen werden. „Es geht doch nichts über eine gut funktionierende Nachbarschaft“, dachte Josef Liese und setzte seine Tour bei trockenem Wetter bis zum zweiten Etappenende immer an der Weser entlang bis Höxter fort. Doch hier wartete bereits die nächste Begegnung auf Opa Jupp: Das Marsberger Ehepaar Bieker überraschte den 69-Jährigen ungeplant auf dem dortigen Campingplatz und bot ihm einen warmen Empfang.

Mit den nächsten Etappen wurde das Wetter dann zunehmend besser und beständiger, sodass gleichzeitig auch die Laune des Mescheders stieg und ihm das Radeln zunehmend mehr Spaß bereitete. So folgten die weiteren Stationen wie Einbeck, Goslar, Blankenburg, Bernburg, Dessau, Wittenberg, Beelitz und das Ziel Berlin Gatow an der Havel bei bester Stimmung..

300 Euro plus 5,27 Euro als Spende

Ausgelassen fiel dann auch die Begrüßung seines Enkels Julius aus, der den Opa erstmal kräftig in den Arm nahm. Dieser hatte sein Versprechen wahrgemacht und dabei – wie angekündigt – auch für den guten Zweck gesammelt. So konnte Opa Jupp am Einschulungstag seines Enkelkindes dem Förderverein der Grundschule am Windmühlenberg in Person von Schulleitung Susanne Schäfer einen Barbetrag in Höhe von 300 Euro plus 5,27 Euro übergeben. Der Spendenbetrag kam von Familienangehörigen und Freunden, die Aufstockung um 5,27 Euro stammt vom Einschulungskind selbst.

Und während Opa Jupp sich noch von den Strapazen seiner Reise erholt, steht bald schon das nächste Abenteuer an: „Wie sollte es auch anders sein: Selbstverständlich erhob unser zweites Enkelkind Mathilda aus Hamburg sofort den gleichen Anspruch, sodass es im nächsten Jahr zur Einschulung mit dem Rad nach Hamburg geht – diesmal aber mit meiner Ehefrau Karin. Getreu dem Motto: ,Wohin die Reise auch geht, hängt nicht davon ab, woher der Wind weht, sondern wie man die Segel setzt.‘ Meine ,Segel‘ waren gesetzt und ich habe mich auf die Reise nach Berlin gefreut“, so Josef Liese.

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