Volle Sonnenkraft voraus

82-jähriger Mescheder gilt als Pionier des Solartankens im HSK

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Stolz präsentiert Walfried Grewe seine eigene Konstruktion. Hiermit tankt er Sonne.

Meschede. Das Hausdach ist fast komplett mit Solarzellen bedeckt. In der Einfahrt steht ein kleines weißes Elektroauto. In der Garage sind E-Bikes verstaut – Jeder, der Walfried Grewe besucht, wird sofort feststellen, dass der 82-Jährige eine ökologische Ader hat. „Ich möchte möglichst wenig Netzstrom benutzen“, erklärt er. Auch bei seinem Auto bleibt er diesem Grundsatz treu: er tankt Sonne.

Im Hochsauerland gilt er als Pionier des Sonnetankens. Voller Stolz zeigt der Pensionär die selbstgebaute Ladestation für sein Elektrofahrzeug, die teils aus Teilen vom Schrottplatz besteht. „Ich habe einen alten Wechselrichter umfunktioniert. In dem Gerät sind drei Trafos, die die elektrische Spannung aus der Steckdose von 230 Volt auf 120 Volt absenken. Daran habe ich dann ein typisches Ladekabel für ein E-Auto angeschlossen“, erklärt der studierte Elektrotechniker. Durch das Absenken der Spannung kann er den erzeugten Strom aus seinen Solarzellen am Optimalsten für das Tanken nutzen. Denn auf diese Weise fließt möglichst wenig Netzstrom mit ein. Außerdem tanke er auch bevorzugt in der Mittagssonne. 

Bereits seit den 70er-Jahren habe er den Traum gehegt, ein Elektroauto zu fahren, berichtet Grewe mit leuchtenden Augen. Vor sechs Jahren habe er sich schließlich diesen Wunsch erfüllt. Für ihn sei schnell klar gewesen, dass der Wagen mit Solarstrom betrieben werden solle. „Die Photovoltaikanlage habe ich mir bereits 2011 angeschafft. Als dann 2012 das E-Auto gekauft wurde, habe ich direkt im selben Jahr noch mit dem Bau der Solar-Ladestation begonnen.“ Für den Mobilitätspionier haben E-Autos fast ausschließlich Vorteile. Die hohe Effizienz überzeugt ihn dabei am meisten. Die Energie werde eins zu eins umgesetzt. Auch die Wartungskosten seien deutlich geringer als bei Diesel- oder Benzinautos. Denn man habe deutlich weniger Verschleißteile. „Ein E-Auto hat zum Beispiel kein Getriebe, keinen Zahnriemen und auch keinen Katalysator,“ betont der Sonnentanker. 

Immer ein Ladekabel im Kofferraum

Einräumen muss der Mescheder allerdings, dass die Anschaffung eines E-Autos zunächst erstmal teuer sei und keine hohe Reichweite erzielt werde. Diese variiere je nach Geschwindigkeit. Wenn er um die 80 bis 100 Kilometer pro Stunde fahre, könne er mit einer Tankfüllung etwa 150 Kilometer schaffen. „Wenn ich 130 fahre, dann schaffe ich natürlich deutlich weniger. Aber ich habe auch immer ein Ladekabel im Kofferraum, sodass ich zwischendurch an Ladestationen tanken kann“, schildert der 82- Jährige. 

Durch die Entwicklung neuer Batterietechnologien solle diese Reichweite aber bald erhöht werden, weiß Energieberater Carsten Peters von der Verbaucherzentrale Arnsberg. 

Walfried Grewe selbst lässt sich die Lust aufs E-Auto-Fahren von der geringen Reichweite sowieso nicht verderben. „Beim Bremsen wird beispielsweise Energie gewonnen. Dann steigt meine Tankanzeige wieder,“ freut sich der Rentner. „Wenn ich hier bei mir den Berg herunter Richtung Innenstadt fahre, dann erweitert sich meine Reichweite um etwa sieben Kilometer pro Stunde,“ fügt er hinzu. Was Grewe damals für sich selbst konstruiert hat, kann mittlerweile auch im Fachhandel gekauft werden. „Um die 1000 bis 2000 Euro kostet eine Gerätschaft, die das Solartanken ermöglicht. Aber man kann auch als Laie nicht einfach etwas selber basteln. Am besten sollte man vorab mit einem Elektrofachmann sprechen,“ erklärt Peter Hieronymus, Ehrenobermeister der Kreishandwerkerschaft. 

Fördergelder vom Land NRW

Fördergelder für das Laden mit erneuerbaren Energien gebe es unter anderem vom Land NRW. „Das Land gewährt einen Zuschuss von maximal 1000 Euro beziehungsweise 50 Prozent der Kosten“, versichert Hieronymus. Außerdem stelle das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) weitere Fördergelder bereit. 

Wer sich eine Photovoltaik-Anlage zulegen möchte, sollte größentechnisch laut Carsten Peters schon vorab darüber nachdenken, die Solarzellen auch für das Laden eines Elektroautos zu benutzen. Damit sich bald noch mehr „Sonnentanker“ im HSK finden.

Walter Scholz, Carsten Peters, Walfried Grewe, Sebastian Witte und Peter Hieronymus (v. l.) plädieren für das Sonnetanken.

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