Mit "Wegweiser" den Hass aus den Köpfen verbannen

Anti-Salafismus-Projekt im HSK: Innenminister Reul will "islamistischen Rattenfängern das Wasser abgraben"

Pierre Vogel ist einer der bekanntesten Salafisten und Islam-Prediger in Deutschland.
+
Pierre Vogel ist einer der bekanntesten Salafisten und Islam-Prediger in Deutschland.

Meschede/Hochsauerland - Signifikant steigende Anhängerzahlen, systematische Indoktrinierung und ein hohes Gefahrenpotenzial – der Salafismus ist die am stärksten wachsende islamistische Strömung in Deutschland. Im Hochsauerlandkreis gibt es jetzt ein bundesweit einzigartiges Projekt, dass einen möglichen Radikalisierungsprozess bereits in den Anfängen verhindern soll.

„Jeden den wir auf einen guten Weg bringen können, ist einer weniger, der hinter einer menschenverachtenden, gefährlichen Ideologie steht“, verdeutlichte Herbert Reul, Innenminister von Nordrhein-Westfalen, im Zuge der Vorstellung des Präventionsprogramm „Wegweiser – Gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ im Kreishaus der Stadt Meschede. Es sei wichtig, Einrichtungen mit Erfahrungen vor Ort zu haben, damit bei gefährdeten Jugendlichen und jungen Heranwachsenden der Radikalisierungsprozess frühestmöglich erkannt und somit gebannt werden könne.

Genau daran knüpft das vorgestellte Konzept an. „Wegweiser – Gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ ist ein Präventionsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen gegen gewaltbereiten Salafismus (ultrakonservative Strömung innerhalb des Islam). Dabei sollen mögliche Radikalisierungsprozesse bei jungen Menschen bereits in den Anfängen verhindert werden. Ein wesentliches Element des Programms ist die konkrete Beratung vor Ort. Sie steht Angehörigen, Lehrern, Freunden und allen offen, die Probleme erkennen und Veränderungen an Jugendlichen feststellen.

Rund 3.200 Salafisten in NRW

„Bei diesem bundesweit einzigartigen Projekt arbeiten zwei Gebietskörperschaften zusammen, die AWO im Kreis Soest und im HSK. Das ist ein lohnendes Angebot beider Kreise, denn den islamistischen Rattenfängern muss das Wasser abgegraben werden“, erklärte der Innenminister mit Nachdruck. Reul betonte, dass in mehr als 1.000 Beratungen mehr als 80 bis 90 Prozent der Betroffenen erreicht wurden, so der Hass aus den Köpfen der jungen Menschen verbannt werden konnte. Insgesamt gäbe es 3.200 Salafisten in Nordrhein-Westfalen.

Landrat Dr. Karl Schneider betonte, es sei wichtig die gewaltbereite Szene des Salafismus im Auge zu behalten, da viele Aktivitäten im Untergrund und im Internet stattfinden würden. Auch der HSK sei von dieser gefährlichen Tendenz nicht ausgenommen, so der Landrat. „2007 ist die Terrorzelle in Oberschledorn enttarnt worden, die Terroristen wurden festgenommen. Dieses Präventionsprojekt hat das Ziel zu analysieren und zu koordinieren. Die Anlaufstelle der AWO ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen radikale Strömungen“, so Dr. Karl Schneider. Es sei wichtig und vonnöten, sich bereits bei dem kleinsten Verdacht der Radikalisierung an die AWO zu wenden. 

Stellen sich gemeinsam gegen Salafismus: (v.l.) Herbert Reul (Innenminister NRW), Beatrix Geisen (AWO), Eva Irrgang (Landrätin Kreis Soest), Uwe Reichel-Offermann (stellvertretender Leiter des NRW-Verfassungsschutzes), Dr. Karl Schneider (Landrat HSK), Matthias Kerkhoff (Landtagsabgeordneter CDU).

Der Appell des Schmallenbergers ging dabei nicht nur an Eltern und Lehrer, sondern auch an Freunde, Klassenkameraden, Arbeitskollegen, Institutionen, Behörden, Kulturkreise sowie Moscheegemeinden. Es bestehe so die Möglichkeit, über Gespräche mit adäquaten Personen die betroffenen Personen frühzeitig zu erreichen. Ein interdisziplinäres Team bestehend aus zwei Islamwissenschaftlern und einer Sozialpädagogin biete mit Unterstützung lokaler Netzwerkpartner (Familienberatung, Sozialverbände, Polizei, Jobcenter) konkrete und individuelle Hilfe an. Die Beratung vor Ort in den Anlaufstellen ist dabei persönlich und vertraulich. Die Berater verweisen Ratsuchende nicht einfach weiter, sondern bleiben verantwortliche Helfer über den gesamten Zeitraum. Sie entwickeln gemeinsam mit den Experten konkrete, passgenaue und umsetzbare Maßnahmen.

"Extremer Salafismus erreicht jedes Kinderzimmer."

Der stellvertretende Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, Uwe Reichel-Offermann, verdeutlicht: „Salafismus ist ein Problem für Sicherheitsbehörden, aber auch ein gesellschaftliches Problem. Jugendliche sind eine attraktive Zielgruppe. Salafismus hat in Deutschland nahrhaften Boden.“ Das „Wegweiser“-Konzept sei vor diesem Hintergrund ein sicherheitsmotiviertes Programm für den Verfassungsschutz, da jeder Mensch, der nicht in die extreme Szene abrutsche, ein Gewinn sei. Weiter betonte er, dass es in der heutigen Zeit vom ersten Kontakt bis hin zum Bruch mit der Gesellschaft nur noch wenige Monate dauere: „Extremer Salafismus erreicht jedes Kinderzimmer. Er gibt jungen Muslimen häufig Sicherheit. Daher ist private Arbeit notwendig, um den Einstieg in die Szene zu verhindern“.

Genau dabei soll das Präventionsprogramm gemeinsam mit den Ansprechpartnern vor Ort buchstäblich ab jetzt den „Weg weisen“.

Kontakt:

Wegweiser im Hochsauerlandkreis und im Kreis Soest
Telefon: 0291 / 90 87 86 88
wegweiser@die-awo.de
www.die-awo.de/Wegweiser

Hintergrund: 

So definiert das Bundesamt für Verfassungsschutz den Begriff "Salafismus" und seine unterschiedlichen Strömungen.


Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare