Behörden sind alarmiert

Ermittlungen nach zwei Arbeitsunfällen bei Hertie-Umbau aufgenommen

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Trotz der Zwischenfälle gehen die Abbrucharbeiten am Hertie-Gebäude unvermindert voran. Vom ehemaligen Eiscafé ist nur noch Schutt und Asche übrig. 

Meschede. Während die Abbrucharbeiten am ehemaligen Hertie-Gebäude in Meschede weiterhin in vollem Gange sind, beschäftigen zwei Arbeitsunfälle auf der Baustelle zurzeit die Behörden. Nachdem zwei Arbeiter (25 und 26 Jahre) am Dienstagnachmittag von einem Gerüst gestürzt waren, verletzte sich am Mittwoch ein weiterer Mann durch eine am Boden abgelegte Flex, die nachgelaufen war, am Knie. Alle Arbeiter wurden glücklicherweise nur leicht verletzt, die Behörden sind alarmiert.

„Wir ermitteln in enger Abstimmung mit dem Amt für Arbeitsschutz. Aufgabe der Polizei ist es dabei, einen möglichen Straftatbestand wie fahrlässige Körperverletzung oder ähnliches nachweisen oder ausschließen zu können“, erklärte Holger Glaremin auf Anfrage. Zum aktuellen Ermittlungsstand und der Frage, ob es sich bei den beiden Unfällen innerhalb kürzester Zeit um einen unglücklichen Zufall handelt oder ob mehr dahinter steckt, wollte der Polizeipressesprecher indes keine näheren Angaben machen.

Auch das Amt für Arbeitsschutz, das seit einigen Jahren in dieser Form nicht mehr existiert und als Dezernat für Arbeitsschutz in den Verantwortungsbereich der Bezirksregierung Arnsberg fällt, hielt sich mit konkreten Informationen bedeckt. Benjamin Hahn, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg, bestätigte zwar, dass Vertreter des Dezernates vor Ort waren und den Schauplatz in Augenschein genommen haben, zum Sachverhalt selbst bezog er aber ebenfalls keine Stellung.

Gutachten wird erstellt

„Unsere Mitarbeiter vor Ort prüfen, ob alle Sicherheitsvorschriften eingehalten wurden. Dabei gilt es unter anderem zu klären, ob die Arbeiter beispielsweise entsprechende Schutzausrüstung und Helme getragen haben oder ob offene Maschinen vorschriftsgemäß abgedeckt worden sind. Dann wird ein Gutachten erstellt und entsprechend des Ergebnisses das Verfahren gegebenenfalls in die Hände der Polizei beziehungsweise Staatsanwaltschaft übergeben.“

Doch nicht nur die Polizei und das Dezernat für Arbeitsschutz ermitteln, auch die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) hat sich in den Fall eingeschaltet. Sie ist als gesetzliche Unfallversicherung nicht nur für die gesamte Rehabilitation der verletzten Personen zuständig sondern legt nach eigenen Angaben auch großen Wert auf eine genaue Analyse der Unfallursachen. 

Berufsgenossenschaft prüft Vorfälle vor Ort 

„Unsere Aufsichtspersonen prüfen vor Ort, ob die Arbeitsschutzvorschriften eingehalten werden und die Baustelle sicher ist. Bei Verstößen gegen den Arbeitsschutz sind sie auch befugt, einzugreifen“, teilte die BG Bau auf Kurier-Anfrage mit. Man dürfe nicht vergessen, dass Arbeitsunfälle neben dem menschlichen Leid auch enorme Kosten nach sich ziehen. Zudem seien der Arbeitsausfall des Beschäftigten, eine Störung des Betriebsablaufs sowie Zeitverlust und Imageschaden oftmals die Folge. 

Zu den beiden konkreten Vorfällen in Meschede heißt es: „Gleich zwei Arbeitsunfälle hintereinander können unterschiedlichste Ursachen haben, die jedoch zunächst in jedem Einzelfall zu ermitteln sind. Für den Arbeitsschutz in seinem Betrieb ist der Unternehmer verantwortlich. Der Bauherr hingegen könnte aufgrund von Koordinierungsfehlern nach der Baustellenverordnung Probleme bekommen – sofern das der Fall war oder ist – oder wenn Verletzungen der Verkehrssicherungspflicht vorliegen sollten.“ 

Der Investor, die Fokus Development AG aus Duisburg, war indes zu keiner Stellungnahme bereit.

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