Ein „versehrter“ Ort

Aufruhr-Städte beleben ehemalige Veramed-Klinik künstlerisch wieder 

+
Bei der Ausstellung wird nur ein kleiner Teil des verlassenen Gebäudes begehbar sein.

Meschede - Ein verlassenes Gebäude strahlt immer eine gewisse Faszination aus. Im Rahmen des NRW-weiten Projektes „Stadtbesetzung“ wird nun am Samstag, 31. August, und am Sonntag, 1. September, die ehemalige Veramed-Klinik in Meschede von der Kulturregion „aufruhr“ mit der Ausstellung „Versehrt“ künstlerisch wiederbelebt.

Fensterscheiben sind zerbrochen und auch die Fassade weist Schäden auf – die ehemalige Veramed-Klinik in Beringhausen steht seit Jahren leer. „Ich hatte immer schon gedacht, dass die Klinik ein guter Ort für ein Projekt wäre“, begründet Anne Wiegel, Stadt Meschede, die Entscheidung, die ehemalige Heilanstalt für das Projekt „Stadtbesetzung“ zu nutzen. 

Die passende Überschrift sei ihr dann auch schnell eingefallen. „Das Gebäude ist ‘versehrt’ und auch die Menschen, die durch den Bergbau an Krebs erkrankt waren und hier ihre Heilung finden wollten, waren ‘versehrt’.“ Spannend sei bei den Planungen der künstlerischen Wiederbelebung vor allem die Frage gewesen, wie sich die Künstler mit dem Gebäude und auch den Menschen auseinandersetzen. Dabei sei vor allem der Kontrast zwischen Idylle und Vandalismus sehr ausgeprägt.

"Lakenlabyrinth" und "Opteopathische Operation"

„Bei einigen kamen auch eigene Kindheitserinnerungen auf, auch Erinnerungen an Verlust. So haben auch einige Künstler dann gesagt: ,Nein hier können wir nicht mitmachen’“, erklärt Kathrin Brandt vom Kulturbüro der Stadt Arnsberg, die als Kuratorin der Ausstellung fungiert. 

Die aufruhr-Künstlerin Susanne Klinke hatte sofort zwei Ideen vor Augen. „Ich verbinde mit der Veramed-Klinik eine Lungenheilanstalt. Mir kam dann direkt der Gedanke an Sauberkeit in den Sinn.“ So stellte sie sich einen Raum vor, in dem frisch gewaschene Bettlaken hängen, ein „Lakenlabyrinth“ durch das man als Kind unerlaubt durchgelaufen sei. „Außerdem interessiere ich mich auch für die Geschichte des Ortes. Und hatte dann direkt die Verbindung von Klinik und Forschung vor Augen“, so Klinke.

Beim neuen aufruhr-Projekt „Versehrt“ soll ein Teil der Veramed-Klinik in Meschede wiederbelebt werden.

Neben zahlreichen aufruhr-Künstlern aus Meschede, Arnsberg, Bestwig und Brilon werden auch Arbeiten von Schülern des Gymnasiums der Stadt Meschede zu sehen sein. Und Künstler Ruppe Koselleck will mit seiner „Opteopathischen Operation“ herausfinden, ob Medikamente via Wahrnehmung über die Netzhaut wirken können. Dafür mischt er seine Farben mit Medikamenten. „Die Idee dazu kam mir durch die Homöopathie. Kunst wirkt auf Menschen und behauptet auch Dinge, die vielleicht gar nicht wirklich drin stecken“, so der Künstler, der sich bei seiner Performance vor der Klinik auf einen spannenden Diskurs mit den Anwesenden freut.

Eine Anmeldung ist erforderlich

Für die „Expedition“ zur Veramed-Klinik, so das diesjährige Thema der „Stadtbesetzung“ wird ein Busservice ab dem Kreishaus Meschede zur vollen Stunde am Samstag, 31. August, und am Sonntag, 1. September, eingesetzt. „Wir fahren mit dem Bergebus zum Ausstellungsort. Dort können sich dann alle Teilnehmer etwa 50 Minuten aufhalten“, erklärt Norbert Arens, Tourist-Information Meschede und Bestwig. 

Am 31. August findet die Veranstaltung von 15 bis 18 Uhr und am 1. September von 13 bis 18 Uhr statt. Eine Anmeldung ist erforderlich. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist aber kostenlos. „Auf eigene Faust kann leider niemand die ‘Expedition’ mitmachen, da wir bei der Größe des Gebäudes nicht so viele Menschen auf einmal im Blick haben können“, so Arens. Genutzt werden die Mensa und die Küche für eine Gruppenausstellung von Künstlern aus den vier aufruhr-Gemeinden. Auch im alten Kesselhaus wird Kunst zu sehen sein. 

„Wir werden aber einen Film zeigen, der Einblicke in das ganze Gebäude gibt“, ergänzt Anne Wiegel. Die Veranstalter versprechen dabei Kunst fernab des „Mainstream“. „Es wird sehr vielfältig werden“, sind sich alle einig.

Die Veranstaltung wird im Rahmen der „Stadtbesetzung“ gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Kultursekretariat NRW Gutersloh. Mehr Infos gibt es unter www.stadtbesetzung.de. Anmeldungen sind ab sofort bei der Touristinfo möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare