Ungewöhnlicher Perspektivwechsel

Besonderer Stadtrundgang lässt Meschede aus der Perspektive von Blinden und Sehbehinderten erkunden

Das taktile Leitsystem als Orientierungshilfe für Blinde und Sehbehinderte wurde beim Rundgang durch die Mescheder Innenstadt anschaulich erklärt.
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Das taktile Leitsystem als Orientierungshilfe für Blinde und Sehbehinderte wurde beim Rundgang durch die Mescheder Innenstadt anschaulich erklärt.

Ein leises, rhythmisches Klackern ist zu hören, immer und immer wieder, als wäre es ein nicht enden wollendes, stets gleichklingendes Geräusch inmitten einer Vielzahl an Tönen. Vorbeifahrende Autos, im Hintergrund lachende Kinder, murmelnde Stimmen auf der anderen Straßenseite sowie die auf den Boden plätschernden Regentropfen sind die dominanten Geräusche in der Innenstadt von Meschede. Doch immer wieder ist auch das gedämpfte „Tack-Tack“ zu hören. Es gehört zu dem weißen, langen Blindenstock mit Roll-Spitze, der sich behutsam seinen Weg durch die Mescheder Innenstadt ertastet. 

Meschede - „Wir freuen uns, dass trotz Regen so viele gekommen sind, um Meschede als fast barrierefreie Stadt zu erleben“, begrüßte Heinz Arenhövel, Behindertenbeauftragter des Hochsauerlandkreises an diesem ungemütlich-nasskalten Donnerstagnachmittag alle Teilnehmer und Interessierten zu einem Stadtrundgang der ganz besonderen Art.

Die Behinderten-Interessen-Vertretung Meschede (BIV) machte am „Tag des weißen Stockes“ die Bürger der Kreis- und Hochschulstadt darauf aufmerksam, wie es ist, mit einem weißen, langen Stock durch die Stadt zu gehen, Straßen zu überqueren oder auch Treppenstufen zu bewältigen. Arenhövel betonte dabei im Vorfeld, dass es drei Bevölkerungsgruppen gäbe, für die sich die BIV einsetzten würde. Zum einen für Menschen mit Behinderungen, also für Sehbehinderte und Blinde, Hörgeschädigte als auch Mobilitätseingeschränkte, und zum anderen für Senioren sowie für Mütter mit ihren Kinderwagen.

Sehbehinderte können sich gut durch das taktile Bodenleitsystem orientieren. Das Profil zeigt ihnen die Laufrichtung.

Gabriele Borutzki Blinden- und Sehbehindertenverein Meschede

„Die Platten mit den Rillen und Noppen signalisieren: Bitte weg frei“, erläuterte Gabriele Borutzki, Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Meschede, während des Rundgangs durch die Innenstadt. „Sehbehinderte können sich gut durch das taktile Bodenleitsystem orientieren. Das Profil zeigt ihnen die Laufrichtung.“

Dabei sei es wichtig, dass die Bodenleitsysteme nicht durch Aufsteller, Schilder, Fahnen und ähnliches zugestellt würden, da Umwege für Sehbehinderte gefährlich werden können. Die Bodenplatte mit ihren Markierungen diene schließlich zum Leiten, Warnen und Stoppen.

Kontrastreiche Markierungen an Treppenstufen, Bänke mit Aufstehhilfen, das Easycross-System zum Überqueren der Straße, Aufmerksamkeitsfelder, die den Weg zum Briefkasten oder auch zum Mescheder Rathaus kennzeichnen, sowie barrierefreie und rollstuhlgerechte Eingänge seien eine wichtige Hilfestellung für Menschen mit Behinderung, um sich im Alltag zurechtzufinden.

Am „Tag des weißen Stockes“, der in diesem Jahr zum 50. Mal stattfand, sei es laut Heinz Arenhövel das Ziel, Menschen zu sensibilisieren und auf die Situation blinder und sehbehinderter Menschen aufmerksam zu machen. „Der Eingang hier im Rathaus ist barrierefrei, das ist gut für Rollstuhlfahrer. Das Noppenfeld dient den Sehbehinderten, um beispielsweise zur Information zu gelangen“, so der Mescheder Behindertenbeauftragte.

Aufmerksamkeitsfelder im Rathaus

Insgesamt nütze das taktile Leitsystem im Rathaus der Orientierung blinder und sehbehinderter Menschen, um sich ohne fremde Hilfe problemlos vom ersten Schritt bis zum gewünschten Ziel zurechtfinden. Aufmerksamkeitsfelder mit insgesamt 4500 einzelnen Rundnoppen, 22 Meter Bodenleitlinien, Stufenmarkierungen sowie Pyramiden- sowie Brailleschrift an den Geländern zum Fühlen ermögliche es den Menschen mit Behinderungen, sich im Rathaus frei und selbstständig zu bewegen.

„Parkplätze in der Nähe des Eingangsbereichs mit entsprechender Größe sowie der Erhalt des blauen Parkausweises im Bürgerbüro erleichtern Menschen mit Behinderung den Alltag“, ergänzte Heinz Arenhövel, der in diesem Atemzug allen Beteiligten der Stadt Meschede für die gute Zusammenarbeit dankte.

Besonderer Stadtrundgang - Meschede aus Perspektive von Blinden und Sehbehinderten erleben

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