Dr. Peter Liese blickt nach vorn und mahnt

Dank Corona-Impfstoff: „Die Pandemie wird ihren Schrecken verlieren“

„Eine Gemeinschaftsimmunität erzielen“, das erhofft sich Dr. Peter Liese von den bald zur Verfügung stehenden Impfstoffen in der gesamten EU.
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„Eine Gemeinschaftsimmunität erzielen“, das erhofft sich Dr. Peter Liese von den bald zur Verfügung stehenden Impfstoffen in der gesamten EU.

Gibt es schon bald eine Rückkehr zur Normalität? Berechtigte Hoffnung darauf machte jetzt der südwestfälische Europaabgeordnete Dr. Peter Liese in einer Medienkonferenz zum Thema „Impfstoffe und Corona“. 

Meschede/Hochsauerland - Nach Monaten der Rückschläge und Entbehrungen waren es durchaus hoffnungsfrohe Worte, die Dr. Peter Liese für die Menschen im Sauerland parat hatte. Er halte es für wahrscheinlich, dass noch dieses Jahr drei verschiedene Impfstoffe auch für die Menschen in unserer Region zugelassen werden und auf den Markt kommen. Die Pandemie würde dadurch bald ihren Schrecken verlieren und ab Sommer 2021 seien somit durchaus Schützenfeste, Festivals und Konzerte in Kombination mit einem Impfausweis wieder verantwortbar.

Zwei Drittel der Bevölkerung kann geimpft werden

Dr. Peter Liese, der seit Beginn der Pandemie sowohl mit der Bundesregierung, der Europäischen Kommission als auch mit den Zulassungsbehörden in Verbindung steht, rechnet damit, dass bis Sommer zwei Drittel der Bevölkerung geimpft sei. „Das ist eine gute Nachricht. Die Europäische Union hat schon Verträge über die Lieferung von 300 Millionen Impfstoffdosen von BioNTech-Pfizer und 400 Millionen von AstraZeneca sowie 160 Millionen von Moderna abgeschlossen. Das sind keine Hokuspokus-Zahlen. Damit kann zwei Drittel der Bevölkerung geimpft werden, sodass eine Gemeinschaftsimmunität erzielt wird“, äußerte sich der Europaabgeordnete optimistisch.

Bereits vor zwei Wochen hatte die Mainzer Firma BioNTech vielversprechende Ergebnisse hinsichtlich eines neuen Impfstoffs veröffentlicht. Kurz darauf meldete die US-amerikanische Firma Moderna, die auch in der Europäischen Union produziert, einen weiteren Erfolg mit einem Corona-Impfstoff an. Als Drittes hat nun der schwedisch-britische Pharmakonzern AstraZeneca positive Daten zu einem für Europa relevanten Impfstoff vorgelegt.

„Alle drei Impfstoff-Kandidaten scheinen, nach den mir zur Verfügung stehenden Informationen, sehr wirksam zu sein und keine gravierenden Nebenwirkungen zu haben. Ich selbst würde mich bedenkenlos mit jeder der drei Sorten impfen lassen, wenn die Zulassung da ist“, so der Europaabgeordnete.

Bisher nur geringe Nebenwirkungen bekannt

BioNTech und Pfizer selbst erklärten bereits zu möglichen Nebenwirkungen, dass 3,8 Prozent der Studienteilnehmer über Müdigkeit und 2,0 Prozent über Kopfschmerzen geklagt hätten, nachdem ihnen der Impfstoff verabreicht worden war. Basis dafür sind Angaben von mindestens 8000 der insgesamt 43.000 zufällig ausgewählten Teilnehmern.

Peter Liese wiederum legt großen Wert darauf, dass der Impfstoff erst in Europa zugelassen ist, wenn er zuvor von der Europäischen Arzneimittelagentur unabhängig geprüft wurde. Dies geschehe zügig, aber „ohne Abstriche an Sicherheit“, versicherte der heimische Abgeordnete.

Derzeit seien laut Liese ein Drittel der Menschen bereit, sich impfen zu lassen. Der neue Vektorimpfstoff von AstraZeneca könne jedoch dazu beitragen, dass mehr Menschen zum Impfen motiviert werden, da er mit bewährter Technik hergestellt werde. Zudem sei er mit fünf Euro pro Impfdosis erheblich günstiger als die Impfstoffe der Mitbewerber, die mit 15 bis 16 Euro zu Buche schlagen. Das sei besonders für ärmere Länder interessant.

In seinem eigentlichen Beruf als Arzt hat Dr. Peter Liese in diesem Jahr zeitweilig wieder gearbeitet.

Die Corona-Impfstoffe von BioNTech-Pfizer und Moderna hingegen basieren auf der experimentellen mRNA-Technologie aus der Krebsforschung – mRNA steht für messenger-Ribonukleinsäure und wird daher auch als Boten-RNA bezeichnet. Die mRNA-Impfstoffe geben Körperzellen Teile der Virus-Erbinformationen als RNA mit. Sie liefern damit den Bauplan für einzelne Virusproteine. Diese Antigene aktivieren das Immunsystem und sollen so die schützende Immunantwort erzeugen.

„Es ist eine Herkulesaufgabe das Impfgeschehen zu organisieren. Die Ärzte sind auf den Intensivstationen voll ausgelastet, die Gesundheitsämter vollständig überlastet“, weiß Dr. Peter Liese um die zusätzliche Herausforderung. Darum sei es jetzt noch einmal zwingend notwendig, energisch gegen die Verbreitung des Coronavirus vorzugehen, damit der R-Wert auf unter 50 zurückgehe.

Sind 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft, ist die Pandemie in Europa vorbei. Ich hoffe, dass wir das mit einer großen Kraftanstrengung bis zum Sommer hinbekommen.

Dr. Peter Liese, Südwestfälischer Europaabgeordneter

„Wenn wir die Logistik hinbekommen, werden wir schon um den Jahreswechsel mit der Impfung von Risikopersonen und medizinischem Personal beginnen können. Wenn diese Personengruppen geimpft sind, verliert die Pandemie ihren Schrecken, weil dann schwere Verläufe und eine Überlastung des Gesundheitswesens praktisch ausgeschlossen sind“, erläuterte Liese weiter. „Sind 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft, ist die Pandemie in Europa vorbei. Ich hoffe, dass wir das mit einer großen Kraftanstrengung bis zum Sommer hinbekommen.“

Lockdown-Maßnahmen müssen „nachjustiert“ werden

Der Europaabgeordnete betonte dahingehend, dass derzeit die Werte überall zu hoch seien. 50 pro 100.000 Einwohner sei die maßgebende Zahl, die sich mit halbwegs vertretbarem Aufwand von den Gesundheitsämtern konsequent nachverfolgen ließe. Es sei deshalb erforderlich nachzujustieren, Klassen von älteren Schülern zu teilen und auf private Feiern gänzlich zu verzichten, denn Jugendliche seien derzeit die Treiber des Infektionsgeschehens. Sollte sich die Zahl unter 50 einpendeln, bestehe so die Möglichkeit, in Zukunft oder auch schon vor Weihnachten, gezielt mit Lockerungen zu beginnen.

„Es wäre fatal, wenn jetzt noch über viele Wochen 200 bis 300 Menschen täglich in Deutschland am Coronavirus sterben, weil wir nachlässig sind. Es ist viel besser, wenn die Gesundheitsämter sich ums Impfen kümmern, statt von morgens bis abends Kontakte nachverfolgen. Wir müssen irgendwann lockern, auch bevor ein großer Teil der Bevölkerung geimpft ist, aber wir sollten es nicht so unvorsichtig machen, wie im vergangenen Sommer“, verdeutlichte Dr. Peter Liese abschließend.

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