Infoveranstaltung der FDP

Debatte um Windkraft: Stadt Meschede setzt bei Planungen auf Bürgerdialog

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180 Tonnen Stahl werden alleine in einem Windrad verbaut. 

Westernbödefeld/Meschede. Informationen zu den geplanten Windkraftanlagen in Bonacker, Mosebolle und Schederberge gaben der Verein für Umwelt- und Naturschutz Schmallenberg und die FDP-Ratsfraktion Meschede. Über 100 Interessierte hörten sich die Vorträge in Westernbödefeld an und nutzten die Gelegenheit, offene Fragen mit den Experten zu klären.

FDP-Fraktionsvorsitzende Ingrid Völcker begrüßte Klaus Wahle, den Fachbereichsleiter Planung & Bauordnung der Stadt Meschede. Wahle klärte über die rechtlichen Hintergründe auf: Der gültige Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt Meschede sei „save“. Das zeigten die gerichtlichen Ablehnungen der zwei Klagen von Investoren zum Bau von Windkrafträdern. „Damals, unter der Regierung von Helmut Kohl wurde die Privilegierung der Windkraft im Außenbereich ins Baugesetzbuch geschrieben. Zu der Zeit hat allerdings noch niemand an 250 Meter hohe Anlagen gedacht“, ging Wahle zurück.

Um Wildwuchs zu verhindern, legte Meschede eine Konzentrationszone in Einhaus fest und ist damit weit weg vom Bau weitere Windkraftanlagen. Für die weitere Planung steht jetzt ein Bürgerdialog in den Startlöchern. Zum möglichen Windpark bei Bonacker sendet die Stadt Meschede Fragebögen an 1.000 zufällig ausgewählte Bürger im betroffenen Umfeld, 600 im Remblinghauser und 400 im Schmallenberg Bereich. Klaus Wahle stellte das Vorgehen in dem bisher einmaligen Verfahren in NRW dar: „Wer von den Ausgewählten gewillt ist, kann dann nach der ersten Auswertung an einer Informations- und Diskussionsrunde mit Fachleuten aus verschiedenen Bereichen unter unvoreingenommener Moderation teilnehmen.“

Das Ergebnis wird dann als Meinungsbild der betroffenen Anwohner dem Rat zur Verfügung gestellt. Dieser kann dann mit einer Änderung des FNP weitere Windkraftgebiete zulassen, oder durch Belassung des gültigen FNP weitere ablehnen. Für die Gebiete Mosebolle und Schederberge werden wegen des jeweils hohen Aufwandes die gleichen Verfahren zu einem späteren Zeitpunkt durchlaufen. Die Kosten für die drei Bürgerdialoge trägt der Windkraftinvestor Enertrag. Herbert Bartetzko, Kreissprecher vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), merkte an: „Enertrag verhandelt mit Kommunen, ist aber unter Umständen nicht selber Investor und Betreiber.“

Strompreis mit jedem Windrad teurer?

Die Themen Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit, Gesundheit und Naturschutz beleuchtete Christof Gerhard, Erster Vorsitzender des Bündnis Gegenwind Südwestfalen: Grundstücksbesitzer, die ihren Boden an Investoren verpachten, sollten sich fragen, warum die Firmen teure Pachten zahlen, anstatt die Grundstücke selber zu kaufen. Es kann passieren, dass die Grundstückseigentümer später auf Rückbaukosten sitzen bleiben. Weiter sieht das Bündnis Gegenwind die Versorgungssicherheit massiv durch Windkraftanlagen gefährdet. Die notwendigen Netzeingriffe seien mit dem Ausbau seit 2011 stark gestiegen. Im Jahr 2017 seien 1,4 Milliarden Euro zur Vermeidung von Engpässen ausgegeben worden.

„Wir hatten vorher das sicherste Netz der Welt. Wir haben 30 Prozent mehr regenerative Energien als benötigt werden. Von der installierten Leistung kommt kaum Grundlast an. Der Großhandelsstrompreis ist in den letzten Jahren um 62 Prozent gefallen, wir zahlen aber seit 19 Jahren 27 Prozent, und seit dem Jahr 2000 sogar 111 Prozent mehr für den Strombezug. Durch gesicherte Einspeisevergütung wird der Strompreis für den Verbraucher mit jedem Windrad teurer“, so Gerhard. Zum Thema Gesundheit gehört der erzeugte Infraschall und beim Naturschutz gab es Fakten: 5.000 Quadratmeter versiegelte Fläche, 1.500 Kubikmeter Beton für das Fundament, 850 Kubikmeter Beton für den Turm und 180 Tonnen Stahl für ein Windrad. Herbert Bartetzko informierte als Experte nochmal im Detail über den Naturschutz: „Wir haben im Sauerland die letzten großen unzerschnittenen Waldflächen. In der wunderbaren Naturkulisse wird mit juristischer Gewalt durchgesetzt, was Geld bringt.“

Der Verein für Umwelt- und Naturschutz Schmallenberg und die FDP-Ratsfraktion hatten zum Informationsabend nach Westernbödefeld eingeladen. 

Als studierter Kernphysiker pflückte Dr. Jobst Heinrich Köhne (FDP Ratsmitglied) die Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit auseinander und untermauerte seine Aussagen mit Zahlen: „Schönwetterkraftwerke alleine funktionieren nicht, Strom muss produziert werden, wenn er benötigt wird. Laut der Keeling Kurve des NOAA Earth System Research Laboratory auf Hawaii sind die CO2 Werte seit den 50 bis 60 er Jahren stetig gestiegen, Bemühungen wie das Kyoto-Protokoll sind nicht sichtbar. Mit mehr Windkraftanlagen ist kein signifikanter Beitrag zu leisten.“ Weiter klagte Köhne an, dass Anlagen, die betriebsüblich Tiere töten, eigentlich nach dem Umweltschutzgesetz verboten sind. Nicht jedoch in der Windkraftindustrie, diese habe mit einer Ausnahmegenehmigung der Bundesregierung die Lizenz zum Töten bekommen. Letztendlich drehe es sich ums Geld.

Dr. Jobst Heinrich Köhne sieht in der Kombination Bildung und Bekämpfung von Mangelernährung die effektivste Methode viel Leid auf der Welt zu verhindern: „Dort ist mit dem Geld mehr zu bewirken, als mit dem Energiewahn.“

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