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Dehler-Ära geht zu Ende

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Yachten werden in Freienohl bald nicht mehr gebaut. Dehler Yachtbau verlagert die Produktion nach Greifswald.  Foto: Kaspar Kämper
Yachten werden in Freienohl bald nicht mehr gebaut. Dehler Yachtbau verlagert die Produktion nach Greifswald. Foto: Kaspar Kämper

Schluss. Aus. Ende. Dehler Yachtbau in Freienohl wird zum 30. September der Geschichte angehören. Die Produktion wird nach Greifswald zum Stammwerk der Hanse Yachts verlagert - ein Entschluss des Mutterkonzerns Aurelius, den im Sauerland aber niemand so recht verstehen kann. "Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund dafür, das ist betriebswirtschaftlicher Nonsens", so Fritz Kramer von der IG Metall Arnsberg und Stefan Odoij, Vorsitzender des Betriebsrates der Dehler Yachts GmbH.

Den 89 Mitarbeitern in der Freienohler Werft wurde das Angebot auf Weiterbeschäftigung in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern, das über 600 Kilometer von Freienohl entfernt liegt, unterbreitet. Bis Ende August können die Mitarbeiter diesen Vorschlag noch überdenken. Bisher habe aber niemand das Angebot angenommen, viele hätten das Angebot auch sofort ausgeschlagen, berichtet Odoj. Das Unternehmen hatte allen Mitarbeitern, die zum Umzug bereit sind, eine Mobilitätsprämie angeboten. Die Alternative ist eine Abfindung und der Verlust des Arbeitsplatzes. Insgesamt hat der Betriebsrat 275.000 Euro für alle 89 Beschäftigten aus einer schwachen Verhandlungsposition ausgehandelt. Immerhin mehr als drei Mal so viel wie beim ersten Angebot, das Hanse Yachts Anfang Juni gemacht hatte.

Mobilitätsprämie oder Abfindung

Grund für die schlechte Verhandlungsposition: Zwar werden schon über 50 Jahre Yachten in Freienohl gebaut, doch wegen der Insolvenz 2008 wurden im Jahr darauf völlig neue Beschäftigungsverhältnisse durch die Mitarbeiter begonnen. Da die Neugründung erstens somit noch nicht einmal vier Jahre zurückliegt und den Mitarbeitern zweitens ein neues Jobangebot gemacht wurde, wäre Hanse Yachts gar nicht verpflichtet gewesen, einen Sozialplan auszuhandeln, so Odoj. Wären die langen Jahre der Beschäftigung angerechnet worden, so hätte Hanse Yachts wohl rund 2,5 Millionen Euro für einen Sozialplan aufbringen müssen, rechnet Odoj vor. Dann wäre es wohl nie zu einer Produktionsverlagerung gekommen.

Die jetzt in die Wege geleitete Verlagerung stößt beim Betriebsrat und bei der IG Metall auf Unverständnis. Man vermutet, dass Kapitalinteressen hier Standortinteressen vorgezogen werden. Die Gewerkschaft hat dazu eigens ein Gutachten ausarbeiten lassen. Danach sei es aussichtsreicher, die Freienohler Werft durch kleine Investitionen neu aufzustellen, als die gesamte Fertigung zu verlagern. Die Optimierung des Standortes im Sauerland sei unwesentlich teurer als ein kompletter Umzug. Dieser sei für die Marke und den guten Ruf von Dehler außerdem sehr bedenklich: "Unser Know-How im Dehler Yachtbau wird verlorengehen", prophezeit Odoij. Qualitäts- und Imageschäden würden die Folge sein.

Schäden für Marke Dehler befürchtet

Am Ende werde das Gegenteil von dem herauskommen, was die Konzernleitung will, nämlich Dehler in den High-End-Bereich zurückzuführen. Die Entwicklung des Marktes und die Entschlüsse des Aurelius-Konzerns könnten eher vermuten lassen, dass die Qualitätsmarke Dehler am Ende vielleicht verramscht wird. Intern wird davon gesprochen, dass der Greifswalder Betrieb aufgemöbelt werden soll, um ihn dann gewinnbringend zu verkaufen.

Wie auch immer, dass es mit Dehler in Freienohl zu Ende geht, ist Fakt. Ob damit aber der Schiffsbau in Freienohl an sich gestorben ist, will Odoj nicht zu 100 Prozent bestätigen. "Die Geschichte Dehler ist zu Ende, vielleicht wird die Yachtbau-Geschichte in Freienohl aber anders weitergeschrieben", so Odoj. "Aufgegeben wird erst dann, wenn der letzte Schlüssel herumgedreht ist."

Inzwischen haben einige Mitarbeiter schon in kurzer Zeit neue Jobs gefunden. Vielen werden wegen ihrer Qualifikation "sehr gute" Chancen auf dem Arbeitsmarkt in Aussicht gestellt. Nicht auszuschließen sei allerdings auch, dass einige zunächst auf der Strecke bleiben. Auszubildende sind nicht von der Schließung betroffen.

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