Bruder Andreas ist seit 60 Jahren Schneidermeister

Diamantenes Jubiläum

Vor 60 Jahren bestand Bruder Andreas die Meisterprüfung im Herrenschneider-Handwerk.

Sein diamantenes Meisterjubiläum als Schneider beging kürzlich Bruder Andreas aus der Abtei Königsmünster. 1930 wurde er in Polsnitz in Schlesien geboren. Nach der Volksschule lernte er bei seinem Vater das Schneiderhandwerk.

Nach Krieg und Vertreibung konnte er 1948 in Bernau bei Berlin seine Gesellenprüfung ablegen. 1954 legte er die Meisterprüfung im Herrenschneider-Handwerk in Bielefeld ab.

Meschede.

Hinter diesen Daten verbirgt sich eine oft schmerzliche und wechselvolle Geschichte. Nach der Rückkehr aus dem Kriegsdienst musste der Vater von Bruder Andreas für eine russische militärische Einheit die Schneiderwerkstatt leiten – hier setzte Andreas seine Lehre fort. In dem Schaufenster der Schneiderei hing ein Schild, dass die russischen Uniformen hier maßgeschneidert werden. „Und die könnte ich heute noch schneidern“, so Bruder Andreas.

1947 aus Schlesien ausgewiesen, wurde die Familie in Oranienburg bei Berlin untergebracht. In Bernau konnte er seine Gesellenprüfung ablegen und arbeitete bis 1949 in der Werkstatt seines Vaters.

In Bielefeld fand er, der sich weiter ausbilden lassen wollte, in der Maßschneiderei Heinrich Schlep und der Schneiderei in Bethel eine Anstellung. Er bildete sich fort in verschiedenen Bereichen und bereitete sich – berufsbegleitend – auf die Meisterprüfung vor. Er bestand sie am 14. Juli 1954 vor dem Meisterprüfungsausschuss der Handwerkskammer Bielefeld. Auf seiner Meisterurkunde heißt es, zur damaligen Zeit passend: „Meister im Handwerk sein heißt: Höchstleistungen erstreben, einen tüchtigen Nachwuchs heranbilden und dem Volksganzen dienen.“

Über 30 Jahre auch als Pförtner tätig

Über 30 Jahre versah er neben seinem Handwerk den Pfortendienst und hatte seine Schneiderei an der Pforte. Abends klappte er die schwere Eichenplatte, die Arbeits- und Bügelplatte war, hoch, damit er in dem darunterliegendem Bett schlafen konnte. Anfang der 90er zog er in die Räume über der Gärtnerei ein und bildete noch einige Lehrlinge aus. Unter anderem Horst Arvers, ehemals Bruder Gregor, der heute am Theater Bielefeld arbeitet, und die letzten beiden Auszubildenden, Lisa Berghoff, die heute Modedesignerin ist und Annelen Kaiser, die Bruder Andreas Berufsweg eingeschlagen hat und selbständige Maßschneidermeisterin ist. Sie hielt die Würdigung für Bruder Andreas an seinem Ehrentag.

Mit acht Jahren wurde Bruder Andreas Ministrant in seiner Heimatpfarrei in Freiburg/O. In Bielefeld trat er der „Schar“ im Bund der Deutschen Katholischen Jugend bei. 1950, im Heiligen Jahr, nahm er an der Diözesanpilgerfahrt nach Rom teil – diese bewog ihn, in die Kolpingsfamilie einzutreten. „Ich habe mich bemüht ein guter Kolpingssohn zu sein und bitte um die Gnade, ein guter Benediktiner zu werden.“ Mit diesen Worten bat Bruder Andreas 1955 um die Aufnahme in die Abtei Königsmünster. Seitdem tragen Generationen von Mönchen die von ihm geschneiderten Habite, das Ordensgewand.

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