Hochwasserschäden und Produktionsausfälle

Die Flut und ihre Folgen: Warum eine Firma im Sauerland nicht den Mut verliert

Direkt an der Wenne gelegen, wurde das gesamte ebenerdige Gebäude der Amco Plast GmbH innerhalb von zwei bis drei Stunden komplett geflutet.
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Direkt an der Wenne gelegen, wurde das gesamte ebenerdige Gebäude der Amco Plast GmbH innerhalb von zwei bis drei Stunden komplett geflutet.

Nach der Flut kommt der Mut: Rund eine Woche ist seit den sintflutartigen Regenfällen durch Unwettertief „Bernd“ vergangen, auch im HSK wird das Ausmaß der Schäden nun sichtbar. Neben vielen Privatleuten hat es auch Einzelhändler und Unternehmer massiv getroffen. So auch die Firma Amco Plast GmbH in Meschede-Berge. Trotz der Zerstörung haben die Mitarbeiter ihre Zuversicht aber nicht verloren – im Gegenteil.

Berge – Es waren Szenen wie aus einem Hollywood-Katastrophenfilm, die sich am vergangenen Mittwoch vor Ort ereigneten: Direkt an der Wenne gelegen, wurde das gesamte ebenerdige Gebäude (4.800 Quadratmeter) der Firma innerhalb von zwei bis drei Stunden komplett geflutet. „Am Mittwoch, 14. Juli 2021, stieg das Wasser zügig an. Um 15.45 Uhr verkeilte sich das Totholz und der Wasserpegel stieg von Minute zu Minute weiter. Der Durchfluss fehlte, trotzdem wir viel Holz vor der Brücke entfernt hatten“, berichtet Betriebsleiter Stanislaw Spitalny noch immer fassungslos.

Gesamte Belegschaft musste evakuiert werden

Bereits zwei Stunden später habe man die gesamte Belegschaft aus Sicherheitsgründen vom Firmengelände evakuieren müssen. Die Wenne, ein uriges Flüsschen mit einer sonstigen durchschnittliche Höhe von 50 Zentimeter im Sommer, war innerhalb kürzester Zeit zu einem reißenden Fluss geworden, der springbrunnenartig über die Ufer, die Brücke und das Geländer schoss und anschließend das gesamte Thermoplastik- und Kunststoffspritzguss-Unternehmen überflutete.

Die Folgen der Wassermassen wurden wenige Tage später sichtbar – und sind es noch bis heute. Zerstörte Temperiergeräte, Stapler, Spritzgussanlagen, Computer sowie aufgequollene und kaputte Parkett- und Laminatböden in den Büros zeigen ein Bild der Verwüstung. Das Wasser stand bis zu 30 Zentimeter und mehr in dem gesamten Gebäude, indem selbst Fische zeitweise ihr neues Zuhause gefunden hatten.

Versicherung kommt nicht für die Schäden auf

Das Wasser ist längst abgeflossen, die Flutschäden selbst aber bleiben. Tagelang abgestellter Strom, um weitere Gefahren ausschließen zu können, ein kompletter Stillstand in der Produktion (nur dringende Artikel können derzeit produziert werden) sowie die finanzielle wie mentale Doppelbelastung infolge der Corona-Pandemie und jetzigen Flutkatastrophe stellt das gesamte Unternehmen vor eine echte Herausforderung. Zumal – Stand jetzt – die Versicherung nicht für die Schäden aufkommt.

Doch trotz all dieser Hiobsbotschaften haben die Verantwortlichen ihre Zuversicht nicht verloren. Im Gegenteil: Die unmittelbare Unterstützung und Solidarität vonseiten der eigenen Belegschaft sowie anderer Firmen lassen alle Beteiligten neuen Mut schöpfen und optimistisch nach vorne blicken.

Mit Arbeitsschuhen haben die Mitarbeiter tief im Dreck gestanden und zugesehen, dass der Matsch nicht zu Beton wird.

Franz Schulte, Amco Plast GmbH

„So eine Katastrophe habe ich in noch nie erlebt. Unsere Mitarbeiter waren total schockiert, sind schnurstracks in den Baumarkt gefahren, haben Flitschen gekauft und sich eigenverantwortlich um ihren Arbeitsplatz und mehr gekümmert. Mit Arbeitsschuhen haben sie tief im Dreck gestanden und zugesehen, dass der Matsch nicht zu Beton wird“, berichtet Franz Schulte, der für die gesamte Technik im Unternehmen zuständig ist, von seinen Eindrücken.

Dankbar zeigt Franz Schulte auf die Temperiergeräte, die Firma BJB GmbH & Co. KG aus Arnsberg schnell und unbürokratisch zur Verfügung gestellt hatte.

Stanislaw Spitalny spricht vor diesem Hintergrund allen 30 Mitarbeitern ein riesengroßes Lob für ihren unermüdlichen Einsatz aus: „Wir haben unsere Kunden kontaktiert und mit den Aufräumarbeiten begonnen. Vom 15. bis 17. Juli haben alle Mitarbeiter von morgens bis abends Schlammmassen weggeflitscht, die Schäden soweit wie möglich beseitigt, damit die Produktion zumindest teilweise wieder starten konnte.“

Schnelle und unbürokratische Hilfe von anderen Firmen

Besonders beeindruckt zeigt er sich auch von der schnellen und unbürokratischen Hilfe durch die BJB GmbH & Co. KG aus Arnsberg, die sofort acht ihrer Temperiergeräte zur Verfügung gestellt hatte, sowie die Unterstützung durch Oliver Schmidt, Sohn des Geschäftsführers Alois Schmidt, der alleine 600 Kilometer hin und zurück gefahren ist, um ein Bodenreinigungsgerät vorbeizubringen. Dieser Zuspruch sowie der eigene Zusammenhalt habe dazu beigetragen, dass im Unternehmen das Gemeinschaftsgefühl noch weiter gewachsen und vertieft worden ist.

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