Auf dem Weg zu einem straffreien Leben

Die zweite Chance nutzen: Mescheder Bewährungshilfe stellt sich vor

 Der Straftäter erhält mit der Bewährung eine zweite Chance, sich als verantwortungsvolles Mitglied der Gesellschaft zu zeigen.
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Der Straftäter erhält mit der Bewährung eine zweite Chance, sich als verantwortungsvolles Mitglied der Gesellschaft zu zeigen.

Aufklären über die Mescheder Bewährungshilfe - Dies hat sich ein studentisches Praxisprojekt auf die Fahne geschrieben. Um das geplante Vorhaben coronakonform umsetzen zu können, wurde ein Videobeitrag der Dienstelle Meschede des ambulanten Sozialen Dienst der Justiz (aSD) an Lokalpolitiker und Netzwerkpartner versendet. Ursprünglich sollte zu einer Informationsveranstaltung eingeladen werden.

Meschede - Dem aSD gehören die Fachbereiche der Gerichtshilfe, der Führungsaufsicht und der Bewährungshilfe an. Die Aufgabenfelder der Fachbereiche werden dabei durch Sozialarbeiter ausgeführt. Die Gerichtshilfe befasst sich, im Auftrag der Justiz, zum einen mit der Aufklärung sozialer Lagen und Hintergründe von straffälligen Personen innerhalb von Ermittlungs-/ Strafverfahren. Zum anderen befasst sie sich mit der Durchführung des Täter-Opfer-Ausgleiches, der psychosozialen Prozessbegleitung oder anderen Vermittlungstätigkeiten und wird im Bereich der häuslichen Gewalt tätig. Die Führungsaufsicht zielt dagegen auf die Reintegration und Überwachung haftentlassener Menschen ab.

Der Fokus des Videobeitrages wurde auf die Bewährungshilfe gelegt. Die Aussetzung einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Restfreiheitsstrafe zur Bewährung stellt die zweithäufigste Sanktion im allgemeinen Strafrecht dar. Der Straftäter erhält mit der Bewährung eine zweite Chance, sich als verantwortungsvolles Mitglied der Gesellschaft zu zeigen. Weiter können, neben Steuerersparnissen, negative Auswirkungen einer Haft vermieden werden. Einem Arbeitsplatz- oder Wohnungsverlust wird so vorgebeugt. Für die Bewährungszeit werden Auflagen und Weisungen erteilt, welche den Rechtsfrieden wiederherstellen und zu einem straffreien Leben führen sollen. Das Absolvieren von Sozialstunden oder die Teilnahme an einer Suchttherapie stellen solche Maßnahmen dar.

Die Fachkraft des aSD übernimmt dabei die Aufgabe, die Erfüllung von Auflagen und Weisungen zu überwachen, aber vor allem auch dem Menschen zu einem straffreien Leben zu verhelfen. Um Problemlagen wie Sucht, Schulden, Arbeits- und Einkommenslosigkeit sowie Wohnprobleme beheben zu können, nutzt die Bewährungshilfe Methoden der Einzelfallhilfe, des Case-Managements, der Beratung, der Netzwerkarbeit und der Projektarbeit. Dabei wird sich an dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe orientiert, um nachhaltige Erfolge zu erzielen.

Bewährungszeit überwiegend erfolgreich

Laut Erhebungen des Statistischen Landesamtes NRW können der Bewährungshilfe solch nachhaltige Erfolge deutlich nachgewiesen werden. So beenden 69,28 Prozent der erwachsenen und 55,89 Prozent der jugendlichen Klienten erfolgreich ihre Bewährungszeit, ohne dass eine Haftstrafe doch vollzogen werden muss. Denn sollte beharrlich und grob gegen Auflagen und Weisungen verstoßen werden, kann die Strafaussetzung zur Bewährung widerrufen werden. In diesem Fall würde eine Freiheitsstrafe nachträglich vollzogen.

Auch mit einem langfristigen Blick zeigt sich, dass etwa 61 Prozent der erwachsenen und rund 40 Prozent der jugendlichen Klienten in den ersten drei Jahren nach der Bewährung nicht erneut straffällig werden. An dieser Stelle ist anzumerken, dass bei jungen Menschen eine erhöhte Rückfälligkeit in Bezug auf Straftaten besteht.

Auch mit den Grenzen der Bewährungshilfe setzte sich der Videobeitrag auseinander. So wirken geringe zeitliche Ressourcen bei einem hohen Klientenschlüssel einschränkend. Weiter werden Handlungsmöglichkeiten durch den Bewährungsbeschluss festgelegt. Auch gilt es nach rechtsstaatlichem Anspruch ebenfalls, Datenschutz, Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte zu achten.

Um einen erfolgreichen Bewährungsprozess zu erzeugen, bedarf es letztlich einer Eigenverantwortlichkeit und einer tatsächlichen Motivation, ein straffreies Leben zu führen.

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