Herausforderndes Jahr

Digital, daheim oder draußen: Mescheder Kulturlandschaft trotzt der Corona-Pandemie mit neuen Ideen

Spektakuläres Mitmach-Kunstprojekt: Der Kölner Künstler Frank Bölter schipperte mit einem XXL-Papierschiff über den Hennesee.
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Spektakuläres Mitmach-Kunstprojekt unter freiem Himmel: Der Kölner Künstler Frank Bölter schipperte mit einem XXL-Papierschiff über den Hennesee.

Besondere Zeiten erfordern besondere Ideen. Für die Kulturschaffenden war 2020 ebenso wie für die Veranstalter ein schwieriges Jahr. Corona prägte die Arbeit, wie Anne Wiegel vom Fachbereich Generationen, Bildung und Freizeit der Stadt Meschede, berichtete. Im Ausschuss für Generationen, Bildung, Freizeit und Soziales zeigte sie aber auch Beispiele, wie Kulturarbeit trotz Pandemie möglich war – etwa im digitalen Raum. 

Meschede - Ein Beispiel war das Zeitkapsel-Projekt der Jugendkunstschule kunsthaus alte mühle e.V. unter Leitung von Dozent Gunther Dudda im Rahmen des Kulturrucksacks NRW. Jugendliche im Alter von 10 bis 14 Jahren waren aufgerufen, das Jetzt inklusive der Vorstellungen von morgen als Film, Tonaufnahme oder Text aufzuzeichnen. Eine Übergabe der Zeitkapsel ans Stadtarchiv, wo sie 20 Jahre aufbewahrt werden soll, ist für die Nach-Corona-Zeit geplant. Gepackt wurden ebenfalls in Kooperation mit der Jugendkunstschule 75 Beutel zu den Themen „Handlettering“, „Tape Art“ und „Textiles Gestalten“, die über den aki – Offener Treff und Abenteuerspielplatz der Diakonie Ruhr-Hellweg sowie über den Kinderschutzbund Ortsverein Meschede e.V. verteilt wurden und die Möglichkeiten boten, zuhause kreativ zu werden. Hip-Hop-, Songwriting-, Manga-, Film- und Rap-Workshop fanden im Rahmen des Kulturrucksack NRW ab den Sommerferien mit reduzierter Teilnehmerzahl und viel Abstand zum Teil in der Stadthalle statt. Gefördert wurden die Angebote des Kulturrucksacks NRW durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen.

Mittel der Integrationspauschale genutzt

Auch Mittel der Integrationspauschale des Landes NRW wurden genutzt, um vor allem Kinder und Jugendliche mit Flucht- und Migrationshintergrund zu erreichen und den interkulturellen Dialog in Schulen und Kindergärten zu fördern. So konnten in Kooperation mit der Jugendkunstschule 100 Beutel „Dein Murmelspiel“ gepackt und über den aki – Offener Treff und Abenteuerspielplatz verteilt werden. Da das Konzert der Gruppe „Karibuni“ auf 2021 verschoben werden musste, wurden Bücher und CDs der Gruppe mit Liedern, Tänzen und Bewegungsspielen aus allen Teilen der Welt für Kindergärten und Schulen angeschafft. Auch im Rahmen des Programms „Kulturstrolche“ des Kultursekretariats NRW Gütersloh, das nach einer Projektidee der Stadt Münster vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert wird und sich an Kinder im Grundschulalter richtet, konnten viele Angebote in Meschede nicht wie geplant stattfinden.

Da Klassen-Ausflüge bis zu den Sommerferien gar nicht möglich waren, wurde allerdings in Kooperation mit der Jugendkunstschule ein Angebot für die Viertklässler in der Luziaschule gemacht, um diesen vor dem Wechsel auf die weiterführende Schule einen Projektabschluss zu ermöglichen: Die Viertklässler gestalteten in der Schule unter Leitung von Künstler Martin Henkel kreative Boxen, die ihre (Traum)-Lebenswelt spiegeln. Die Ergebnisse beeindruckten: Jede Box war anders, spiegelte ganz individuell die Interessen, Prioritäten und Wünsche der Kinder wider – und wurde schließlich zumindest auf digitalem Wege zur Bühne für die Kinder selbst.

Bei den Erwachsenen mussten nach einem gelungenen Jahresauftakt mit Joe Bausch vor ausverkauftem Haus ab März ebenfalls viele Konzerte und Theateraufführungen verschoben oder abgesagt werden, nur wenige konnten im Herbst nachgeholt werden. Der alljährliche Orgelsommer bot Musikliebhabern in den Sommerferien dann wieder die Möglichkeit, Musik in besonderer Atmosphäre zu genießen.

Projekte unter freiem Himmel möglich

Möglich waren außerdem vor allem Projekte untere freiem Himmel – wie zum Beispiel im August/September das Kunstprojekt mit Frank Bölter: „Ein Auto ist ein Schiff ist ein Haus“ fand im Rahmen des „Spirituellen Sommers 2020“ mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen an verschiedenen Orten am Hennesee statt. Jeweils neun Personen falteten mit dem Künstler ein lebensgroßes Auto, das sich eine Woche später in ein Schiff verwandelte, mit dem Bölter in See stach und schließlich vom Boot kurzzeitig zum Haus wurde – eine ambitionierte Gemeinschaftsaktion, die zeigte, dass sich trotz Maske und Abstand gemeinsam scheinbar Unmögliches schaffen lässt. Nachdem im Herbst wieder erste Veranstaltungen – auch im Kinder- und Jugendbereich – in der Stadthalle angeboten werden konnten, musste das Programm ab November pandemiebedingt leider abgesagt werden.

Ein Erfolg mit Abstand und begrenzten Zuschauerzahlen, aber auch digitaler Teilnahmemöglichkeit waren von Juli bis Oktober in Meschede und den Ortsteilen sieben kleine kulturelle, musikalische und künstlerische Veranstaltungen: Im Rahmen der vom Stadtmarketing Meschede e.V. auf die Beine gestellten Mescheder SommerMomente bespielten Künstlerinnen und Künstler aus der Region besondere Orte – eine Idee, die 2021 erneut aufgegriffen werden soll.

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