Kamelle statt Kanüle

DRK-Blutspendedienste warnen in der Karnevalszeit vor Engpässen

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Damit keine Engpässe über Karneval entstehen, ruft das DRK zur Blutspende auf.

Hochsauerland. Das Deutsche Rote Kreuz schlägt Alarm: Aufgrund der bevorstehenden Karnevalstage und der zeitgleich grassierenden Grippewelle warnt der Blutspendedienst West davor, dass die Konserven in der nächsten Zeit knapp werden könnten. Spender werden deshalb dringend gebeten, sich so schnell wie möglich “anzapfen“ zu lassen.

„Noch ist die Versorgung gesichert und die Lage in Ordnung, aber wir haben durchaus die Befürchtung, dass uns die Reserven ausgehen könnten“, erklärt Stephan Jorewitz, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und beim Blutspendedienst West für den Regierungsbezirk Arnsberg zuständig, auf Anfrage des Kurier. 

Die Situation sei in diesem Jahr extrem angespannt, da sich die für die Blutspendebereitschaft negativen Faktoren „Erkältungswelle“ und „Karnevalszeit“ nicht – wie sonst üblich – zeitlich abwechseln, sondern parallel auftreten und so zu einem „gefährlichen Doppeleffekt“ führen könnten. 

Damit rund um die fünfte Jahreszeit immer genug Blutkonserven zur Verfügung stehen, sei eine hohe Beteiligung bei den Blutspendeterminen jetzt besonders wichtig. Denn in der Karnevalszeit beschäftigen den DRK-Blutspendedienst West gleich mehrere Problemfelder: Neben der geringeren Anzahl an Spendern ist auch die Logistik ein nicht zu unterschätzendes Problem. 

"Schützenhallen sind über Karneval ausgebucht"

„In erster Linie geht es gar nicht so sehr darum, dass die Menschen nicht bereit wären, auch in der Karnevalszeit Blut zu spenden. Viel mehr ist es für uns auch schwierig, in diesem Zeitraum überhaupt Termine anbieten zu können, weil Orte wie Schützenhallen oder ähnliches für Veranstaltungen bereits ausgebucht sind“, erklärt Stephan Jorewitz. 

Deshalb sei der Aufruf um so dringender, noch vor den närrischen Tagen zur Blutspende zu gehen. Das habe auch mit den unterschiedlichen Haltbarkeitsdaten der Bestandteile des Blutes zu tun, weiß der 43-jährige Briloner. Thrombozyten (Blutplättchen) sind bei 22 Grad Celsius rund fünf Tage haltbar, Erythrozyten (rote Blutkörperchen) 22 Tage (bei 4 Grad) und das Plasma wird eingefroren und kann bis zu zwei Jahre haltbar sein. „Um den Abstand vor dem Karnevalswochenende bis hin zum Aschermittwoch möglichst eng zu halten, bieten wir auch noch am Donnerstag und Freitag der Karnevalswoche vereinzelt Spendetermine an. Aber die Anzahl ist natürlich deutlich geringer als zu normalen Zeiten.“ 

Aus diesem Grund macht die derzeit grassierende Erkältungswelle die Situation auch besonders bedrohlich, weil so noch mehr Spender zum gleichen Zeitpunkt fernbleiben. Doch auch die allgemeine Lage bereitet dem DRK zurzeit Sorgen. Bei den Blutspenderzahlen ist ein stetiger Rückgang zu verzeichnen. Auch für den Regierungsbezirk Arnsberg liegt dieser bei etwa zehn Prozent. 

Auch Flüchtlinge dürfen Blut spenden

In der zurückliegenden Woche beispielsweise seien nur am Freitag und am Sonntag mehr Spender zu den Terminen gekommen, als der DRK im Vorhinein erwartet hatte. An allen anderen Tagen lagen die Zahlen deutlich unter den Kalkulationen. Dies sei unter anderem auf den generellen demografischen Wandel zurückzuführen, so Stephan Jorewitz. Darum sei es extrem schwierig, ein Patentrezept gegen diesen negativen Trend zu entwickeln. 

Zumindest etwas helfen könnte die Tatsache, dass auch Flüchtlinge zur Blutspende zugelassen sind. Einzige Voraussetzung: Sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein, eine Ausweis mit Lichtbild besitzen und wenigstens der englischen Sprache mächtig sein, um mit dem Arzt den notwendigen Gesundheitsfragebogen durchgehen zu können. Eine Trendwende wird diese Möglichkeit allerdings keineswegs einleiten. 

Beim DRK Blutspendedienst denkt man zunächst auch erstmal an die nahe Zukunft und hofft darauf, dass die Reserven über die närrischen Tage nicht ausgehen. 

Für alle, die mehr über die Blutspendetermine in Wohnortnähe wissen wollen, hat der DRK-Blutspendedienst West eine kostenlose Hotline geschaltet. Unter  Tel. 0800/1194911 werden montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr alle Fragen beantwortet. Informationen gibt es auch im Internet unter www.blutspendedienst-west.de.

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