Prozess vor dem Landgericht

Drogenhandel in großem Stil: Fast 350.000 Euro für 31,2 Kilogramm Marihuana

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31,2 Kilogramm Marihuana soll ein 51-jähriger Mann verkauft haben und dabei fast 350.000 Euro Gewinn gemacht haben. (Symbolfoto)

31,2 Kilogramm verkauftes Marihuana im Zeitraum von 2013 bis 2019 und ein dabei erzielter Gewinn von 346.666 Euro – für diesen Tatbestand muss sich ein 51-Jähriger Mescheder seit Dienstag vor dem Landgericht Arnsberg verantworten.

Arnsberg/Meschede – Bei einer ersten Hausdurchsuchung im Februar 2019 wurden 294 Gramm Marihuana, 16,23 Gramm Haschisch, 700 Euro Bargeld, Mobiltelefone sowie Drogenutensilien sichergestellt. Der in Meschede lebende nigerianischen Staatsbürger wurde in Untersuchungshaft genommen, kam jedoch bereits im März 2019 wieder frei. Eine zweite Hausdurchsuchung erfolgte im Oktober 2019 bei der 23 Gramm Marihuana, Dealergeld, eine Feinwaage und diverse andere Gegenstände wie Handys sichergestellt wurden.

Nach Verlesung der Anklageschrift durch Staatsanwalt Ümit Görgün kam es zwischen Kammer, Verteidigung und Staatsanwaltschaft zu einem Rechtsgespräch mit dem Ergebnis, sich auf ein Strafmaß zwischen zwei Jahren und zehn Monaten und im Höchstfall drei Jahren und vier Monaten zu einigen. Voraussetzung dafür sei laut der vorsitzenden Richterin Dorina Henkel ein tragfähiges Geständnis des Angeklagten.

„Ich habe Drogen konsumiert, weil ich isoliert war"

„Ich habe Drogen konsumiert, weil ich isoliert war. Verkauft habe ich nur, um meine Sucht zu finanzieren“, erklärte der 1968 in Nigeria geborene Mann, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, zu Beginn der Verhandlung. „Eigentlich wollte ich zuerst nach England. Dort bekam ich aber kein Visum, darum bin ich nach Deutschland gekommen“, so der 51-Jährige. 

Der 51-jährige Angeklagte sitzt bis zur Urteilsverkündung am 5. März in Untersuchungshaft.

Er sei nicht politisch verfolgt gewesen und habe in Deutschland Asyl beantragt. „Dann hab ich eine Deutsche geheiratet und eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung bekommen“, berichtete der Angeklagte von seinen Anfängen in Deutschland. Aufgrund seiner Scheidung 2002 sei er psychisch erkrankt, litt unter Schlafstörungen. „Ich habe angefangen viel Whisky zu trinken und Gras zu rauchen, weil ich so einsam war“, erklärte der Mescheder, der seinen „Cocktail“ seinerzeit noch mit Antidepressiva erweiterte. 

Konsum durch Verkauf immer unkontrollierter

Laut seiner Einlassung habe er anfangs allerdings nur einmal täglich Drogen konsumiert, um seine Probleme zu bewältigen. Danach steigerte sich dann der Marihuanakonsum auf sieben bis zwölf Gramm pro Tag. Zwischenzeitliche Aufenthalte in der LWL-Klinik Marsberg mit der Diagnose paranoide Schizophrenie und eine Erwerbsunfähigkeit folgten. „1992 habe ich begonnen zu kiffen. Erst ab 1994 habe ich nach jeder Mahlzeit vier Köpfe geraucht. Der Konsum wurde später durch den Verkauf immer unkontrollierter. Ich habe von den Lieferungen immer nur soviel verkauft, damit ich meinen Eigenkonsum finanziert bekomme“, so der Beschuldigte.

Weiterhin erklärte er, dass er ab 2013/2014 richtig viele Drogen verkauft habe, davor sei es aber nur gelegentlich zu Verkäufen gekommen. „Ab 2016 bekam ich das Marihuana dann auf Kommission, fast immer wöchentlich 100 Gramm. Manchmal konnte mein Dealer aber auch nicht liefern, dann bekam ich beim nächsten Mal gelegentlich 300 Gramm.“

Handel ging auch nach U-Haft weiter

Ein lukratives Geschäft, das dem Angeklagten nicht nur vermeintliche Freunde gegen seine Einsamkeit einbrachte, sondern sich auch monetär auszahlte – so schaffte er sich in dieser Zeit unter anderem ein neues Schlagzeug, eine Gitarre und teure Mode an. 

Auf Nachfragen des Staatsanwalts hinsichtlich des weiteren Verkaufs von Marihuana nach seiner U-Haft im Februar 2019 erklärte er: „Ich bekomme nur 220 Euro Erwerbsunfähigkeitsrente und Wohngeld. Ich habe nur wieder verkauft, damit ich mir etwas zu Essen kaufen konnte.“

Am zweiten Verhandlungstag, Donnerstag, 5. März, wird das Urteil gesprochen.

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