Gläubiger-Vetreter über Meschede-Center: „Bis jetzt noch kein Cent geflossen“

Droht ein plötzliches Ende?

Der von allen Seiten so euphorisch begrüßte Baubeginn rund um das ehemalige Hertie-Gebäude hat einen neuerlichen Streit „vom Zaun“ gebrochen.

„Endlich tut sich was“, haben viele Mescheder Anfang dieser Woche gedacht, als nach jahrelangen Verzögerungen die ersten Arbeiten rund um das Meschede Center begonnen haben. Auch immer mehr Namen für die Vermietung der Flächen wurden publik, das ganze Projekt schien endlich richtig Fahrt aufzunehmen. Doch nun droht neues Ungemach. Nach gesicherten Kurier-Informationen steht die Zahlung des gesamten Kaufpreises noch aus. Erfolgt diese nicht, gerät das Gesamtprojekt in seiner jetzigen Form ins Wanken.

Ins Rollen gebracht wurden die neuesten Entwicklungen von Sebastian Mogos-Lindemann, Direktor der „CR Investment Management GmbH“, die mit der Vermarktung aller 32 ehemaligen Hertie-Filialen in ganz Deutschland beauftragt ist.

Er nahm den Bericht unserer Zeitung vom vergangenen Mittwoch zum Auftakt der vorbereitenden Baumaßnahmen am Meschede Center (Mescheder Ausgabe) zum Anlass, öffentlich einige Dinge klarzustellen. „Herr Bövingloh hat als Investor zurzeit null Zugriff auf das Objekt“, betont Mogos-Lindemann. Am 8. Januar 2012 sei zwar mit der Firma „Bövingloh Immobilien“ ein offizieller Kaufvertrag abgeschlossen worden, auf die Zahlung des Kaufpreises warte man seitens der CR Investment Management GmbH allerdings nach wie vor vergeblich. Außer einer Managementgebühr, die zur Deckung der laufenden Kosten gezahlt worden sei, „ist bis heute noch nicht ein Cent an uns geflossen“.

Bei der ausstehenden Summe, die eigentlich innerhalb eines Zeitrahmens von sechs Monaten nach Vertragsabschluss hätte fließen müssen, handele es sich um einen mittleren Millionenbetrag, erläutert Sebastian Mogos-Lindemann.

„Aus unserer Sicht ist Herr Bövingloh raus“

Er geht sogar noch einen Schritt weiter: Aus Sicht der gesicherten Gläubiger sei nicht mehr mit einem Abschluss seitens des derzeitigen Investors zu rechnen. „Aus unserer Sicht ist Herr Bövingloh raus“, macht der Direktor unmissverständlich deutlich. Das ehemalige Hertie-Gebäude werde sogar seit Anfang dieses Jahres wieder neu vermarktet. Da Hubert Bövingloh nicht als Eigentümer im Grundbuch stehe, dürfe er auch keine verändernden Baumaßnahmen am Objekt selbst vornehmen. „Sonst nehmen wir ihn in Regress“, so Sebastian Mogos-Lindemann.

Investor Hubert Bövingloh reagiert auf die Anschuldigungen seinerseits deutlich. „Was Herr Mogos-Lindemann sagt, interessiert mich nicht. Wir haben mit dem Insolvenzverwalter eine Regelung bezüglich des Kaufpreises getroffen. Die Abwicklung folgt nun Zug um Zug.“

Insolvenzverwalter für das Gebäude in Meschede ist die Römermann Insolvenzverwalter GmbH mit Sitz in Hamburg. Mit ihr stehe er in Kontakt, Sebastian Mogos-Lindemann sei lediglich mit der Vermarktung der Immobilie beauftragt. „Er möchte durch solche Aussagen nur zusätzlich öffentlich Druck aufbauen“, stellt Bövingloh klar.

Bürgermeister Hess: "Unmögliches Geschäftsgebaren"

„Was ist das denn für ein unmögliches Geschäftsgebaren?“ – Mit dieser massiven Kritik am öffentlichen Verfahren von Sebastian Mogos-Lindemann reagiert Meschedes Bürgermeister Uli Hess entrüstet auf das Publikwerden der neuesten Entwicklungen rund um das Meschede Center. Neben dem Zeitpunkt der Veröffentlichung missbilligt Hess auch die gesamte Art und Weise dieses Vorgehens. Faktisch sieht er im Verhalten der Stadt keinen Fehler, weder was die vertragliche Ausgangssituation noch die derzeitigen vorbereitenden Baumaßnahmen betrifft.

Zuvor hatte eben jener Sebastian Mogos-Lindemann als Vermarkter des ehemaligen Hertie-Gebäudes im Gespräch mit dem SauerlandKurier auch das Verhalten der Stadt Meschede im gesamten Prozess rund um das Meschede Center bemängelt.

„Wir haben Herrn Mogos-Lindemann mehrfach zu uns nach Meschede eingeladen, um die Dinge am runden Tisch in Ruhe besprechen zu können. Er hat aber keinerlei Veranlassung für einen solchen Ortstermin gesehen. Warum sucht er jetzt auf diese Weise den Weg über die Presse?“ Zumal, so betont Uli Hess, in der Vergangenheit nicht ein einziger alternativer Investor vom Direktor von CR Investment Management an die Stadt herangetragen wurde. Man sei ja nicht ausschließlich an Investor Bövingloh gebunden, verdeutlicht der Bürgermeister. Auch den Vorwurf, man habe sich vor Abschluss der Verträge nicht über die Eigentümerrechte informiert, lässt Hess so nicht gelten. Die derzeitigen Baumaßnahmen etwa seien keinesfalls eine Frage des Eigentumsrechts, da sie nicht am Objekt selbst stattfinden. „Es handelt sich hierbei um vorbereitende Maßnahmen auf städtischem Grund und Boden. Wir lassen uns von Herrn Mogos-Lindemann nicht in die Irre führen.“ Sobald Baumaßnahmen am Gebäude selbst stattfänden, würden natürlich vorher die Grundbucheinträge geprüft. Zudem sei die Stadt selbst ja auch durch die Stadthalle und die Tiefgarage Miteigentümer.

"Es gibt keinen Grund zur Aufregung"

Darüber hinaus zeigt sich der Bürgermeister sicher, dass Investor Hubert Bövingloh den Kaufpreis noch in voller Höhe zahlen wird. Der Unternehmer sei in der Branche kein Unbekannter und gelte, was Vertragsinhalte angeht, bis zur letzten Minute als Hardliner. „Es gibt keinen Grund zur Aufregung“, beschwichtigt Uli Hess.

Das sieht Sebastian Mogos-Lindemann deutlich anders. Er rechnet nicht mehr damit, dass Hubert Bövingloh den Kaufpreis noch zahlen wird. Er habe noch einmal mit dem Insolvenzverwalter gesprochen. Diesem sei seitens des Investors zugesichert worden, dass der Kaufpreis im November kurzfristig überwiesen werde, was nicht passierte. Das sei fragwürdiges Geschäftsgebaren, so Sebastian Mogos-Lindemann.

Einen ausführlichen Bericht mit allen Hintergrundinfos und vielen weiteren Stellungnahmen lesen Sie in unserer heutigen Sonntagszeitung in der Ausgabe Meschede/Brilon.

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