"Besonderes Einkaufserlebnis schaffen"

Wie der Einzelhandel die Kaufkraft in der Weihnachtszeit vor Ort binden möchte

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Der Einzelhandel setzt vor Ort vor allem auf vorweihnachtliche Atmosphäre, um die Kaufkraft zu binden.

Meschede/Bestwig/Brilon/Olsberg/Willingen/Marsberg. Gerade jetzt im umsatzstarken Weihnachtsgeschäft spüren die heimischen Einzelhändler den zunehmenden Druck durch das Online-Shopping. Vielen Kunden setzen mittlerweile auf den bequemen Einkauf per Mausklick von zu Hause aus - ohne lästige Parkplatzsuche, frühe Ladenschlusszeiten oder nervtötendes Gedrängel. Wie die Werbegemeinschaften in Meschede, Bestwig, Olsberg, Brilon, Willingen und Marsberg mit dieser Konkurrenzsituation umgehen, welche Vorteile Kunden beim Online-Einkauf oder Heimatshopping sehen und mit welchen Strategien es dem heimischen Einzelhandel häufig dennoch gelingt, die Kaufkraft vor Ort zu binden, erfahren Sie hier:

„Wir können mit dem reichhaltigen Angebot aus dem Internet natürlich nicht konkurrieren und teilweise auch nicht die Preise halten“, räumt etwa Helmut Schmücker, Erster Vorsitzender der Werbegemeinschaft Olsberg-Bigge, ein. „Aber dafür bieten wir dem Kunden mehr. Wir haben beispielsweise am 14. Dezember einen verkaufsoffenen Abend mit vielen kleinen Highlights und einem großen Maß an Wohlfühlatmosphäre. Durch Gemütlichkeit, individuellen Service, inhabergeführte Geschäfte sowie exklusive Beratung vor Ort möchten wir überzeugen und die Kundschaft weiter dazu bewegen, in unseren Geschäften hier in Olsberg und Bigge einzukaufen“ so Schmücker. 

Service und Freundlichkeit sowie vorweihnachtliches Flair

Ähnlich sieht das auch André Wiese, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Meschede aktiv: „Wir setzen weiterhin auf Service und Freundlichkeit sowie vorweihnachtliches Flair. Darum haben wir auch in der ganzen Stadt wieder 150 Tannenbäume aufgestellt und die gesamte Innenstadt mit unserer Weihnachtsbeleuchtung geschmückt.“ Bonuskarte und familiäre Bindung Zudem habe man einen Adventsflyer mit allen Angeboten in der Vorweihnachtszeit herausgebracht, um die Kundschaft in die Stadt zu locken. „Jeden Freitag und Samstag gibt es in der Fußgängerzone auch noch einen Adventstreff. Wir hatten den Pink Friday mit seinen zahlreichen Rabattaktionen und demnächst gibt es wieder die beliebte Weihnachtsbäckerei“, erklärt Wiese.

Heimelige Atmosphäre, Weihnachtsmärkte und verkaufsoffene Sonntage

Auf eine attraktive Weihnachtsbeleuchtung und ein gemütliches Ambiente setzt auch die Wirtschaftsförderung aus Brilon gemeinsam mit dem Werbeverein Prima Brilon. „Wir von der Stadt setzen auf eine heimelige Atmosphäre, um die Leute zum Weihnachtsshopping in die Stadt zu locken. Darum unterstützen wir auch jedes Jahr den Weihnachtsmarkt von der Sparkasse Hochsauerland, der auch in diesem Jahr wieder an allen Tagen sehr gut angenommen wurde. Genauso erfolgreich wie der Weihnachtsmarkt war auch der verkaufsoffene Sonntag. Um die Kaufkraft zu stärken haben wir zudem am ersten Oktober eine brilonweite Bonuskarte eingeführt“, so Oliver Dülme von der Wirtschaftsförderung aus Brilon. Stefan Scharfenbaum von Prima Brilon ergänzt: „Natürlich hat der Trend zum Online-Shopping zugenommen. Es gibt aber auch noch Kunden, die den Service vor Ort schätzen, die eine Beratung durch den Fachhandel vorziehen und auch hier und da durchaus das ein oder andere Schnäppchen machen. Der Gewerbeverein beziehungsweise der achtköpfige Vorstand Prima Brilon investiert jährlich viele Hunderte Stunden Arbeit in die Erhaltung der Attraktivität der Innenstadt. Mit zahlreichen Festen wie ,Brilon blüht auf‘ oder auch dem dreitägigen Altstadtfest locken wir viele tausend Besucher in die Briloner Altstadt. Aber auch mit der Anschaffung der neuen Weihnachtsbeleuchtung sowie dem Ausarbeiten der innerstädtischen Parksituation tragen wir dazu bei, die Kaufkraft zu stärken.“ 

Familiäre Bindungen stärken Kaufkraft vor Ort

Olaf Badelt von der Werbegemeinschaft Besser in Bestwig betont wiederum, dass auch familiäre Bindungen die Kaufkraft vor Ort stärken. „Wir von der Werbegemeinschaft haben einen Flyer und eine dazugehörige Einkaufstasche ,Global gedacht, lokal gekauft‘ entwickelt. Die Geschichte der Comicfigur Hanna soll dazu beitragen, in der Gemeinde Bestwig einzukaufen. Denn wenn das Geld im Ort bleibt, weil beispielsweise der Bruder im Handyladen um die Ecke arbeitet, dann werden dadurch auch die Arbeitsplätze und Löhne gesichert.“ 

Attraktive Öffnungszeiten und ein besonderes Einkaufserlebnis 

Die Wirtschaftsförderung aus Willingen setzt neben der vorweihnachtlichen Gemütlichkeit zudem auf attraktive Öffnungszeiten und ein besonderes Einkaufserlebnis vor Ort. „Um den Einkauf vor Weihnachten noch attraktiver zu gestalten, setzen wir auf die Kombination Shopping vor Ort gepaart mit Gastronomie und Lagunenbad. So können die Leute einen wunderschönen Tag verbringen und ihre Weihnachtsgeschenke kaufen, sich fachgerecht und individuell beraten lassen sowie das persönliche Ambiente genießen“, erläutert Dieter Pollack das Konzept der Wirtschaftsförderung.

Lichterfest und kostenloses Parken

Genauso kreativ und konzeptionell durchdacht hat sich auch die Stadt Marsberg auf die Weihnachtszeit vorbereitet. „Wir setzen natürlich auf eine heimelige Atmosphäre in der Stadt und auf unsere verkaufsoffenen Sonntage. Unser Lichterfest am letzten Wochenende wurde hervorragend angenommen. Des Weiteren ist uns die Erreichbarkeit der Geschäfte sehr wichtig. Darum gibt es bei uns kostenloses Parken in der ganzen Stadt“, so Michaela Schröder vom Stadtmarketing Marsberg.

Dass sich die intensiven Bemühungen der heimischen Werbegemeinschaften durchaus auszahlen, zeigt eine Umfrage, die wir in der Sauerländer Einkaufswelt gemacht haben. Neben den Vorteilen des Internets schwören viele Kunden weiterhin auch auf das Heimatshopping vor Ort. 

"Ich werde in Zukunft wieder öfter in Meschede einkaufen."

Andrea Dransfeld aus Eversberg etwa verteilt dem Einkaufen in der Kreis- und Hochschulstadt Bestnoten: „Ich freue mich sehr darüber, wie sich Meschede entwickelt hat und werde in Zukunft dort wieder häufiger einkaufen als in Neheim und Dortmund. Die 53-Jährige erklärt: „Ich bin beruflich viel unterwegs. Da läuft mir spontan häufiger etwas Schönes über den Weg, das ich dann kaufe.“ Sie räumt allerdings auch ein, viele Dinge im Internet erworben zu haben, aber nur, weil es die Angebote nicht vor Ort gab. 

"Es ist einfacher, online einzukaufen."

Katrin Röös aus Olsberg ist beruflich mit zwei Jobs zeitlich sehr eingespannt. Sie schwört deshalb auf Online-Shopping. „Meine Zeit ist zu knapp bemessen, um in Geschäften einzukaufen. Außerdem sind die Preise im Internet wesentlich günstiger und die Auswahl ist definitiv größer. Vieles ist zudem vor Ort gar nicht zu bekommen; daher ist es einfacher online einzukaufen“, so die 41-Jährige. 

"Ich shoppe grundsätzlich im Internet"

In den Tenor stimmt auch Michaela Rose aus Ostwig ein. „Ich shoppe grundsätzlich im Internet. Dort gibt es viel bessere Angebote und definitiv mehr Auswahl. Außerdem sind die Preise wesentlich besser als in den örtlichen Geschäften“, verdeutlicht die 40-Jährige die Vorteile des Online-Shoppings. 

"Ich kaufe am Liebsten vor Ort ein - da kann ich mir Sachen in Ruhe anschauen."

Tim Ruhnau aus Bestwig sieht das wiederum deutlich differenzierter. Er nutzt zwar die Vorteile des Internets, schwört aber auf Heimatshopping. „Natürlich vergleiche ich die Sachen vor Ort preislich mit dem Internet. Aber eigentlich kaufe ich immer noch am liebsten in den Geschäften ein. Dort kann ich mir die Sachen in Ruhe genau anschauen, da ich die einzelnen Teile in den Händen halte“, so der 20-Jährige.

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