Weltenbummlerin mit Tiefgang

Elefantenbaden und Haischnorcheln: Studentin der FH Meschede als Reiseleiterin in Thailand

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Das Abenteuer gesucht und sogar „Nemo“ gefunden: Unzählige Eindrücke und jede Menge Lebenserfahrung nahm Johanna Risse aus Thailand mit.

Meschede/Khao Lak - Schnorcheln mit Haien, Baden mit Elefanten oder eine 250-Kilometer-Mountainbiketour auf dem Festland – Johanna Risse hat das erlebt, wovon andere nur träumen. Für drei Monate war die Tourismus-Studentin von der FH in Meschede im Rahmen eines Praktikums als Reiseleiterin in Thailand tätig. Für die 25-Jährige weit mehr als nur ein Abenteuer.

Wenn Johanna Risse an ihre Zeit in Thailand zurückdenkt, dann schweift ihr Blick in die Ferne. Nicht etwa die außergewöhnlichen Erlebnisse oder die paradiesische Umgebung sind es, die sich am meisten in ihre Erinnerung eingebrannt haben, sondern die Menschen und ihre ebenso bescheidene wie entspannte Lebensweise.

„Die Thailänder sind wahnsinnig offen, freundlich und dabei immer respektvoll. Zudem strahlen sie eine so tiefe innere Gelassenheit aus, dass man das Gefühl vermittelt bekommt, dass irgendwie schon immer alles gut wird. Dieser Gedanke in Vertrauen auf Karma und Wiedergeburt ist enorm inspirierend, auch und gerade für das eigene Leben“, erklärt die 25-Jährige mit leuchtenden Augen. Gerade jetzt, wo sie seit knapp einem Monat wieder zurück in Deutschland sei, versuche sie, dieses Lebensgefühl auf ihren Alltag zu übertragen.

Alltag alles andere als "alltäglich"

Einen Alltag, der allerdings von jeher alles andere als „alltäglich“ ist. „Ich bin da vermutlich schon ein wenig ungewöhnlich“, bekennt Johanna Risse und lacht. Die Weltenbummlerin war in ihren jungen Jahren unter anderem schon jeweils für ein halbes Jahr „Work & Travel“-Aufenthalte in Australien und Neuseeland unterwegs und hat ein Auslandssemester in Portugal und diverse Rucksacktouren hinter sich. In Thailand selbst wurde sie dann buchstäblich ins „kalte“ (im Fall von Khao Lak allerdings eher warme) Wasser geschmissen.

Nachdem sie mittels eines Facebook-Aufrufs auf das deutsche Unternehmen „Andaman Snorkel Discovery“ aufmerksam wurde, begann für die 25-Jährige ein Sprung ins Ungewisse. Denn: „Eigentlich hatte ich so richtig gar keine Erwartungen an das Praktikum. Generell bin ich aber durch meine viele Reisen kein Mensch, der sich im Vorfeld groß Sorgen oder Gedanken macht. Ich hatte einfach richtig Lust auf diese Sache und hab alles auf mich zukommen lassen.“

Elefantenbaden und Haischnorcheln

Dass sie aber schon nach relativ kurzer Zeit als alleinige Reiseleiterin Touristengruppen zu mehrtägigen Schnorcheltouren rund um die Inseln Similan und Surin führen würde, damit hätte Johanna Risse selbst bei höchster Erwartungshaltung vermutlich niemals gerechnet. Zumal sie zwar überaus sportaffin ist, mit Tauchen an sich vor ihrem Praktikum allerdings so gut wie keine Berührungspunkte hatte. „Ich habe das mit dem Atmen und dem Druckausgleich gleich am ersten Tag vor Ort mit meinem Chef geübt und dann hat das auch relativ schnell geklappt“, erinnert sich die Ostwestfälin, die zunächst auch noch gemeinsam mit einer weiteren Praktikantin aus dem Harz abwechselnd für Schnorchel- und Landtouren eingeteilt war. Diese Ausflüge aufs Festland umfassen Aktivitäten wie Dschungelwanderungen, Kanufahren oder das bei Touristen besonders beliebte Elefantenbaden.

Echtes Naturerlebnis: Beim Elefantenbaden können die sanftmütigen Dickhäuter aus nächster Nähe bewundert werden.

Für Johanna Risse indes sollten nicht allzu viele dieser eindrucksvollen Erlebnisse dazukommen – zumindest nicht an Land. Denn bereits nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass ihre Mitpraktikantin bei Bootsausflügen stets seekrank wurde, sodass die 25-Jährige fortan dauerhaft die Touren auf dem Wasser übernehmen sollte. Und zwar auf eigene Faust, denn nach anfänglichen Bootstouren unter Anleitung ihres Chefs war die sympathische Blondine für den Rest ihres dreimonatigen Aufenthaltes schon sehr bald als Reiseleiterin alleinverantwortlich für die Boots- und Schnorcheltouren.

Das bedeutete konkret, vier Tage und drei Nächte mit einer bis zu 16-köpfigen Reisegruppe auf einem Katamaran-ähnlichen Schiff inklusive kleinem Beiboot in der Andamanischen See unterwegs zu sein – unterstützt lediglich von einer vierköpfigen thailändischen Crew (neben dem Captain noch ein Ingenieur, eine Köchin und ein Schlauchbootfahrer), die der englischen Sprache kaum mächtig war.

Improvisationstalent gefragt

„Am Anfang war da echt Improvisationstalent gefragt. Aber im Laufe der Zeit haben sie ein paar Brocken Englisch und ich ein paar Brocken Thai gesprochen. Man hat sich schon irgendwie verständigt, notfalls mit Händen und Füßen“, sagt Johanna Risse gestikulierend und schmunzelnd. Generell musste die junge Frau zu Beginn ihrer Tätigkeit einiges an Improvisationstalent mitbringen. „Man ist ja die Ansprechpartnerin für alles und irgendwie eine Mischung aus Reiseführerin, Animateurin und selber Urlauberin. Am Anfang fühlt man sich da schon ein bisschen verloren, aber das legt sich dann auch schnell. Was für die jeweilige Reisegruppe ein besonderes Erlebnis ist, wird irgendwann sogar zur Routine.“

Den Enthusiasmus der Touristen bremsen wollte die 25-Jährige dabei natürlich dennoch keinesfalls. Deshalb stand für sie neben den individuellen Bedürfnissen auch immer das Wohl der Gesamtheit im Vordergrund. „Die Dynamik in der Gruppe macht das Ganze so spannend. Mir war es immer wichtig, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen, sodass jeder sich zugehörig fühlt.“

Vier bis fünf Schnorchelgänge pro Tag

So bunt wie die jeweilige Reisegruppe, die sich aus Menschen aus der ganzen Welt von den USA über Brasilien bis hin zu Dänemark und Deutschland und einer Altersklasse zwischen 25 und 65 Jahren zusammensetzte, so bunt war auch die Unterwasserwelt in der Andamanischen See. Bei vier bis fünf Schnorchelgängen am Tag führte Johanna Risse die Touristen ganz nah an atemberaubende Lebewesen wie Schildkröten, Manta-Rochen, Clownfische oder Korallen heran und ließ sie sogar mit (in der Regel harmlosen) Riffhaien schwimmen – ein unvergleichliches Erlebnis, das allerdings seinen Tribut fordert. „Man opfert sich schon echt auf für den Job. Du hast so gut wie kein Privatleben, bist zudem auf hoher See teils vier Tage ohne Internet von der Außenwelt abgeschnitten. Aber ich mag Herausforderungen.“

Ein Gruß aus dem Paradies: Auch wenn extrem wenig Zeit für das Privatleben blieb, hin und wieder konnte Johanna RIsse (3.v.r.) in Thailand auch ihre Freizeit genießen.

Das zeigt sich auch beim Blick auf ihre aktuellen Projekte. Neben der Bachelorarbeit, die sie im Bereich „Camping“ schreibt und für die sie bald nach Berlin umziehen wird, bereitet sich die begeisterte Hobbysportlerin gerade auf ihren ersten Marathon im April in Paris vor. 

"Mehr machen, nicht so viel überlegen."

Was danach kommt, das will die 25-Jährige in Ruhe auf sich zukommen lassen. „Ich mag dieses Gefühl, nicht zu wissen, wo es hingeht. Was andere verunsichert oder stresst ist für mich ein Stück Freiheit. Das wurde durch mein Praktikum auch nochmal bestärkt.“ Deshalb hat sie für andere Studenten auch einen Tipp parat: „Mehr machen, nicht so viel überlegen. Das klingt so abgedroschen und banal, hat aber eine tiefe Wahrheit“.

Wer noch mehr über Johanna Risse, ihre Aktivitäten und ihr Leben erfahren möchte, der folgt ihr einfach auf Instagram auf ihrem Profil jo.onthegoo

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