Projekt „Zurück in die Zukunft“

Endspurt: Heimvorteil HSK wirbt um rückkehrwillige Sauerländer

+
Projektleiterin Karin Gottfried präsentiert die Heimvorteil2Go Box, ein „echtes Vorzeigeobjekt.“

Hochsauerland. „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ – dieses Motto könnte in Anlehnung an Johann Wolfgang von Goethes Gedicht „Erinnerung“ stellvertretend für das Projekt „Heimvorteil HSK“ stehen, das seit 2015 das Ziel verfolgt, sauerländische Fachkräfte, die die Region für Studium oder Beruf verlassen haben, durch Jobmöglichkeiten und Perspektiven zu einer Rückkehr in die Heimat zu bewegen. In diesem Jahr geht das vom Bund geförderte Programm in den Endspurt.

So ganz würde Projektleiterin Karin Gottfried der Anspielung auf Goethes Gedicht wohl nicht folgen wollen. Schließlich rät die Velmederin sehr wohl zum „in die Ferne schweifen“. Denn: „Heimvorteil HSK ist kein Projekt, dass die Leute zum Bleiben zwingen soll. Im Gegenteil – ich kann nur alle ermutigen: ,Geht raus in die Welt und nutzt die Chance, um euren Horizont zu erweitern. Vergesst dabei aber nicht, was ihr an eurer alten Heimat habt und kommt gerne irgendwann wieder zurück.‘“ 

Eben so, wie es die 37-Jährige selbst getan hat. Aufgewachsen in Bestwig hat es sie zunächst zum Studium der Kommunikationswissenschaft nach Münster verschlagen, bevor sie über die Stationen Hamburg (dort lernte sie ihren heutigen Mann kennen) und Hannover 2016 schließlich wieder mitsamt ihrer vierköpfigen Familie im Sauerland gelandet ist. 

Das alleine ist aber noch nicht der Grund dafür, dass sich die zweifache Mutter selbst augenzwinkernd als „wandelnder PR-Gag“ bezeichnet. Dabei geht es vielmehr um das „Wie“ ihrer Rückkehr ins Sauerland. „Als ich mich nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen hatte, meine Zelte in Hannover abzubrechen, bin ich auf das Projekt Heimvorteil HSK und damit verbunden den personalisierten Steckbrief aufmerksam geworden, den Rückkehr-Willige in Anspruch nehmen können“, berichtet Karin Gottfried. 

"Ich bin ein Produkt vom eigenen Projekt"

Besagter Steckbrief wird von den Projektverantwortlichen an die Südwestfalen Agentur weitergeleitet und von dort sowohl an heimische Unternehmen als auch an die Wirtschaftsförderer im HSK verschickt. So können über die verschiedenen Bewerberprofile unterschiedliche Jobchancen ausgelotet werden. 

Als bekannt wurde, dass die damalige Projektleitung Sandra Schmitt sich neuen Aufgaben widmen wird, wurde bei der Nachfolger-Suche auch auf den Pool aus den vorliegenden Bewerber-Steckbriefen zurückgegriffen. Die Wahl fiel schließlich auf Karin Gottfried. „Ich bin sozusagen ein Produkt vom Projekt, das ich selbst leite“, so die Velmederin schmunzelnd.  

Das Angebot eines personalisierten Steckbriefs vom Projekt Heimvorteil HSK nutzt auch Karin Gottfried.

Seit August 2018 steht sie dem Projekt Heimvorteil HSK nun vor und sieht ihre Aufgabe vor allem darin, die Wahrnehmung des Sauerlands nicht nur als Urlaubs- und Wirtschaftsregion zu stärken, sondern als Lebensmittelpunkt für die ganze Familie zu präsentieren. Denn: „Bei einer Rückkehr geht es nicht nur um die Qualität des Jobs, sondern auch um die Lebensqualität im Umfeld – und zwar für alle Beteiligten.“ 

Dieser Wohlfühlfaktor steht beispielsweise auch im Mittepunkt des Rückkehrer-Stammtischs, den die Verantwortlichen an wechselnden Locations im HSK anbieten, um für heimkehrende Exil-Sauerländer eine Austausch- und Kontaktplattform zu schaffen. Zudem wird für Studenten eine Studi-Tour organisiert, um die neue alte Heimat besser kennenzulernen.

Heimvorteil-Box zum Schloss Bellevue 

Prunkstück des Projektes sind allerdings die sogenannten „Heimvorteil-2Go-Boxen“, die Abiturienten und Schulabgängern im Rahmen ihrer Schulentlassung ausgehändigt werden. Hierbei sorgen Unternehmen aus dem HSK mit 17 kleinen hilfreichen Gimmicks für praktischen Nutzen und schaffen einen Bezug zur Heimat. 

Eines dieser „Vorzeigeobjekte“ wird auch bald im Schloss Bellevue bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ankommen. Hintergrund dafür ist das Ost-West-Tandemprojekt „Hüben wie drüben“, das im vergangenen Jahr zustande gekommen ist und Rückkehrer-Initiativen in einer strukturstarken und in einer strukturschwachen Region zusammenbringen soll. D

er Projektpartner des HSK, die Region rund um Finsterwalde in Brandenburg, wurde jetzt mit ihrer Initiative „Comeback Elbe-Elster“ vom Bundespräsidenten höchstpersönlich ausgezeichnet. Da Steinmeier als gebürtiger Detmolder ein waschechter Westfale ist, durfte natürlich auch ein Gruß des Projektpartners aus seiner Heimat nicht fehlen. Dieser wird nun in Form einer Heimvorteil-2Go-Box auf den Weg nach Berlin gebracht. 

Förderperiode endet: Fortsetzung ungewiss

Doch es gibt nicht nur positive Nachrichten: Da das Projekt Heimvorteil HSK Bestandteil des Programms „Land(auf)Schwung“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ist, läuft die Förderperiode am Ende dieses Jahres aus. Fortsetzung ungewiss. „Wir befinden uns jetzt auf der Zielgeraden und nun geht es darum, das letzte Förderjahr noch einmal sinnvoll zu nutzen und einige Projekte zu verstetigen, sprich für Nachhaltigkeit gegebenenfalls auch ohne Fördermittel zu sorgen“, weiß Karin Gottfried um die anstehende Herausforderung. 

Denn dass die Region auch über 2019 einen echten Heimvorteil bietet, davon ist die 37-Jährige überzeugt: „Das Sauerland wird immer noch unterschätzt. Es bietet unheimlich viele Möglichkeiten, etwas zu gestalten.“ Das Gute liegt also auch hier so nah. Goethe wird es freuen. 

Alle Informationen und Hintergründe zu "Heimvorteil HSK" gibt es auf der Homepage des Projektes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare