"Wir brauchen eine Übergangslösung“ 

Energiekonzern RWE im Fokus: Finanzvorstand äußert sich vor Kreisausschuss

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Einige Vertreter der Fossil-Free-Kampagne der Lokal-Gruppe Hochsauerland trafen sich vor dem Kreishaus um ihren Forderungen für 100 Prozent erneuerbaren Energie Nachdruck zu verleihen: „Die Energiewende ist verschlafen worden und den Beteiligten geht es nur um die Rendite“, erklärte Pressesprecher Jörg Rostek (rechts). 

Meschede/Hochsauerland. Der Energiekonzern RWE erweckt zurzeit bundesweite Aufmerksamkeit, da er im Herbst weite Teile des Hambacher Forstes abholzen will, um weiter Braunkohle abbauen zu können. Die anhaltenden Proteste von Umweltschützern gegen diese Maßnahme belasten seither die Aktie des Konzerns, was wiederum auch den HSK interessieren dürfte, da der Kreis mit 5,8 Millionen Aktien einer der größten kommunalen Anteilseigner ist. Umso mehr wurde mit Spannung der Bericht von RWE Finanzvorstand Dr. Markus Krebber erwartet, der am Mittwoch auf Antrag von Sauerländer Bürgerliste und Linken dem Kreisausschuss über den geplanten Weg der RWE Rede und Antwort stand.

„Die RWE wird ihr Gesicht verändern und den Bereich der erneuerbaren Energie ausbauen,“ betonte der RWE Finanzvorstand. Zudem gab er hinsichtlich der Aktie bekannt, dass die letzte Dividendenauszahlung mit 50 Cent bereits ordentlich gewesen sei, für dieses Jahr zeichne sich sogar eine Auszahlung von 70 Cent ab und für 2019 sei eine weitere Steigerung beabsichtigt.

Antonius Vollmer (Grüne), wollte vom Vorstandsmitglied wissen, wie sich die RWE die Energieversorgung vorstellt – mit erneuerbaren Energien und Gas oder ob weiterhin die „Dreckschleudern“ zur Sicherung der Grundlast benötigt werden. „Wir wollen alle 100 Prozent regenerative Energien, jedoch wird das noch Dekaden dauern. Batterien werden nicht die Speicherlösung sein, wir brauchen in der Zwischenzeit eine Übergangslösung“, führte Dr. Markus Krebber aus und stellte die Problematik mit der Versorgungssicherheit dar, wenn die Energiegewinnung nur auf zwei Säulen stehe. Reinhard Brüggemann (SPD) bestätigt als Experte in der Energieerzeugung, dass ein Verzicht auf Großkraftwerke im Moment nicht möglich sei ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.

„Bei den Waldbesetzern ist vermutlich nichts zu holen“

Reinhard Loos (SBL) zitierte den Direktor des Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Matthias Löb, der die RWE Anteile des Landschaftsverbandes - in ähnlicher Höhe wie die des Hochsauerlandkreises - verkaufen möchte. Weiterhin fragte Loos, wer für die Kosten der Räumungsaktion aus Gründen des „Brandschutzes“ im Hambacher Forst aufkommt. Der Ausschuss-Vorsitzende, Landrat Dr. Karl Schneider, klärte auf, dass innerhalb des Landschaftsverbandes Löbs Aussage kontrovers diskutiert werde und andere Aktionäre wie die Stadt Dortmund den Aussagen des LWL-Chefs massiv widersprächen.

„Der Brandschutz war keine RWE-Entscheidung. Wir können die Kosten bei den Waldbesetzern einklagen, aber da bei denen vermutlich nichts zu holen ist, werden wir auf den Kosten voraussichtlich sitzen bleiben“, antwortete Dr. Markus Krebber. Weiter erklärte das RWE-Vorstandsmitglied, dass ohne eine weitere Abholzung der Abbau innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahren zum Erliegen komme, da 15 Prozent der Braunkohle für NRW aus diesem Abbaugebiet stammen. Krebber betonte aber auch, dass die RWE mehr Wald wieder aufforstet, inzwischen ganze 9000 Hektar.

Nach dem zeitlichen Rahmen für den Bau der Nord-Süd Trasse sowie neuen Gaskraftwerken erkundigte sich Ludwig Schulte (CDU). Krebber antwortete mit eine Gegenfrage: „Zahlreiche Klagen verhindern den Bau der Trasse. Neue Gaskraftwerke benötigen eine Vorlaufzeit von drei bis fünf Jahren, aber es wird keiner neu bauen, da es sich nicht rechnet. Sollte man das nicht lieber in regenerative Energien stecken?“ Die hypothetische Debatte, ob der Kreis seine RWE-Anteile verkaufen kann und in welcher Form das Geld wieder angelegt werden könne, ging Ludwig Schulte deutlich zu weit: „Diese Spekulationen möchte ich mir gar nicht weiter anhören.“

Räumung nach tragischem Unglück bis auf Weiteres ausgesetzt 

Die Mitgliedern der Lokal-Gruppe Hochsauerland der Fossil-Free-Kampagne, die als Zuhörer an der Sitzung teilnahmen, bezogen Stellung vor dem Kreishaus, um mehr Druck zu machen, die Klimaziele einzuhalten und geschützte Landschaften wie den Hambacher Wald zu erhalten. Dr. Markus Krebber fasste die Situation zusammen: „Morgen aus der fossilen Energie auszusteigen wird nicht funktionieren, alles bis 2040 weiterlaufen lassen, auch nicht. Der Kompromiss liegt dazwischen.“

Eingeholt wurde die Debatte indes von der Realität und dem tragischen Unfall eines Journalisten, der bei Fotoaufnahmen im Hambacher Forst tödlich verunglückte. Das Land NRW hat die Räumung bis auf Weiteres ausgesetzt.

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