Ein Mehrwert für die Region

FH Südwestfalen stellt Studie zum Fachkräftepotenzial von Frauen vor

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Einen gemeinsamen Auftrag, von dem letztendlich alle profitieren, leitet Professor Doktor Anne Jacobi (3.v.r.) aus der Marktforschungsstudie für die Region ab.

Meschede/Hochsauerland. Wie kann das Fachkräftepotenzial von Frauen in Südwestfalen besser genutzt werden? Wie groß ist das Potenzial in der Region und wie kann dem bevorstehenden Fachkräftemangel von elf Prozent im hiesigen Raum überhaupt effektiv entgegengewirkt werden? Diese und viele weitere Fragen hat die Fachhochschule Südwestfalen am Standort Meschede jetzt in einer Marktforschungsstudie untersucht.

Im Auftrag der Südwestfalen Agentur GmbH, des Sauerland Initiativ e.V. sowie der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hochsauerlandkreis mbH galt es herauszufinden, welche Bedürfnisse Frauen an einen Wohnort und ihren Lebensmittelpunkt knüpfen, welche Aspekte hinsichtlich Lebensqualität und welche Wünsche an Unternehmen und Arbeitgeber bestehen. 

Unter der Leitung von Professor Doktor Anne Jacobi wurden insgesamt 3.836 Frauen (von 430.000) im Alter von 18 bis 64 Jahren in einer Face-to-Face-Befragung in Südwestfalen interviewt, um den Bedarfen auf den Grund zu gehen. 

Ziel der im Juni 2016 vollzogenen Studie war es, Empfehlungen und Maßnahmen für die Region und die heimischen Arbeitgeber abzuleiten, um dadurch mehr Frauen eine Berufstätigkeit im Rahmen ihrer Qualifikation beziehungsweise eine adäquate Rückkehr zu ermöglichen. „Die Region Südwestfalen bietet nicht nur viel Grünfläche, sondern auch eine starke Wirtschaft. Es ist daher von großer Bedeutung zu ermitteln, welche Ansprüche und Bedürfnisse Frauen an einen Arbeitergeber und an die Region stellen, in der sie leben und arbeiten wollen“, so Professor Doktor Anne Jacobi von der FH Südwestfalen. 

Basierend auf der Studie stand letztendlich die ausreichende medizinische Versorgung an erster Stelle. 95 von 100 befragten Frauen halten die Versorgung für wichtig, jedoch zeigten sich nur 83 Prozent mit der aktuellen Situation zufrieden. 

Sonderurlaub und Kinderbetreuung 

Ähnliches galt auch hinsichtlich der Lebenshaltungskosten, dem Wunsch eine qualifizierte Arbeitsstelle zu finden oder auch dem Bedürfnis nach Sicherheit in der Region. Deutliche Abweichungen gab es ebenfalls bei den Kriterien „Kulturelle Angebote“, dem Angebot an Bars, Cafés und Clubs sowie den Einkaufsmöglichkeiten. Der Aspekt „Wohnortnahe Schule oder Kita“ übertraf hingegen mit einer Zufriedenheit von 86,4 Prozent die Wichtigkeit von 75 Prozent. Im Bereich Unternehmen und Personalpolitik zeigte sich anhand der Studie deutlich, dass 77,9 Prozent mit ihrer derzeitigen Erwerbssituation zufrieden sind, 12,4 Prozent gerne mehr und 9,8 Prozent lieber weniger arbeiten würden. 

Wichtig beziehungsweise sehr wichtig war für die befragten Frauen allerdings die Möglichkeit, Sonderurlaub oder gegebenenfalls Freistellung in Notfällen zu bekommen, Aufstiegsmöglichkeiten und Weiterbildungsangebote zu erhalten sowie die Unterstützung in der Betreuung von Kindern gesichert zu haben. 

„Wer sich ins Aufgabenheft geschrieben hat, Inbegriff für gutes Leben und Arbeiten zu sein, der muss die besonderen Bedürfnisse und Anforderungen von Frauen als potenzielle Arbeitskräfte nicht nur berücksichtigen, sondern auch entsprechende Strukturen entwickeln. Wir haben attraktive Arbeitgeber, gute Karrierechancen und hervorrangende Lebensbedingungen. Wir müssen aber deutlich über die Grenzen der Region hinaus kommunizieren“, so Hubertus Winterberg, Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur. 

Gleich mehrere übergeordnete Handlungsfelder lassen sich schlussendlich aus der Studie ableiten. So gelte es vor allem, die stille Reserve der nicht arbeitenden Frauen von 30 Prozent zu nutzen. Zudem müssen adäquate Jobangebote geschaffen werden, um Frauen das Zurückkehren in die Region zu erleichtern. Die Personalpolitik der Unternehmen solle angepasst, die Kommunikationspolitik besser auf die Zielgruppen fokussiert sowie die Attraktivität der Region gesteigert und verbessert werden. 

„Das ist ein gemeinsamer Auftrag für die Region Südwestfalen, wovon letztendlich alle profitieren“, so das Resümee von Professor Doktor Anne Jacobi.

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