"Small Planet"-Flug von Rhodos nach Paderborn/Lippstadt

Flieger landet mit 53 Stunden Verspätung: Meschederin (28) berichtet von ihren Erlebnissen

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Eine Small Planet-Maschine am Flughafen Paderborn/Lippstadt.

Meschede. 53 Stunden Verspätung - diese schier unglaubliche Zahl stammt von einem Flug der Airline "Small Planet", der ursprünglich am Sonntagabend etwa 180 Urlauber von Rhodos nach Paderborn/Lippstadt bringen sollte. Letztendlich landete die Maschine tatsächlich erst am frühen Mittwochmorgen am Zielflughafen. Sabrina Hanses aus Meschede stand gemeinsam mit ihrem Freund Philipp Schumacher auf der Passagierliste des Pannenfluges - und berichtete dem SauerlandKurier von ihren Erlebnissen.

Eine nach eigenen Angaben "wunderschöne" Woche hatte das Paar im Ort Kolymbia auf der griechischen Ferieninsel verbracht, bevor der Horror begann. "Eigentlich wollten wir noch gar nicht wieder nach Hause", erzählt Sabrina Hanses. Doch auch der schönste Urlaub endet einmal und so ging es per Bustransfer vom Hotel zum Flughafen. 

Dort wartete allerdings die erste böse Überraschung: "Vor unserem Check-In-Schalter hatte sich schon eine lange Schlange gebildet", schildert die 28-Jährige. Ein Blick auf die Anzeigetafel verriet dann auch gleich den Grund: Hinter dem "Small Planet"-Flug nach Paderborn/Lippstadt stand "delayed", der Flieger hatte also Verspätung.

Zwei Stunden lang warteten die Urlauber - ohne jegliche Information von der Airline zu bekommen. "Irgendwann kam dann ein Mitarbeiter und teilte uns mit, dass der Flug gestrichen wurde. Warum hat er uns aber auch nicht verraten", berichtet Sabrina Hanses. Es hieß lediglich, man würde sich um eine Alternative kümmern - entweder eine Ersatzmaschine, die die Urlauber doch noch nach Hause bringt oder eine Übernachtungsmöglichkeit auf der Insel.

"Die Airline hat nichts gemacht"

Weitere zwei Stunden später mussten die Passagiere ihre Hoffnungen auf eine schnelle Heimreise begraben: Man teilte ihnen mit, dass am Sonntagabend kein Flug mehr nach Deutschland gehen würde. Der Reiseveranstalter TUI schaltete sich schließlich ein und organisierte Busse und Ersatzhotels für die etwa 180 Urlauber. "Die Airline hat nichts gemacht. Wäre TUI nicht eingesprungen, hätten wir wahrscheinlich am Flughafen bleiben müssen", mutmaßt Sabrina Hanses.

Am späten Sonntagabend kamen die Meschederin und ihr Freund schließlich in ihrer Ersatzunterkunft an. "Im Hotel bekamen wir dann die Info, dass alle am Montag um 5 Uhr an der Rezeption sein müssen, weil ein Bus uns dann zum Flughafen bringen soll", schildert die 28-Jährige. Um 9.20 Uhr sollte schließlich der neue Flug Richtung Heimat starten.

Einen "wunderschönen" Urlaub verbrachten Sabrina Hanses und Philipp Schumacher auf Rhodos - bis bei der Rückreise das große Chaos ausbrach.

Nach einer sehr kurzen Nacht versammelten sich die Urlauber dann pünktlich an der Rezeption - doch vom versprochenen Bustransfer fehlte jede Spur. Der Grund wurde aber schnell klar, wie Sabrina Hanses erklärt: "Die Rezeptionistin teilte uns mit, dass der Flug wieder gestrichen wurde." Nachdem es zunächst keine weiteren Informationen gab, folgte rund zwei Stunden später der Schock: "Man sagte uns, dass am Montag kein Flug mehr gehen soll und wir erst am Dienstag um 17 Uhr nach Hause fliegen können. Da waren natürlich alle sauer", berichtet die Meschederin.

Auf den Ärger folgte der (Galgen-)Humor: "Ich habe aus Spaß gesagt, dass wir am besten mit einem Boot in die nahegelegene Türkei reisen und von da aus nach Hause fliegen. Das wäre bestimmt einfacher gewesen", scherzt Sabrina Hanses. Das größte Problem war aber: Sowohl sie als auch ihr Freund mussten eigentlich am Montag wieder arbeiten. Die Arbeitgeber der beiden zeigten sich zwar verständnisvoll, doch Philipp Schumacher, der als Produktmanager tätig ist, sollte am Dienstag wieder bei der Arbeit erscheinen. 

"Die Erholung war direkt im Eimer"

Also nahm das junge Paar sein Glück selbst in die Hand: "Wir haben dann einfach alles abtelefoniert - Reiseveranstalter, Reisebüro, Airline. Doch helfen konnte uns niemand so wirklich", erklärt Sabrina Hanses. Die einzige Möglichkeit, schneller nach Hause zu kommen, war eine Umbuchung auf "eigene Faust". Die beiden machten sich schließlich mit dem Taxi auf den Weg zum Flughafen, von wo am Montagmittag tatsächlich noch ein Flug nach Hannover gehen sollte. Und Sabrina Hanses und Philipp Schumacher hatten Glück: Sie konnten tatsächlich umbuchen und checkten ein. 

Aber wer jetzt denkt, die Tortur des jungen Paares endete nun, der täuscht sich gewaltig: "Auch dieser Flug hatte Verspätung. Ursprünglich sollte er um 13 Uhr starten, dann hieß es 17 Uhr, später wurden noch 18.30 und 21 Uhr daraus", schildert Sabrina Hanses. Acht Stunden nach der eigentlichen Startzeit hob der Flieger aber dann doch endlich ab und brachte die Meschederin und ihren Freund wieder nach Deutschland. In Hannover mussten die beiden sich schließlich noch um einen Mietwagen kümmern, sodass sie tief in der Nacht zu Dienstag wieder zu Hause waren - also mehr als 24 Stunden später als geplant. "Da war die Erholung direkt im Eimer", berichtet Sabrina Hanses.

Vorwürfe gegen die Airline

Aber damit traf es die 28-Jährige und ihren Freund ja noch verhältnismäßig gut. Die übrigen Passagiere des ursprünglichen Fluges mussten nochmal mehr als einen Tag warten, bis sie wieder deutschen Boden unter den Füßen hatten, denn die für Dienstagnachmittag angekündigte Maschine hatte erneut mehrere Stunden Verspätung. 

Sabrina Hanses erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Airline: "Ich habe auf der Anzeigetafel am Flughafen darauf geachtet: Alle 'Small Planet'-Flüge hatten Verspätung. Das kann ja nicht daran liegen, dass es an einer Maschine einen Defekt gibt." Denn damit hatte die Fluggesellschaft die erste Streichung des Ursprungsfluges begründet.

"Ich verstehe ja, dass es gerade beim höheren Flugaufkommen in der Ferienzeit zu Verspätungen kommen kann. Aber es kann ja nicht sein, dass jeder Flug einer Airline das Problem hat. Da muss bei 'Small Planet' irgendwas falsch laufen", vermutet Sabrina Hanses. Dazu passt eine Geschichte von Mitreisenden: Dort hatte bereits der Hinflug zwölf Stunden Verspätung - weil ein Crew-Mitglied fehlte.

"Small Planet" kündigt Entschädigungen an

Die Airline gibt sich unterdessen kleinlaut: "Wir können uns nur aufrichtig bei unseren Fluggästen entschuldigen", sagte "Small Planet"-Sprecher Jan Limbach. Er kündigte Entschädigigungszahlungen für die Passagiere an. Vor Ort seien dafür bereits Dokumente für die Passagiere vorbereitet worden, um „zu einer schnellen und unbürokratischen Lösung zu kommen.“

Dass dieses Prozedere tatsächlich schnell und unbürokratisch abläuft, kann Sabrina Hanses sich nicht vorstellen. Dennoch wollen sie und ihr Freund natürlich eine Entschädigung einfordern. Die Meschederin hat sich bereits im Internet schlau gemacht, welche Zahlungen ihnen zustehen: ein Pauschalbetrag, der sich nach der Entfernung des Urlaubsortes richtet, sowie die selbst getragenen Kosten für das Taxi zum Flughafen auf Rhodos und den Mietwagen in Hannover. Ob und wann das junge Paar das Geld erstattet bekommt, ist noch völlig unklar.

Klar ist hingegen eins: "Ich werde nie wieder sagen, dass ich noch nicht nach Hause will", berichtet Sabrina Hanses augenzwinkernd - sie hat ja jetzt erfahren, wozu das führen kann.

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