"Für viele ist es die letzte Chance"

Wollen sich mit dem Hauptschulabschluss eine gute Zukunft ebnen: Einige Teilnehmer des VHS-Vorbereitungslehrgangs in Meschede mit Geschäftsstellenleiter Udo Müller und Lehrgangsleiterin Jutta Heutger-Berost. Foto: Björn Theis

Was sie als Nächstes vorhaben, ist den Teilnehmern des VHS-Vorbereitungslehrgangs auf den Hauptschulabschluss nach Klasse 10A in Meschede bereits klar: Während die einen direkt ins Berufsleben durchstarten wollen, planen die anderen, weiter zur Schule zu gehen und Abitur oder Realschulabschluss zu erwerben. Zunächst müssen aber alle die Abschlussprüfung bestehen, die demnächst ansteht.

"Für viele ist es die letzte Chance", sagt Jutta Heutger-Berost, Lehrgangsleiterin des VHS-Schulungszentrums am Winziger Platz. Und diese Chance wollen sich die Teilnehmer, von denen sich jetzt einige zum Gespräch mit unserer Zeitung getroffen haben, nicht nehmen lassen. Schließlich haben die Frauen und Männer ein Jahr lang darauf hingearbeitet, sind jeden Tag im Unterricht erschienen und haben intensiv "gebüffelt".

Irene Kloster aus Meschede ist eine der Teilnehmerinnen. Der anstehende Prüfungstermin bereitet ihr keine Sorgen: "Ich bin schon fleißig am Lernen. In der Prüfung kommt auch nur das vor, was wir im Unterricht durchgenommen haben. Da habe ich keine Angst." Die 20-Jährige stammt gebürtig aus Russland und muss sich neben der Schule auch noch um ihre kleine Tochter kümmern. "Meine Eltern passen, während ich den Unterricht besuche, auf die Kleine auf. Das ist eine große Hilfe."

"Mobbingsituationen hinter sich"

Mit dem Hauptschulabschluss in der Tasche will die junge Frau das Abitur am Sauerland-Kolleg in Arnsberg machen. Danach schwebt ihr eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten vor. Gerade auf Teilnehmer mit Kindern, wie Beispiel Irene Kloster, wird bei diesem Vorbereitungslehrgang besonders Rücksicht genommen, berichtet Geschäftsstellenleiter Udo Müller: "Der Unterricht beginnt erst um 8.30 Uhr. Mütter und Väter haben dadurch Zeit, ihre Kinder zum Beispiel in den Kindergarten zu bringen."

Mit 21 Jahren ist auch Hasan Yilmaz aus Elsohe bereits Vater. Für ihn hat sich durch das Angebot im VHS-Schulungszentrum in Meschede eine neue Tür in seinem Leben geöffnet. "In der achten Klasse bin ich von der Hauptschule geflogen. Ich hatte keine Motivation und habe auf niemanden gehört", erzählt der Türke von seiner schwierigen Zeit. Wegen seines Verhaltens landete er auf der Sonderschule. Erst durch die eigene Frau und die Geburt des Kindes wurde ihm bewusst, dass er dringend etwas ändern musste und fand einen Ausweg bei der VHS. Nach Bestehen der Prüfung hofft Hasan Yilmaz auf eine Ausbildungsstelle zum Betonteilfertigbauer.

Welche Geschichte die Anwärter auf den Hauptschulabschluss haben, erklärt Jutta Heutger-Berost: "Viele haben Mobbingsituationen hinter sich, die von den Schulen nicht aufgefangen werden konnten. Unsere Lehrer müssen daher ein dementsprechendes Problembewusstsein mitbringen." Mehr als die Hälfte der Teilnehmer sind Migranten. Sprachprobleme stellten bei ihnen eine unüberwindbare Hürde im Schullalltag dar, bis sie mit dem Vorbereitungslehrgang der VHS eine neue Chance ergriffen. Wie etwa Nadine Wolf aus Freienohl.

"Auf meiner damaligen Schule habe ich mich nicht wohlgefühlt, weil ich kein Deutsch konnte. Hier war der Stoff für mich leichter zu schaffen als in einer normalen Schule", erzählt die 23-Jährige. Irene Kloster stimmt ihr zu: "Ich habe mich in meiner früheren Schule als Außenseiter gefühlt, der nur auf der Anwesenheitsliste steht."

Hilfe hört nach der Schule nicht auf

Der Vorbereitungslehrgang der VHS sei da anders, meint die junge Frau. Die Hilfe der Dozenten hört nach der Schule nicht auf. "Soziale Aufgaben übernehmen wir mit", sagt Udo Müller.

Hasan Yilmaz weiß das zu schätzen. "Die Lehrer leben das Leben eines Schülers mit. Wenn ich diesen Halt nicht bekommen hätte, wäre mein Leben wohl in eine andere Richtung gelaufen."

Bei aller Unterstützung durch die Lehrer muss die Leistungsbereitschaft von den Schülern mitgebracht werden. Und hier liegt die Latte genauso hoch wie in einer anderen Schule auch. "Wer den Hauptschulabschluss als Hobby nebenher machen will, hat bei uns keine Chance", macht Jutta Heutger-Berost deutlich. Bevor die Anwärter am Vorbereitungslehrgang teilnehmen können, überprüfen die Dozenten in einem intensiven Vorgespräch, wie es um den Leistungswillen bestellt ist. Nur wer die nötige Motivation mitbringt, ist auch dabei. Die insgesamt 15 Teilnehmer im aktuellen Kurs pauken sich mit diesem Willen zielstrebig durch den Lehrgang. Die Krönung soll am 31. Mai erfolgen. Dann wollen die jungen Frauen und Männer ihre Zeugnisse bei der Abschlussfeier in Empfang nehmen.

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