„Geld pfeift keine Spiele“

Fußballkreis HSK beklagt Schiedsrichtermangel

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Gelbe Karte für die Vereine: In Sachen Schiriausbildung besteht im HSK Nachholbedarf.

Meschede/Hochsauerland. Sie sind oft die Buhmänner und Sündenböcke, können es eigentlich niemandem Recht machen und treten zumeist nur dann positiv in Erscheinung, wenn sie gar nicht erst erwähnt werden; und doch ist ein Fußballspiel ohne sie so gut wie undenkbar – die Rede ist natürlich von den Schiedsrichtern. Im Fußballkreis Hochsauerland gehören die „Herren in Schwarz“ (welches sie nur noch ganz selten tragen) allerdings zu einer aussterbenden Gattung.

„Ganz so dramatisch ist es sicherlich noch nicht, aber der Zustand ist zweifelsohne schlimm und absolut unbefriedigend“, verdeutlicht Stefan Vollmer, seit diesem Jahr Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses (KSA) im Fußballkreis HSK, die akute Problematik.

Momentan stehen für den Ost- und Westkreis 143 aktive Schiedsrichter zur Verfügung, benötigt würden aber (nach der Sollberechnung beruhend auf der Basis der gemeldeten Mannschaften ohne Alte Herren und C-Jugend) etwa 210. Es fehlen also mehr als 60 Referees. „Dadurch bedingt sind wir kaum noch in der Lage, für alle Spiele Schiedsrichter zur Verfügung zu stellen“, so der 50-jährige Oberhenneborner. Bei rund 3300 Partien, die in der erst kürzlich gestarteten Saison 2016/2017 zu leiten sind, würde dies 23 Spiele pro Schiedsrichter im Jahr ausmachen – vom Verband empfohlen sind hingegen nur 15.

Die Ursachen für diesen Schrumpfprozess sind vielfältig: Neben dem demografischen Wandel, der überschaubaren Entlohnung und einer gewissen Undankbarkeit in der Aufgabe ist es auch und insbesondere das schlechte Image, das viele Interessierte davon abhalte, sich als Regelhüter auf dem Spielfeld ausbilden zu lassen, so Vollmer.

Er selbst ist seit über 25 Jahren Schiedsrichter – aus Überzeugung und mit Herzblut, wie er selbst sagt. Dass es gerade den jungen Referees heute allerdings alles andere als leicht gemacht werde, weiß der „alte Hase“ wiederum nur allzu gut. Daran trage auch die Öffentlichkeit ihren Anteil. „Wenn man sieht, wie Spieler und Trainer in der Bundesliga stellenweise den Schiedsrichtern gegenüber auftreten und was die Medien mit ihren Superzeitlupen teils aus Entscheidungen machen, dann ist das sicherlich alles andere als förderlich. Viele Kicker und Trainer in den heimischen Ligen erwarten dann von den Schiris dort auch Bundesligaleistungen, vergessen dabei sehr schnell, dass sie selbst nur in der Kreisliga aktiv sind.“ Die meiste Hektik werde aber grundsätzlich von außen hereingebracht – sei es von Zuschauern, Betreuern oder Übungsleitern. Bereits im Jugendbereich scheine es irgendwie „zum guten Ton“ zu gehören, sich auf den Schiedsrichter und dessen Leistung einzuschießen. Zu gewaltsamen Übergriffen komme es im Hochsauerlandkreis aber so gut wie nie, betont Stefan Vollmer.

„Wir sind auf die Vereine angewiesen“

Er selbst sieht vor allem in der Altersstruktur ein gravierendes Problem. Aktuell sind 20 Schiedsrichter über 60, 26 zwischen 50 und 60, 64 zwischen 20 und 50 und lediglich 33 unter 20 Jahre alt. Zudem hören pro Saison zirka fünf Referees auf, maximal zwei bis drei kommen neu hinzu. Und das, obwohl der KSA zweimal im Jahr einen Schiedsrichteranwärterlehrgang anbietet. Hier werden die Interessierten in 18 Ausbildungsstunden mit den 17 Fußballregeln vertraut gemacht und auf ihren praktischen Einsatz vorbereitet (siehe Info-Kasten). Besteht der Teilnehmer den Lehrgang, erhält er einen Schiedsrichterschein, der ihn unter anderem zum kostenlosen Besuch aller Bundesligaspiele berechtigt. Obwohl gerade dieses Privileg von den jungen Schiedsrichteranwärtern sehr geschätzt werde, sei das keine Garantie für genügend Nachwuchs. „Den letzten Lehrgang mussten wir mangels Teilnehmerzahl leider absagen.

 Aber selbst wenn 15 Interessierte mit der Ausbildung beginnen sollten, halten maximal fünf durch. Einen Zweidrittel-Verlust muss man schon einkalkulieren“, erklärt der KSA-Vorsitzende. Er kritisiert auch das mangelnden Engagement vieler Vereine im Bereich Schiedsrichter. Jeder Club ist verpflichtet, pro am Spielbetrieb teilnehmender Mannschaft der Herren, Frauen, A- und B-Junioren je einen Schiedsrichter (ab Landesliga aufwärts sogar ein Gespann – also drei) zu stellen. Doch viele Vereine können dieser Pflicht bereits jetzt nicht mehr nachkommen – was eine nicht unerhebliche Geldstrafe (Westfalenligen 350, Landes- und Bezirksligen 300 und Kreisligen A, B, C und D 250 Euro) nach sich zieht. 

„Wir sind einfach auf die Vereine angewiesen. Denn Geld pfeift keine Spiele“, appelliert Vollmer eindringlich an mehr Kooperationsbereitschaft. Denn bereits in dieser Saison gebe es untere Spielklassen wie die Kreisliga C, in der für einige Partien von vorneherein kein Schiedsrichter angesetzt werden konnte. Diese Begegnungen müssen dann von einem Betreuer oder einem Verantwortlichen eines der beiden Teams gepfiffen werden. Wenn die Entwicklung so weitergeht, sieht er spätestens für die Saison 2019/2020 sprichwörtlich schwarz: „Spätestens dann werden wir nicht mehr in der Lage sein, den Spielbetrieb in der C-Liga aufrechterhalten zu können.“ 

Damit dieses Schreckensszenario keine Wirklichkeit wird, wirbt der 50-Jährige aktiv für das Schiedsrichterwesen und die entsprechende Ausbildung: „Schiedsrichter sind unverzichtbarer Bestandteil des Sports und ein Garant für sportliche Fairness – deshalb kann niemand ein Fußballspiel ohne Schiedsrichter wollen.“ Und wenn sich ein Team schließlich doch mal verschaukelt fühlen sollte, hat Vollmer auch einen augenzwinkernden Denkansatz parat: „Wir haben keine schlechten Schiedsrichter im Kreis, sondern nur welche, die mal nen schlechten Tag haben.“

Anwärterlehrgang

  • Findet zweimal im Jahr statt
  • Ausbildungszeit beträgt etwa 18 Stunden, die in Lehrgangsabschnitte über mehrere Wochen zusammengefasst ist 
  • Abgeschlossen wird die Prüfung mit einem Theorie- und Praxisteil 
  • Theorieprüfung besteht aus 30 Regelfragen, wovon mindestens 24 richtig beantwortet werden müssen
  • Praxisprüfung umfasst einen 50-, einen 100- und einen 1000-Meter-Lauf 
  • Der nächste Anwärterlehrgang findet am 6. September statt 
  • Infos und Anmeldung bei Stefan Vollmer, 0160/1516862 oder E-Mail vollmer@flvw-hochsauerlandkreis.de sowie bei Eckhard Schulz,  0173/6638946 oder E-Mail eschulz@flvw-hochsauerlandkreis.de 
  • Weitere Infos gibt es im Internet unter http://www.flvw-hochsauerlandkreis.de/web/fussball/schiedsrichter-infos-formulare/

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