„Von Fesseln befreien“

400 Gäste beim Jahresempfang der IHK in Meschede 

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Plädoyer für weniger Bürokratie und Vorschriften (v.l.): IHK-Präsident Ralf Kersting, CDU-Fraktionschef Armin Laschet und IHK-Hauptgeschäftsführerin Ilona Lange. 

Meschede/Hochsauerland. „Die NRW-Wirtschaftsregion ist ein Riese, der es bisher nicht geschafft hat, sich von seinen Fesseln zu befreien.“ Das sagte IHK-Präsident Ralf Kersting am Freitag auf dem Jahresempfang der IHK Hellweg/Sauerland in der FH Meschede. Vor 400 Gästen warb Kersting zudem für einen Maßnahmenkatalog zur Stärkung des NRW-Standorts und für mehr Vertrauen in die Wirtschaft.

Die selbstgeschnürten Fesseln dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, meinte Kersting. Die 1:1-Umsetzung aller EU- und Bundesvorschriften reiche, das Land setze aber durch gutgemeinte eigene Regelungen und Vorschriften „noch einen oben drauf“. Die Summe aller Vorschriften und Gesetze fessele NRW und halte es davon ab, sich endlich zu erheben. Das gelte auch für die „immer strengeren Anforderungen“ für die verkaufsoffenen Sonntage im Einzelhandel. „Die innerstädtischen Händler fürchten um ihren einzigen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Online-Handel, nämlich das reale Einkaufserlebnis auch an Sonntagen.“ Der klassische Einzelhandel brauche eine faire Chance durch eine Neuregelung. „An Sonntagen erwirtschaften die Onlinehändler ihren größten Umsatz“, sagte Kersting.

Große Sorgen machte sich der IHK-Chef um die Zukunft der dualen Ausbildung. „Im Jahr 2025 fehlen NRW 430.000 Fachkräfte, davon 30.000 Akademiker. Derzeit studieren aber 755.000 junge Menschen an Universitäten und Fachhochschulen. Passgenaue Schul- und Bildungspolitik sieht anders aus.“

Festredner war der CDU-Fraktionsvorsitzende im Düsseldorfer Landtag, Armin Laschet. Er sprach anlässlich des 165-jährigen Jubiläums der IHK und plädierte für eine „gemeinsame, auch über die Parteigrenzen hinausgehende Kraftanstrengung“, um NRW wieder nach vorn zu bringen. Die entscheidenden Hebel seien der Bürokratieabbau und massive Investitionen in die Infrastruktur, auch in die Digitalisierung. Um mehr Arbeitsplätze zu schaffen, seien ausreichend Industrie- und Gewerbeflächen nötig. „Wer sich für Arbeitsplätze einsetzt, ist genauso wertvoll, wie derjenige, der sich für Umweltschutz engagiert“, sagte der CDU-Politiker.

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