Reformator und Mensch

Großer Festakt zu Ehren Martin Luthers in Meschede

Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert betonte in seiner Festrede Luthers herausragende Bedeutung für die Geschichte. Foto: cm
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Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert betonte in seiner Festrede Luthers herausragende Bedeutung für die Geschichte.

Meschede. In feierlichem Rahmen begingen die Evangelischen Kirchenkreise Arnsberg und Soest am Samstag gemeinsam den Festakt zum Reformationsjubiläum. Im gut besuchten Kirchenzentrum in Meschede trafen sich die Vertreter beider Kirchenkreise um mit ganz viel Musik, ein bisschen Politik und Philosophie dem Mönch und Theologieprofessor Martin Luther zu Gedenken, der vor nunmehr fast 500 Jahren die Kirchenspaltung herbeiführte

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Luther hatte am 31. Oktober 1517 die 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen und damit ein nachhaltiges Echo ausgelöst und zur Bildung der evangelischen Kirche beigetragen. In seinem Vortrag „Unser Luther? Bedeutung und Bild des Reformators im säkularen Geschichtsbewusstsein“ veranschaulichte der evangelische Theologe und Professor Albrecht Beutel von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster das Lutherbild vergangener Jahrhunderte und seine bleibende Bedeutung für die heutige Generation.

„Die drei Luther-Bilder enthalten Wahrheitsmomente. Luther war aber kein revolutionärer Freiheitskämpfer. Würde er heute wiederkehren, würde er lehren und leben wie wir. Er beherrschte das Instrument der menschlichen Rede wie kein anderer. Wir wissen nicht wie die Welt aussehen würde, wenn es Luther nicht gegeben hätte“, so der Kirchenhistoriker Beutel.

„Luther würde die heutige Welt mit Entsetzen betrachten“

Bundestagspräsident Professor Dr. Norbert Lammert wies in seinem Festvortrag „Reformation und Politik – Religion als persönliche und öffentliche Angelegenheit“ daraufhin, dass sich die Kirche in der damaligen Zeit in einem desolaten Zustand befunden hat.

„Martin Luther hat die Reformation nicht erfunden, ohne ihn hätte sie aber nicht stattgefunden. Er forderte eine Reformierung der Kirchen. Wären der Papst und die Kirche darauf eingegangen, wäre es zur Spaltung erst gar nicht gekommen. Luther bezeichnete den Papst als Antichrist, worauf er aus der Kirche ausgeschlossen wurde. Die Reformation hat religiöse als auch politische Gründe und lag nicht in Luthers Absicht. Martin Luther würde die heutige Welt mit Entsetzen betrachten“, so der Bundestagspräsident.

Im Anschluss an den Festvortrag stand noch einmal das „Luther-Projekt“ im Mittelpunkt. Das musikalische Schauspiel hat bereits Ende Oktober vergangenen Jahres in der Soester Wiesenkirche eine glanzvolle Premiere erlebt. Über hundert Mitwirkende – Chöre, Schauspieler und Musiker – aus den beiden Kirchenkreisen inszenieren unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Gerd Weimar eindrucksvoll das Leben von Martin Luther und sorgten dabei auch in Meschede für einen gelungen Ausflug in ein Stück Kirchengeschichte.

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