"Wir müssen etwas bewegen"

Handwerker machen ihrem Unmut über Bürokratie Luft

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Rund 90 interessierte Handwerker waren zur Informationsveranstaltung in Meschede gekommen.

Meschede/Hochsauerland. Wut, Aggressionen und jede Menge Unmut machten sich am Montagabend in den Räumen der Kreishandwerkerschaft Hochsauerland in Meschede-Enste breit. Denn das Maß ist voll für Gerhard Frankenstein, Frank Lefarth (beide Medelon), Maik Stöber (Elpe), Markus Biene und Hermann-Josef Kiemen (beide Siedlinghausen). Die fünf Handwerksmeister aus dem Sauerland hatten mobil gemacht, um sich gegen die zunehmende Bürokratie zur Wehr zu setzen. Und dieser Aufforderung waren fast 90 Handwerker aus der gesamten Region gefolgt, um gegen zu viele Vorschriften, Verordnungen, Analysen, Belehrungen, Statistiken, Dokumentationen sowie jetzt das neue EU-Datenschutzgesetz anzugehen.

„Wie lange wollen wir das noch hinnehmen und abnicken? Unser Gedanke war: Wir müssen was bewegen. Daraufhin haben wir eine WhatsApp-Gruppe mit 178 Betrieben gegründet und auf dem Facebook Account meiner Firmenseite einen Text hochgeladen. Innerhalb von vier Tagen hatten wir 9600 Klicks", berichtete Elektromeister Frank Lefarth. "Nach einem Bericht über unseren Unmut kamen deutschlandweite Anrufe. Alle wollen Tipps haben, denn jeder Handwerker, jede Tankstelle, jeder Verein regt sich über die Bürokratie auf. Die Politiker haben einfach keinen Zugang zur Basis. Wir haben Briefe mit unseren Problemen an alle Bundestagsabgeordneten geschrieben, denn wir fühlen uns nicht verstanden“, machte der Medeloner deutlich. 

Gewünscht war auf der ersten Informationsveranstaltung eine sachliche, konstruktive Diskussion mit Zielsetzungen sowie Verbesserungs- und Aktionsvorschlägen. Heraus kamen die unterschiedlichsten Aussagen beziehungswiese Vorwürfe gegen Politik, Kreishandwerkerschaft und Verbände. Vorschläge wie kleine Demonstrationen vor dem Finanzamt mit Galgenstrick und Plakaten, Bündelungen der Betriebe, um auf sich aufmerksam zu machen, oder auch Unterschriftenlisten waren genauso Teil der Veranstaltung wie der Einwand von Fabian Bräutigam, Geschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen, mit kleinen Maßnahmen im Bezug auf die Datenschutzverordnung gut aufgestellt zu sein. „Wenn wir unsere Informationspflicht erfüllen und die Datenschutzerklärung auf der Homepage haben, sind wir gut aufgestellt, falls ein Datenschutzbeauftragter vorbeikommt und prüft“, erklärte Bräutigam. 

"Wir sind weit von einem Rechtsstaat entfernt"

Große Kritik kam diesbezüglich von Jürgen Schmitz aus Brilon: „Wir müssen denen eins vors Maul hauen. Die Politik redet sich raus. Wir sind weit von einem Rechtsstaat entfernt, da war die DDR eher einer. Die Ausplünderung der Unternehmen steht bei uns im Vordergrund. Wenn etwas falsch ist, muss es nachgewiesen werden und nicht umgekehrt. Wir fordern die Wiederherstellung der Grundrechte. Ein Fehler kann uns in den Ruin führen. Die Politiker wissen überhaupt nicht, wie das Leben noch funktioniert.“ 

Selbst Angriffe gegen Fabian Bräutigam sowie Ingomar Schennen von der Kreishandwerkerschaft Hochsauerland wurden laut: „Sie müssen die Gesetze kennen, sonst sind Sie fehl am Platze. Die Handwerkskammer will nur die Beiträge haben. Spielt man nicht mit, wird man sofort in die rechte Ecke gedrängt.“ 

Nach mehrmaliger Aufforderung zur Ruhe, Akzeptanz und Legalität von Seiten der Handwerksmeister Frank Lefarth und Gerhard Frankenstein verebbten die Wellen der Wut und konstruktive Vorschläge wurden laut. „Gegenseitige Beschimpfungen und Verschwörungstheorien machen keinen Sinn. Wir von der Kreishandwerkerschaft vertreten die Interessen vor Ort. Wir wollen Ihnen helfen, alles umzusetzen, damit die Betriebe rechtssicher aufgestellt sind. Widerstand hilft nicht weiter. Auf der gemeinsamen Veranstaltung mit den Bundestags- und dem Europaabgeordneten können alle Probleme kundgetan werden“, so Ingomar Schennen. 

Plakat-Aktionen und Streiks sind angedacht

Die teilnehmenden Handwerker einigten sich schließlich auf einen Fragenkatalog an die Politiker, Plakat-Aktionen, Multiplikatoren, einen Flashmob, gesammelte Fakten für die breite Öffentlichkeit, Umschichtung von Büromaterial sowie Streiks, ebenso wie auf die Forderung, dass die Kreishandwerkerschaft mit ins Boot muss. 

Es sollen nun Arbeitsgruppen gegründet werden, darüber hinaus sollen die Ergebnisse auf der Delegiertenversammlung der Kreishandwerkerschaft am Mittwoch eingebracht werden. Denn in den Augen der Teilnehmer sei die Handwerkskammer in der Pflicht, etwas zu tun. „Nach Wut kam doch noch eine Lösung heraus. In den Arbeitsgruppen müssen neue Ideen entwickelt werden. Jeder muss sich jetzt zu Hause Gedanken machen. Wir müssen im Gespräch bleiben und den Schulterschluss pflegen“, so Elektromeister Frank Lefarth.

Das nächste Treffen der Handwerker ist in vier bis fünf Wochen angedacht. Die Ergebnisse aus der Delegiertenversammlung sollen allen mitgeteilt werden.

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