Nach rundem Tisch 

Handwerker verzeichnen nach Protest erste politische Erfolge

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Meinolf Niemand, Matthias Kerkhoff, Ingomar Schennen, Frank Lefarth, Hans-Josef Berkenkopf, Gerhard Frankenstein, Peter Liese, Patrick Sensburg und Fabian Bräutigam trafen sich in der Handwerkskammer zu einem Gespräch. 

Hochsauerland. Politik und Handwerk trafen sich jetzt am runden Tisch zum Gespräch über den Bürokratieabbau. Elektroinstallateurmeister Frank Lefarth und Bäckermeister Gerhard Frankenstein, beide aus Medebach-Medelon, machten ihrem Ärger Luft über die Bürokratie, mit der das Handwerk sich tagtäglich auseinandersetzen muss. Sie gründeten vor einigen Wochen eine WhatsApp-Gruppe, nahmen Kontakt zur Handwerkskammer Südwestfalen auf sowie zur Kreishandwerkerschaft Hochsauerland und sie schrieben Briefe an die heimischen Abgeordneten.

Bestätigung finden sie durch Resonanz von anderen Betrieben, die Presseberichte in den Zeitungen (auch der SauerlandKurier berichtete bereits ausführlich) sowie durch Beiträge im Hörfunk und Fernsehen und Unterstützung durch die Handwerksorganisation. Nun nutzte die Handwerkskammer Südwestfalen ihre guten Kontakte in die Politik hinein und lud Handwerk und Politik zu einem ersten Gespräch am runden Tisch in ihr Verwaltungsgebäude am Arnsberger Brückenplatz ein. Thema: Bürokratielasten und was dagegen getan werden kann.

Aus den Parlamenten waren die CDU-Abgeordneten Dr. Peter Liese aus dem Europaparlament, Prof. Dr. Patrick Sensburg aus dem Deutschen Bundestag und Matthias Kerkhoff aus dem Düsseldorfer Landtag dabei, vonseiten der KH-Hochsauerland Kreishandwerksmeister Hans-Josef Berkenkopf und Geschäftsführer Ingomar Schennen. Als Gastgeber begrüßte Kammerhauptgeschäftsführer Meinolf Niemand zusammen mit Geschäftsführer Fabian Bräutigam die Politiker sowie die Initiatoren Frank Lefarth und Gerhard Frankenstein.

Keine Tachographenpflicht für Handwerker

Wie die Handwerkskammer mitteilt, forderten die Abgeordneten im Lauf des sehr an der Sache orientierten Gesprächs nachdrücklich, mit belastbaren Beispielen aus dem betrieblichen Alltag versorgt zu werden.

Man wolle diese dann strukturieren und in der politischen Arbeit bei der Argumentation nutzen. Ausdrücklich lobten alle drei die hoch angesehenen Handwerksspitzenorganisationen Westdeutscher Handwerkstag und WHKT für Nordrhein-Westfalen und den Zentralverband des Deutschen Handwerks auf der Bundes- und Europaebene.

„Ich freue mich“, sagte Hauptgeschäftsführer Meinolf Niemand im Anschluss an den Gedankenaustausch am runden Tisch, „dass die Betriebe als Basis im Handwerk bei der Politik nun mehr Gehör finden. Das unterstützt die bereits sehr effiziente Lobbyarbeit der Spitzenorganisationen des Handwerks.“

Der runde Tisch brachte auch schon erste positive Ergebnisse: Peter Liese brachte das Anliegen der Handwerker, die Tachographenpflicht, die bisher nur für Lkw über 3,5 Tonnen gilt, auf kleine Fahrzeuge und damit auch auf das Handwerk auszuweiten, gegenüber seinen zuständigen Kollegen im Verkehrsausschuss vor und reichte mit diesen einen Antrag ein, der das Problem aufgreift. Gemeinsam hatten die heimischen Handwerker und der heimische Europaabgeordnete Erfolg. Das Europäische Parlament hat beschlossen, dass Handwerker, die Material und Geräte zur Baustelle transportieren, von der Tachographenpflicht ebenso ausgenommen werden wie Handwerker, die Produkte zum Kunden transportieren, zum Beispiel Bäcker.

Podiumsdiskussion am Dienstag in Meschede

Wenn der Beschluss des Europäischen Parlamentes im weiteren Verfahren Bestand hat, gibt es sogar gegenüber der jetzigen Rechtslage Erleichterungen. „Man darf einen Handwerker, dessen Tätigkeit nicht hauptsächlich im Lkw-Fahren besteht, nicht mit einem Berufskraftfahrer gleichsetzen. Die Tachographenpflicht für Handwerker wäre übertriebene Bürokratie gewesen. Deswegen bin ich froh, dass es uns gemeinsam gelungen ist, die Pläne abzuwenden. Das Beispiel zeigt, dass sich gezieltes Engagement lohnt“, so Peter Liese. Bäckermeister Gerhard Frankenstein und Elektrotechnikmeister Frank Lefarth bestätigen dies: „Diese Aktion ist ein Beispiel dafür, dass es sich durchaus lohnt, aktiv zu werden und gemeinsam mit den Politikern an einer Lösung zu arbeiten. Immer nur alles kritisieren und infrage stellen bringt uns nicht weiter. Nur gemeinsam können wir was erreichen.“

Die Handwerkskammer Südwestfalen und die Kreishandwerkerschaft Hochsauerland planen nun gemeinsam eine Podiumsdiskussion mit einigen heimischen Politikern aus dem Land- und Bundestag sowie aus dem Europaparlament am kommenden Dienstag,  17. Juli, um 18.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Kreishauses in Meschede. Zentrales Thema selbstverständlich: Bürokratieabbau im Handwerk.

Info: Zur Teilnahme an der Veranstaltung ist eine verbindliche Anmeldung bei der Kreishandwerkerschaft Hochsauerland unbedingt erforderlich. Die von Frank Lefarth und Gerhard Frankenstein initiierte Initiative informiert auf ihrer Internetseite www.handwerkmachtmobil.de auch über diese Veranstaltung.

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