Hilfe aus dem Alltagstrott

Die Stellenleiterin Marianne Speicher und der ehemalige Gemeindereferent Roland Thiele beraten Paare in der Krise.

Viele Beziehungen, Partnerschaften und Ehen leiden nach einigen glücklichen Jahren am Alltagsleben. Das Paar muss sich eingestehen, dass die alltäglichen Aufgaben nicht oder nur schlecht gemacht wurden, oder eine dritte Person kommt ins Spiel.

Solche Situationen können eine Ehe oder Partnerschaft ernstlich bedrohen. Um Ehe- oder Lebenspartnern eine Chance für einen Ausweg aus einer solchen Krise zu geben, gibt es in Meschede bereits seit 1971 die "Katholische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen".

Seit dem ersten Dezember ist der ehemalige Gemeindereferent Roland Thiele in der Beratungsstelle in der Friedensstraße 1 angestellt. Die Einrichtung ist allerdings nicht konfessionsgebunden, auch Menschen anderer Religionen und Atheisten können sich hier professionelle Hilfe holen. Insgesamt besteht das Team, das neben der Hauptstelle in Meschede auch noch die Filialen in Brilon, Arnsberg und Korbach betreut, aus acht Beratern, die immer ein offenes Ohr für die Probleme der Menschen haben. Sei es in Einzelgesprächen, Paargesprächen oder in einer Gruppe betroffener. Roland Thiele erhofft sich für seine neue Stelle, dass er die kirchliche Gemeindearbeit, in der er bisher tätig war, mit seinem neuen Aufgabenbereich vernetzen kann. "Zum einen ist es gut, dass hier jemand vor Ort ist, der manchen Klienten schon bekannt ist, zum anderen finde ich es wichtig, dass diese Person ein Mann ist", sagt der Familienberater. Der Anteil der männlichen Klienten, die um Hilfe bitten, liegt bei etwa 30 Prozent. "Hauptsächlich sind es Frauen, die um ein Erstgespräch bei uns bitten, weil sie ihre Beziehung zum Partner schwinden sehen."

Anzahl an Beratungen wächst

Aber auch die reine Anzahl an Klienten wächst seit der Errichtung der Beratungsstelle vor gut 40 Jahren stetig. Waren es im ersten Jahr gerade einmal 41 Menschen, die Hilfe suchten, so kamen 2011 bereits 663 Klienten in die Beratungsstunden. Dies hat sicherlich auch mit der Emanzipation der Frauen zu tun. "Wenn man überlegt, dass eine Frau in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Mann noch fragen musste, ob sie arbeiten gehen darf, kann man sich vorstellen, dass die Frauen zu Hause unter enormem Druck standen, aber niemals zu uns gekommen wären. Ebenso wären die Männer ja keine Männer gewesen, hätten sie eine Partnerberatung gebraucht", schildert die Stellenleiterin Marianne Speicher die Situation der Anfangsjahre. Heute hat sich in der Wahrnehmung solcher Angebote viel geändert. Intensive Gespräche haben schon viele Ehen vor dem Scheitern gerettet. Außerdem trauen sich mittlerweile auch gleichgeschlechtliche Lebenspartner, eine Krise dank professioneller Beratung zu meistern.

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