Appell an die Menschlichkeit

Coronavirus: Hilfeverein "Esperanza" ruft zu Solidarität mit Guatemala auf

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Existenzielle Hilfe: Der Verein Esperanza lässt über die Dorfkomittees Nahrungs- und Hygienemittel verteilen, um die bedürftige Menschen in den Dörfern Guatemalas mit dem Notwendigsten zu versorgen.

Bestwig/Meschede – Weiße Fahnen als Zeichen der Kapitulation wie zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland sieht man derzeit überall in Guatemala aus den Fenster hängen – ein Symbol der Verzweiflung und Ohnmacht. Denn arme Länder sind von Covid-19 besonders hart getroffen. Die Vorsitzenden des Hilfevereins Esperanza Timo Peters und der Europaparlamentarier Dr. Peter Liese wenden sich nun in einem dringlichen Appell an die Öffentlichkeit, Solidarität mit der Bevölkerung Guatemalas zu zeigen.

„Seit mehr als 25 Jahren unterstützt der eingetragene Verein Esperanza aus Bestwig Schulbauprojekte im Hochland von Guatemala. Wir arbeiten dabei intensiv mit den Vereinen OYAK e.V. aus dem Siegerland und dem Freundeskreis Guatemala e.V. aus dem Münsterland zusammen. Allein für Esperanza haben viele Menschen aus ganz Südwestfalen bereits mehr als 1,2 Millionen Euro an Spenden gegeben. Damit konnten über 50 Schulen gebaut werden“, berichtet der Erste Vorsitzende Timo Peters. „Die ganze Welt kämpft zurzeit mit den Folgen des Coronavirus. Besonders Entwicklungsländer sind dabei doppelt gebeutelt: Neben der Bedrohung durch das Virus für Menschen, die eine extrem schlechte Gesundheitsversorgung haben, führen Ausgangssperren, schlechte Staatsführung und Diskriminierung dazu, dass die indigene Bevölkerung vor Ort doppelt leiden muss“ beschrieb Peters die Lage. 

Projektpartner Estuardo Palacios berichtete in der Videokonferenz direkt aus seiner Stadt Sololá. Die Stadt und das gleichnamige Departement seien eine der größten Regionen Guatemalas mit einer indigenen Bevölkerung. Etwa 90 Prozent der rund 60.000 Einwohner von Sololá gehören den Quiché und Cakquiquel an. Neben der Landwirtschaft und dem Handel spielt der Tourismus wirtschaftlich eine große Rolle. „Wir können nicht arbeiten, Baustellen ruhen, Bauern dürfen nicht auf ihre Felder, Einnahmen aus dem Tourismus entfallen, es herrschen Ausgangssperren und die Märkte öffnen nur für wenige Stunden. Das öffentliche Transportwesen ist stark eingeschränkt. Die Versorgung mit dem Nötigsten ist also sehr schwierig. Das Problem ist, dass Guatemalas Ökonomie bereits vor der Pandemie geschwächt war“, schildert Palacios die aktuelle Lage.

"Es fehlt so viel"

Die Regierung habe zwar versprochen, die Familien zu unterstützen, aber die Hilfen erreichten nur einen Bruchteil der Bevölkerung. Überall gingen inzwischen Menschen auf die Straße, viele mit weißen Tüchern, um auf ihre Misere aufmerksam zu machen, wie Verlust der Ernte, der Arbeit und den drohenden Hunger. „Sie haben wortwörtlich nichts zu essen“, so Palacios. Auch die Mediziner gingen auf die Straße, um auf Mängel hinzuweisen. In jeder der vier Regionen Guatemalas sei nur jeweils ein Krankenhaus als Corona-Zentrum eingerichtet worden. Von Sololá aus ist das nächste Hospital 100 Kilometer entfernt. In den Dörfern sei die Nachbarschaftshilfe ausgeprägter als in den Städten. Sich gegenseitig zu unterstützen sei aber schwierig wenn alle Mangel litten. „Es fehlt so viel“, so Palacios.

Daher hat Esperanza zusammen mit den anderen Vereinen entschieden, ein drei Maßnahmen umfassendes Nothilfepaket zu schnüren: „Erstens unterstützen wir das Nähen von Schutzmasken durch Näherinnen vor Ort. Zweitens führen wir für unsere Projektpartner und die Bauarbeiter, welche ja zurzeit nicht für uns arbeiten können, ein Kurzarbeitergeld ein und drittens versorgen wir bedürftige Menschen in den Dörfern mit Nahrungs- und Hygienemitteln, welche über die Dorfkomitees verteilt werden“, so Peters. So wisse man, dass die Hilfe zielgenau ankomme. „Wir achten darauf, dass das Dorfkomitee alles selber organisiert vom Einkaufen über Transport bis hin zur Verteilung und alles entsprechend dokumentiert“, versicherte Peters.

Die ersten beiden Dörfer seien schon mit 700 Euro unterstützt worden. „Um unsere Hilfe fortzusetzen, brauchen wir dringend Spenden und rufen besonders Menschen aus den Regionen unserer Vereine, dem Hochsauerland, Siegerland und dem Münsterland, um Unterstützung auf“, erklärte Peters. Angepeilt sei ein Spendenvolumen von rund 20.000 Euro. 

Aufruf zu Spenden

„Die Menschen bangen auch hier bei uns um ihre Zukunft,“ räumte der Zweite Vorsitzende von Esperanza, Dr. Peter Liese ein, „aber wie mein Medizinerkollege Dr. Eckart von Hirschhausen sagte: ‚Wenn man die Krankheit hat, dann möchte man sie in Deutschland haben‘, einfach weil hier diese schlimme Krankheit besser abzufedern ist“, so der Europaabgeordnete. „Wer sie unterschätzt, soll mal in andere Länder schauen, wie England oder Brasilien“, verwahrte Liese sich gegen alle, die Corona verharmlosen. „Menschen, die auf engem Raum zusammenleben trifft es ganz besonders schlimm“, so Liese. Er habe in den 90ern als Medizinstudent in Guatemala erlebt, dass am Allernötigsten fehlt. Diese Erfahrungen führten kurz darauf zur Gründung von Esperanza. Besonders erschüttern ihn dieser Tage die Bilder von weißen Flaggen, die allerorten aus dem Fenstern hängen und ein „schreckliches Bild des Ergebens“ zeichneten.

„Bei allen Problemen, die wir in Deutschland haben, sollten wir nicht die Menschen vergessen, denen es noch schlechter geht. Ich möchte, dass wir solidarisch sind und bitte darum, zu spenden“, so sein eindringlicher Appell. Zum Glück, gebe es hier viele, die weiter arbeiten können - und da Urlaube und andere Freizeitbetätigungen wegfielen, könne man vielleicht einen Teil des eingesparten Geldes spenden, so seine Hoffnung.

Spenden:
Sparkasse Hochsauerland, IBAN: DE12 4165 1770 0000 0039 39 BIC: WELADED1HSL

Infos im Netz:
www.esperanza.de; www.oyak.de; www.freundeskreis-guatemala.org/

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