Flaschenbier gleicht Verlust aus

Historischer Ausfall im Fassbiergeschäft: Brauerei C. & A. Veltins zieht Bilanz

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Der Zuwachs beim Flaschenbier konnte den Fassbierverlust der Brauerei C. & A. Veltins abfedern.

Die Brauerei C. & A. Veltins aus Meschede-Grevenstein hat nach einem historischen Geschäftsjahr Bilanz gezogen.

Grevenstein/Hochsauerland – Auf der Online-Pressekonferenz teilte Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Veltins Brauerei, mit, dass mit einem rasanten Zuwachs an Flaschenbier (+7,3 Prozent) der historische Ausfall im Fassbiergeschäft abgefedert werden konnte.

Insgesamt verbucht das Traditionsunternehmen einen Gesamtausstoß von 2,94 Millionen Hektoliter (-3,5 Prozent) und einen Umsatz von 342 Millionen Euro (-4,7 Prozent).

„Kontinuität zu bewahren ist wichtig. Die Pandemie hat die Verbraucher verunsichert und über Nacht das Geschäft abgewürgt. Das vergangene Jahr entspricht einer erdbebengleichen Erschütterung. Trotz der Biermarkt-Turbulenzen agieren wir in einem ruhigen Fahrwasser und sehen in naher Zukunft wägbare Marktrisiken“, so Huber.

Das Fassbiergeschäft ist zweimal zum Erliegen gekommen. Der Pro-Kopf-Verbrauch ging auf 95 Liter zurück. Es gab keine Bierabsätze bei Fußballspielen, auf Schützenfesten und Events. Spätestens 2022 kommt aber die Erholung.

Michael Huber

Die Gastronomie sei zwar krisengebeutelt, signalisiere aber Durchhaltevermögen und einen engagierten Aufbruchswillen. Bereits im Sommer könne man eine umsatzstarke Freiluftsaison erwarten. „Das Fassbiergeschäft ist zweimal zum Erliegen gekommen. Der Pro-Kopf-Verbrauch ging auf 95 Liter zurück. Es gab keine Bierabsätze bei Fußballspielen, auf Schützenfesten und Events. Spätestens 2022 kommt aber die Erholung“, ergänzte der Generalbevollmächtigte von Veltins.

In der Brauwirtschaft sei, so Huber, Zuversicht gefragt. Die Brauerei C. & A. Veltins kündigte darum an, über ein Dutzend Mitarbeiter neu einzustellen und ihr millionenschweres Investitionsprogramm unverdrossen fortzusetzen.

Mit 2,94 Millionen Hektoliter konnte sich die Privatbrauerei deutlich über dem Wettbewerbsniveau schlagen. Jedoch werde der gesamte Biermarkt laut Prognose im Jahr 2020 um 5,5 Millionen Hektoliter (-6 Prozent) schrumpfen. Deutschlands Gastronomie gehe durch den Minderverkauf von Fassbier ein Gesamtumsatz von rund 5,4 Milliarden Euro verloren.

2020 war ein Ausnahmejahr mit großen Hürden. Die Pandemie hat ein riesengroßes Loch in den Biermarkt gerissen. Der deutsche Biermarkt hat soviel verloren, wie in den letzten zehn Jahren zusammen.

Dr. Volker Kuhl

„2020 war ein Ausnahmejahr mit großen Hürden. Die Pandemie hat ein riesengroßes Loch in den Biermarkt gerissen. Der deutsche Biermarkt hat soviel verloren, wie in den letzten zehn Jahren zusammen“, so Dr. Volker Kuhl, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb.

Während der Flaschenbierausstoß in der Brauere C. & A. Veltins im zurückliegenden Geschäftsjahr um 7,3 Prozent zulegte, musste das gastronomieorientierte Fassbiergeschäft einen historischen Absatzeinbruch von 56,3 Prozent verbuchen. Die Verbraucher 2020 reagierten auf den flächendeckenden Ausfall von Ausgehgelegenheiten und sorgten für eine sprunghafte Verschiebung in der Gebindenachfrage. Eine Neuorientierung mit Biergenuss in den eigenen vier Wänden und auf der heimischen Terrasse war die Folge.

Laut Kuhl rangiere die Marke Veltins im internationalen Premium-Vergleich derzeit unverändert auf Platz drei. In den rund 14.000 Gastronomiebetrieben habe die Brauerei im Fassbiergeschäft aufgrund der betrieblichen Reglementierungen 56,3 Prozent des Ausstoßes verloren, sodass zum Jahresende ein Fassbiervolumen von 228.400 Hektoliter bilanziert wurde. Trotz der folgenschweren Auswirkungen lässt die Privatbrauerei jedoch keinen Zweifel daran, ihren traditionellen Kurs fortzusetzen.

„Die Krise hat die Wertschätzung im Land gezeigt. Trotz der starken Einschnitte haben wir das ,Pülleken’ eingeführt. Nach dem Motto ,Jetzt erst recht’. Wir waren im Sommer 2020 zur richtigen Zeit am richtigen Ort und haben mit der Neueinführung den Verbraucherwunsch nach unbeschwertem Biergenuss getroffen“, erklärte Dr. Volker Kuhl.

Belegschaft wird 2021 erhöht

Trotz der Pandemie habe die Traditionsbrauerei seit der Jahrtausendwende ein Wachstum von 24,6 Prozent erreicht und konsolidiere auf dem soliden Ausstoßniveau von 2017. Laufe alles nach den Erwartungen könne man im zweiten Halbjahr wieder mit Veranstaltungen rechnen. Dennoch werde es nach dem Ende der Pandemie mindestens 30 Monate benötigen, um die marktseitigen Unwuchten hinter sich zu lassen. Erst 2023 werde der Biermarkt wieder mit ganzer Kraft durchstarten.

„Für viele Anbieter wird es wirtschaftlich schwierig, für manchen existenzbedrohlich. Die Betriebsaufgaben werden uns als Folge der Pandemie noch das ganze Jahrzehnt begleiten“, prognostizierte der Veltins-Generalbevollmächtigte Michael Huber. „Die Brauerei C. & A. Veltins setzt weiterhin auf Kontinuität. Wir brauchen unternehmerischen Mut. Darum wird die Belegschaft 2021 um ein Dutzend Mitarbeiter erhöht, sodass wir zum Jahresende die Zahl von mehr als 700 Beschäftigten erreichen werden.“

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