Die digitale Zukunft einläuten

Hochsauerlandkreis besiegelt flächendeckenden Glasfaserausbau

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Vertreter des Kreise und der Deutschen Telekom freuen sich gemeinsam mit Landrat Dr. Karl Schneider, dass auch der HSK bald in der Gigabit-Gesellschaft angekommen ist. Dann gehört altmodische Technik (wie auf dem Foto zu sehen) der Vergangenheit an. 

Meschede/Hochsauerland. „Das Internet ist für uns alle Neuland“ – mit diesem legendären Statement sorgte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juni 2013 nicht nur für Aufsehen, sondern auch für jede Menge Spott. Mit einem hatte die Kanzlerin aber Recht, auch wenn sie diese Aussage in einem ganz anderen Zusammenhang – nämlich mit der Abhörung durch die NSA – tätigte: Zumindest schnelles Internet ist für viele bis heute noch Neuland – auch und gerade auf den Dörfern. Dieses Problem wollen der Hochsauerlandkreis und die Deutsche Telekom gemeinsam angehen. So wurden am Dienstag im Kreishaus Verträge zum flächendeckenden Glasfaserausbau für die Städte und Gemeinden der Region unterzeichnet.

Rund 5.500 Haushalte werden vom Ausbau profitieren, knapp 700 Kilometer Glasfaser müssen dafür im gesamten Kreisgebiet verlegt werden – und das alles bis Ende 2020. Angesichts dieser eindrucksvollen Zahlen sprach Landrat Dr. Karl Schneider im Rahmen der Vertragsunterzeichnung auch von einem „Meilenstein für den Flächenkreis.“ 

Vor allem zeigte sich der Landrat erfreut darüber, dass statt der ursprünglich angedachten FTTC-Verglasung (Fibre-to-the-Curb, sprich Glasfaser bis zum Bordstein/Straßenrand) nun die modernere FTTB-Technik (Fibre-to-the-Building, also „Glasfaser bis zum Gebäude“) zum Einsatz kommt. Hier endet das Glasfaserkabel nicht im Kabelverzweiger wie bei FTTC, sondern innerhalb des Gebäudes, in dem der Kunde seinen Anschluss hat. 

Dies ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gigabit pro Sekunde beim Herunterladen – beim Upload sind es bis 500 Megabit pro Sekunde. „Das ist auch ein Signal an den Bürger – vor allem an die jungen Leuten und die Gewerbetreibenden. Nur eine Kommune mit digitaler Infrastruktur ist attraktiv für Familien und Unternehmen. Wir kämpfen um jeden Einzelnen“, verdeutliche Schneider.

50 Firmen und 55 Schulen profitieren

Denn zu den rund 5.500 profitierenden Haushalten gehören nicht nur Privatleute, sondern auch Gewerbegebiete mit rund 50 Firmen und sogar 55 – zumeist weiterführende – Schulen. Im Gebiet Schmallenberg etwa erhalten alleine 53 Ortsteile die neue Technologie, im Stadtgebiet Brilon dürfen sich beispielsweise Alme, Bontkirchen, Nehden oder das Gewerbegebiet Hinterm Gallberg freuen. 

Auch Ortschaften wie Föckinghausen oder Andreasberg in der Gemeinde Bestwig, oder Enkhausen, Schüren sowie Mosebolle im Stadtgebiet Meschede (um nur einige zu nennen) werden bedacht. Im Raum Arnsberg-Hüsten sind alleine 13 Schulen von der digitalen Revolution betroffen. 

„Wir freuen uns besonders darüber, den Ausbau im Hochsauerlandkreis durchführen zu dürfen, da wir aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit genau wissen, wie wichtig ein leistungsfähiger Internetanschluss im ländlichen Raum für die Bürger ist“, erklärte Peter Kroppen, Leiter Infrastrukturvertrieb West der Deutschen Telekom. Das Unternehmen hatte die öffentliche Ausschreibung für den Netzausbau in den Städten und Gemeinden im Hochsauerlandkreis gewonnen. Mehr als vier Milliarden Euro investiere man bundesweit jährlich in den Breitbandausbau, 13 Millionen davon fließen jetzt in den HSK.

Gesamtkosten von 18,4 Millionen Euro

Die Gesamtkosten – abgesehen von den Investitionen der Telekom – beziffert der Landrat auf 18,4 Millionen Euro. Dank der intensiven Vorbereitungen durch Vertreter der TeleKommunikationsGesellschaft Südwestfalen, die laut Landrat Schneider „jede noch so bürokratische Hürde genommen hat“, ist es gelungen, nicht nur die Kommunen mit ins Boot zu holen, sondern auch Förderbescheide von Land und Bund für dieses Projekt zur erwirken. Deshalb übernimmt der Bund rund 9, das Land NRW knapp 8 Millionen der Gesamtkosten. Die restlichen 1,4 Millionen Euro müssen die Kommunen schultern.

Damit die Telekom Glasfaser ausbauen kann, müssen auch die Immobilienbesitzer mitmachen. „Glasfaser gibt es nur gemeinsam“, sagt Regionalmanager Reinhard Rohleder. „Für den Anschluss an das schnelle Netz brauchen wir eine Einverständniserklärung mit Unterschrift des Eigentümers. Sonst dürfen wir sein Haus nicht mit Glasfaser anschließen.“

Kunden werden persönlich kontaktiert

Die Telekom kontaktiert deshalb die Eigentümer direkt, sobald die Kommune die notwendigen Kontaktdaten weitergegeben hat. Den Vorteil von Glasfaser macht Rohleder anhand eines Beispiels deutlich: Während man früher über ein vergleichsweise dickes Kabel genau ein Telefongespräch führen konnte, laufen heute über eine Glasfaser 1 Millionen Telefongespräche gleichzeitig, wobei die Glasfaser selbst dünner sei als ein menschliches Haar. Um über Vorzüge wie diesen aufzuklären, planen die Kommunen und die Telekom Informationsveranstaltungen für die Bürger im Ausbaugebiet. Auch ein offizieller Spatenstich zu Baubeginn ist regional angedacht. Termine, Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben.

Die Telekom steigt nun in die Feinplanung für den Ausbau ein. Parallel werden eine Tiefbau-Firma ausgewählt, Material bestellt und Baugenehmigungen eingeholt. Sobald alle Leitungen verlegt und alle Verteiler aufgestellt sind, erfolgt die Anbindung ans Netz der Telekom. Anschließend können die Kunden die neuen Anschlüsse buchen. „Bis Januar/Februar 2019 – je nach Witterung – wird sichtbar in den Ortschaften erstmal nicht viel passieren. Die Vorbereitungen im Hintergrund laufen aber auf Hochtouren“, erklärt Josef Sommer, Produktion Technische Infrastruktur der Telekom West.

"Wir wollen auch die letzten weißen Flecken auf der Landkarte tilgen“

„Wenn es soweit ist, bin ich sehr gespannt, wie viele letztlich auch die neuen Möglichkeiten nutzen. Denn ,wollen’ wollen immer alle viel, aber dann wirklich auch etwas dafür zu tun, nämlich ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen, steht wieder auf einem ganz anderen Blatt“, weiß Landrat Dr. Karl Schneider. Die Preise indes sollen nach Darstellung der Telekom erschwinglich sein: Beginnend bei 50 Euro soll es die 1000-Mbit/s bereits ab 70 Euro für Privathaushalte geben, Firmen würde das umgerechnet 120 Euro kosten.

Und es gibt noch eine gute Nachricht für alle Haushalte, die bei der aktuellen Förderung leer ausgehen: Eine sechste Ausschreibung ist bereits in der Planung. „Wir prüfen jede Adresse im HSK. Wir wollen auch die letzten weißen Flecken auf der Landkarte tilgen“, betonen Franz-Josef Mönxelhaus (Fachdezernat Regionalentwicklung) und Breitbandkoordinator Ludger Laufer unisono. Damit das schnelle Internet auch wirklich bald für niemanden mehr Neuland ist.

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