„Trauer hat viele Farben“

"Hospiz macht Schule": Sauerländer Grundschüler gehen unbefangen mit dem Thema Tod um 

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Die Viertklässler der St.Johannes-Grundschule präsentieren stolz ihre Werke, die sie im Rahmen der Projektwoche „Hospiz macht Schule“ erstellt haben.

Wehrstapel - Der Tod gilt bei vielen immer noch als Tabuthema. Um einen offeneren Umgang mit dem Thema zu schaffen, führt die St. Johannes-Grundschule in Wehrstapel nun bereits zum dritten Mal das Projekt „Hospiz macht Schule“ durch, bei dem sich die Viertklässler kreativ mit der Thematik auseinandersetzen und ihren Gefühlen freien Lauf lassen können.

„Gefühle haben Farben. Welche Farbe hat Trauer?“ – schaut man sich die Bilder an, die die Viertklässler der St. Johannes-Grundschule in Wehrstapel zu dieser Frage gemalt haben, dann erkennt man viele Farben: Rot, Grün, Gelb, Blau, doch nur wenig Schwarz. „Die Bilder sind sehr farbenfroh. Das zeigt, dass Trauer viele Farben hat und nicht nur dunkel ist“, betont Daniela Jaworek, Hospizkoordinatorin des Caritasverband Meschede, die zusammen mit einem Team aus sechs ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen die Projektwoche „Hospiz macht Schule“ an der Grundschule durchführt. 

Trauer hat viele Farben - das zeigen auch die Bilder, die die Grundschüler zu diesem Thema gemalt haben.

Unbefangen und mit einer „kindlichen Leichtigkeit“ nähern sich die Jungen und Mädchen der vierten Klasse in fünf Kleingruppen eine Woche lang einem Thema an, das „bei vielen Familien ja immer noch ein Tabu ist“, wie Schulleiterin Christina Plett feststellt.

"Kinder hören zu und trösten"

Die engagierte Lehrerin setzt sich für einen offeneren Umgang mit Tod und Trauer ein. „Als mein Opa gestorben ist, habe ich meine Tochter mit zur Beerdigung genommen. Meine Oma hatte erst Bedenken. Als sich meine Tochter bei meiner Oma auf den Schoß gesetzt hat und sie getröstet hat, meinte meine Oma zu mir: ,Es war gut, dass du sie mitgenommen hast, sie war wirklich eine Stütze’." Ein Moment, der Christina Plett bestärkt, das Projekt zukünftig vollständig in das Schulkonzept zu integrieren.

Kindgerecht wird das Thema Tod bei "Hospiz macht Schule" aufbereitet.

Die Projektwoche ist in fünf Schwerpunkte eingeteilt: Veränderung, Krankheit, Tod, Trauer und Trösten. Besonders der Schwerpunkt „Tod“ sei dabei mit vielen Emotionen verbunden. „Im normalen Schulalltag müssen die Kinder ja nach außen hin immer stark sein. Im Rahmen des Projekts dürfen sie auch mal weinen. Man lernt so auch als Lehrerin die Kinder ganz anders kennen“, so Plett. So erlebe man Kinder, die ganz offen sprechen und Gefühle zeigen. „Die anderen Kinder hören zu und trösten auch. Man erkennt, wie die Kinder von Tag zu Tag mehr zusammenwachsen“, so Plett. Wichtig sei vor allem, dass die Kinder selbst entscheiden können, was sie preisgeben wollen. „Es ist aber wirklich zu erkennen, dass sich die Kinder schnell auf die Thematik einlassen“, freut sich die Schulleiterin, für die das Projekt „etwas Außergewöhnliches“ sei.

Kinder als "Multiplikatoren der Gesellschaft"

Auch die ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen, die die Kleingruppen leiten, sind begeistert von dem Projekt. „Als ich gefragt wurde, ob ich mitmachen möchte, habe ich mich sofort bereiterklärt. Die Kinder sind Multiplikatoren der Gesellschaft,“ betont Hiltrud Siebers. Auch Dorothea Grosche glaubt, dass nicht nur die Kinder selbst profitieren: „Die Kinder erzählen ihren Eltern von der Woche und so eröffnet sich auch für die Eltern ein neuer Blick auf das Thema.“ Auch die Schüler selbst finden das Projekt mehr als gelungen. „Mir hat alles gut gefallen und ich freue mich auch darauf, meinen Eltern meine Werke zu zeigen“, sagt die neunjährige Mia stellvertretend für ihre Mitschüler, während sie einen Tontopf bemalt.

Diese Bohnenpflanzen gelten als "Symbol dafür, dass nach dem Tod und der Trauer wieder etwas Neues wächst."

Neben dem Malen von Bildern und dem offenen Austausch sollen die Kinder auch Tontöpfe kreativ gestalten und in diese dann Bohnenpflanzen einsetzen, „ein Symbol dafür, dass nach dem Tod und der Trauer wieder etwas neues wächst und entsteht“, erklärt Daniela Jaworek. Den Abschluss der Woche bildet ein Besuch des örtlichen Friedhofs und ein Elternnachmittag. „Ein gelungenes Projekt, das ein realistisches Bild vom Tod zeigt“, sind sich alle Teilnehmenden einig

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