Strecken sind keine Rennpisten

Diese Tipps gibt die Polizei für sicheres Motorradfahren im Sauerland

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Die reizvollen Strecken und kurvenreichen Landschaften im Sauerland locken viele Motorradfahrer an. Das ruft leider auch oft die Polizei auf den Plan.

Hochsauerland. Klassischerweise hat bereits im April die Motorradsaison begonnen. Doch schon mit den ersten warmen Frühlingstagen sind die ersten Biker auf den Straßen unterwegs. Meist in kleinen Gruppen vertrauen sie darauf, dass die Routine der letzten Saison immer noch da ist, die Bewegungsabläufe beim Kurvenfahren, die Hand- und Fußbewegungen beim Bremsen und Beschleunigen, einfach dass das ganze „System Motorradfahrer“ noch super funktioniert. Doch bedauerlicherweise sind schon jetzt über zehn Motorradfahrer verletzt worden und drei Biker bei Verkehrsunfällen gestorben. Im letzten Jahr gab es 157 Motorradunfälle im HSK. Hierbei wurden 146 Menschen verletzt und zwei getötet.

Motorradfahren ist fünfmal anstrengender als Autofahren, sagt man. Alle Sinne bedürfen höchster Aufmerksamkeit, das ist extrem anstrengend, sodass nach zwei Stunden Fahrt diese Aufmerksamkeit meistens nachlässt. Beim untrainierten Fahrer schon deutlich früher.

Für eine sichere Fahrt ist es aber wichtig, dass sich der Fahrer wohlfühlt und er konzentriert bleibt. Deshalb sollten Pausen eingeplant und eingehalten werden. Viele Fahrer kommen aus den umliegenden Kreisen, dem Ruhrgebiet oder den Benelux-Staaten, um auf den beliebten Motorradstrecken zu fahren. Das spiegelt sich auch bei den Unfällen wieder: Dreiviertel der verunglückten Motorradfahrer leben nicht im Sauerland. Viele unterschätzen die lange Anreise oder die anspruchsvollen Strecken.

Die Gegebenheiten bei uns sind ihnen fremd. Gefälle mit Kurven fahren sich, vor allem mit Sozius, ganz anders, als im Flachland. Holztransporter, Trecker oder Pferdegespanne auf der Straße sind sehr langsam unterwegs. Auch immer mehr Radfahrer machen eine Tour über die Landstraßen. Motorradunfälle passieren nicht einfach so. Motorradunfälle werden verursacht. So begehen bei zwei von drei Unfällen mit Verletzten die Motorradfahrer den entscheidenden Fehler. Bei etwa der Hälfte der Unfälle ist die Geschwindigkeit, ob zu schnell oder nicht angepasst, die Hauptunfallursache. 

Langsam fahren, Rücksicht nehmen, Pausen machen

Häufig verunglücken Mitfahrer von Motorradgruppen, nicht selten der Schlussfahrer. In einer Gruppe von Motorradfahrer ist jeder für sich selbst verantwortlich. Wenn der vorderste Fahrer ein guter Fahrer ist, ist er an der Spitze nicht an der richtigen Stelle. Er sollte hinten fahren, weil er sonst die schwächeren Mitglieder der Gruppe zu sehr unter Druck setzt, ihm zu folgen.

Schutzkleidung ist absolut notwendig beim Motorradfahren. Bei Motorradbekleidung steht die Funktionalität an erster Stelle. Erst danach kommt die Optik. Jeder kennt schmerzende und nässende Schürfwunden. Wie schmerzhaft muss erst die Verletzung nach dem meterlangen Rutschen auf Asphalt sein? Deshalb: Auch bei kurzen Fahrten ist die passende Schutzkleidung zu tragen.

Das Sauerland freut sich über jeden Gast – Motorradfahrer sind herzlich willkommen. Die Strecken des HSK sind aber keine Rennpisten! Also: Langsam fahren, Rücksicht nehmen, Pausen machen und dabei noch mal genau nachdenken: Fahre ich so, dass ich demnächst wiederkommen kann? Oder bleibe ich bei meinem Fahrstil irgendwann für immer im Straßengraben liegen?

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